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19-Jähriger aus Kellen am Niederrhein investiert 1.000 Stunden für Detailarbeit

22.000 Lego-Steine - Jugendlicher baut Münsters Paulusdom nach

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Nach dem Abitur im vergangenen Jahr suchte der 19-jährige Janis Jaspers aus Kellen etwas, bei dem er die Kopf frei bekommen konnte. Viele Möglichkeiten boten sich ihm im Corona-Lockdown nicht. Da begann er ein Lego-Modell zu bauen - vom Paulusdom in Münster. Die Wahl des Niederrheiners fiel nicht ohne Grund auf die Kathedrale in Westfalen.

Die Voraussetzungen waren ideal: Janis Jasper hatte im Frühjahr 2020 gerade sein Abitur gemacht und suchte eine Beschäftigung, bei der er „den Kopf wieder frei bekommen konnte“. Der erste Corona-Lockdown verhinderte die klassischen Freizeitaktivitäten in dieser Lebensphase wie etwa das Reisen oder das Feiern mit Freunden. Auch sein Engagement als Messdienerleiter in der Pfarrgemeinde St. Willibrord in Kellen bei Kleve musste aufgrund der Kontaktbeschränkungen heruntergefahren werden.

Freie Zeit gab es also genug, aber für ihn bedeutete das keine Langeweile. Denn direkt nach seiner letzten Klausur begann der 19-Jährige mit einem Projekt, das ihn so durch die Pandemie brachte, „als wären die Wochen wie im Flug vergangen“. Seine Leidenschaft für die Legobausteine kam in diesem Augenblick mit seinem Interesse für die Kirche und ihre Bauten zusammen. Die Idee, ein Gotteshaus aus der Stadt nachzubauen, in der er künftig Theologie studieren will, wuchs. Seine Wahl fiel auf den Paulusdom in Münster.

Bauen ohne Plan

Einen Baukasten dafür gibt es nicht. Schon gar nicht fertige Bauteile, die nur zusammengesteckt werden müssen. Aber gerade darin sah Jaspers den Reiz. „Ich wollte kreativ an die Sache herangehen – bei der Gestaltung eigene Lösungen finden.“ Was nicht heißt, dass er einfach drauflos bastelte. Den Grundriss fand er im Internet, dazu eine dreidimensionale Animation. Die sollte ihm vor allem bei den Details im Inneren der Kathedrale helfen.

Jaspers fand seinen eigenen Maßstab. „Ich habe zuerst die Treppenstufen im Kirchenschiff gebaut, um die Ausmaße des Gebäudes festzulegen.“ Das Ergebnis: 1,05 Meter Länge, gut einen halben Meter Breite. Die Höhe bestimmte er mit der Orgel. „Sie zeigte mir genau, wie hoch die Außenmauer werden mussten.“ Es sind etwas mehr als 60 Zentimeter geworden. Sein Gefühl für diese Abmessungen kommt nicht von ungefähr: In den vergangenen Jahren hat er bereits zwei kleinere Kirchen im Lego-Modell gebaut – St. Willibrod in Kellen und die dortige „Alte Kirche.“

Rundes aus Eckigem

Der Dom aber wurde zu einer ganz anderen Nummer: Die Zahlen des Projekts lassen jeden anderen Hobby-Bastler blass werden: Insgesamt verbaute Jaspers etwa 22.000 Steine. Allein für das Mauerwerk bestellte er über das Internet 12.000 Steine im Farbton „Sandstein“. Für das kupfergrüne Dach waren es 8000. „Alle so, wie es bei Lego halt ist“, sagt Jaspers. „Viereckig und quadratisch.“ Der Bau der Rundungen und Wölbungen wurden dabei zur besonderen Herausforderung.

Neben den großen Zahlen sind es aber vor allem die kleinen Details, die ihm Spaß machten und den Betrachter begeistern: Der Paulusaltar mit Klappflügeln, die Kanzel, der Domherrenfriedhof, Bänke, Wandaltäre, Kapellen, Heiligenfiguren… Und selbst bei diesen Details war er noch sehr detailverliebt. Das Geläut im Südturm hat natürlich wie im Original zehn Glocken – die Kardinalsglocke als größte. Nur eben nicht mit mehr als 20 Tonnen Gewicht, sondern mit nur wenigen Gramm.

Der Altar ist beleuchtet - wie im echten Dom

Eigentlich hat er dabei jedes Teilstück liebgewonnen, sagt Jaspers. „Weil es einzelne Projekte im großen Projekt waren.“ Besonderen Stolz für einige Einzelheiten hat er aber dann doch entwickelt. Da nennt er als Erstes den Altar unter dem Triumphkreuz: „Zwar sind hinter dem Ausstellungsglas aus Platzgründen nur drei Apostel zu sehen, dafür aber mit der Beleuchtung von hinten – wie im echten Dom.“

Vielleicht 1.000 Stunden hat er investiert, bis er das Dach schließen konnte. „Genau kann ich das gar nicht sagen.“ Manchmal baute er ganze Wochen durch, manchmal machte er auch längere Pausen – etwa im vergangenen Sommer, als die Corona-Situation auch andere Aktivitäten zuließ. Jetzt steht das Modell auf einer extra vom Schreiner hergestellten Holzplatte in seinem Zimmer. „Eigentlich zu schade“, sagt Jaspers. Vielleicht kann er es mitnehmen, wenn er nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), das er derzeit auf der Wasserburg Rindern absolviert, nach Münster ziehen will. „Wenn mein kleiner Dom dann im großen Dom ausgestellt werden könnte, fände ich das klasse.“

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