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St. Benedikt Jever hat in Schrebergartenkolonie Parzelle gepachtet

Messdiener Jever ernten im „Franziskusgarten“

  • Junge Menschen haben ein waches Gefühl für die Schöpfung und ihre Gefährdung.
  • Wegen dieser Erfahrung haben zwei Frauen aus St. Benedikt Jever ein ungewöhnliches kirchliches Projekt umgesetzt.
  • Die Gemeinde besitzt mit dem „Franziskusgarten“ nun eine Schrebergartenparzelle, die auch der Jugendarbeit dienen soll.

Das ließ den beiden Frauen aus Jever keine Ruhe. Die Bewegung „Fridays for Future“ war damals, im Winter 2019, auf einem Höhepunkt. Die Jugend sorgte sich offensichtlich um die Schöpfung. Aber Sabine Determann und Elfriede Wichmann erlebten es auch in ihrem Umfeld: Junge Menschen beschlossen plötzlich, vegan zu leben. Wieder aus Achtung vor der Schöpfung. Wie konnte eine Pfarrgemeinde wie St. Benedikt in friesischen Kreisstadt darauf antworten?

Sabine Determann ist Physiotherapeutin, Elfriede Wichmann war Berufsschullehrerin. Beide sitzen im Kirchenausschuss der Gemeinde und redeten sich damals nach einer Sitzung die Köpfe heiß. Wie könnte die Kirche diese Anliegen aufnehmen? Wenn Jugendlichen die Schöpfung und ihre Lebensmittel wichtig sind, müsse man ihnen auch die Möglichkeit geben, sie handgreiflich zu erleben und zu gestalten, so ihr Gedanke. Die Idee eines eigenen Gartens der Gemeinde war geboren.

Garten völlig heruntergekommen

Sabine Determann wusste von einem freien Schrebergartengrundstück am südlichen Stadtrand, zwei Parzellen, gut 900 Quadratmeter groß und zu vergeben. Mehr als zehn Jahre waren  sie nicht mehr bewirtschaftet worden. „Die sahen schlimm aus“, erinnert sich Sabine Determann. „Wie auf einem Truppenübungsplatz“, erinnert sich Elfriede Wichmann an den Eindruck eines Kollegen.

Aber die beiden Frauen wollten es wissen. Sie überzeugten Pfarrer Walter Albers und den für die Finanzen verantwortlichen Kirchenausschuss. Die Gemeinde St. Benedikt pachtete die beiden Parzellen, für 120 Euro im Jahr. Zusammen mit Helfern aus der Gemeinde machten sich die beiden Frauen an die Arbeit.

Hilfe auch von Berufsschülern

Brennnesseln roden, Stubben ausgraben, eine völlig vermoderte Hütte abreißen. Freunde aus der Gemeinde haben geholfen. Später, beim Bau zwei neuer Häuser, haben auch angehende Maurer und Zimmerleute geholfen. „Die hatte ich bei mir in der Berufsschule angesprochen“, berichtet Elfriede Wichmann.

Die eigentliche Aufbauarbeit, das Setzen neuer Pflanzen etwa, wollten die beiden Frauen zusammen mit Jugendlichen gestalten. Wegen der Corona-Beschränkungen war das nicht möglich.

Obst und Kräuter aus der Bibel

So setzten Determann und Wichmann selbst zum Beispiel Kartoffeln und Rettich, Erbsen und Tomaten, Paprika und Möhren. Die Frauen haben auch Obststräucher gepflanzt. „Auch Wein und Maulbeeren, Pflanzen aus der Bibel.“ Daneben neben vielen anderen „Kräuter aus der Bibel: Ysop und Lavendel.“

Nach einem Jahr war die Idee verwirklicht, Pfarrer Albers hat das Grundstück am Fest Mariä Himmelfahrt bei einem Gottesdienst als „Franziskusgarten“ für die Gemeinde eingesegnet.

Im nächsten Jahr säen und ernten

Inzwischen haben auch die Messdiener der Gemeinde und andere Jugendgruppen den Garten besucht. Sabine Determann und Elfriede Wichmann haben sie zu Gemüsebeeten und Obstbäumen geführt und wollen sie im nächsten Jahr dort einsetzen, wo es Corona dieses Jahr unmöglich machte: beim Säen und Ernten.

„Wir möchten erreichen, dass sie Lebensmittel wertschätzen“, sagt Sabine Determann. „Wenn sie merken, wie viel Freude und Arbeit es bedeutet, Gemüse und Früchte anzubauen.“ Elfriede Wichmann ergänzt: „Wir wollen mit den Kindern auch diskutieren, was es bedeutet, die Schöpfung zu bewahren, und was jeder dafür tun kann.“

Das Offizialat förderte das Projekt

Dieses neue Gemeindeprojekt hat das Bischöfliche Offizialat in Vechta zwei Mal mit insgesamt 8.000 Euro gefördert. Das Geld kommt aus dem Fonds „Gute Idee“ des oldenburgischen Pastoralrats. Damit sollen vorbildliche Projekte für die Entwicklung des Gemeindelebens gefördert werden. Der Fonds war 2008 nach einer Welle von Pfarrfusionen gegründet worden. Er sollte Impulse für das Leben in den neuen Gemeinden unterstützen. Der oldenburgische Kirchensteuerrat stellt dafür 50.000 Euro im Jahr bereit.

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