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Hohes Spendenaufkommen bei geschlossenen Einrichtungen – Sozialkaufhäuser im Corona-Alltag

Möbel-Spenden sind für Sozialkäufhäuser nicht immer ein Gewinn

  • Die Sozialkaufhäuser im Kreis Steinfurt haben derzeit geschlossen – die Möbelabteilung in Emsdetten jetzt sogar für immer.
  • In Rheine ist das „Brauchbar & Co“ stark nachgefragt, aber das gerade umgezogene Sozialkaufhaus muss auf seine Eröffnung warten.
  • In Ibbenbüren können Hilfesuchende im Notfall über Fotos per Smartphone Möbel aussuchen.
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Gespendete Möbel und Kleider günstig erwerben – Sozialkäufhäuser sind bei Schnäppchenjägern, Menschen mit geringem Einkommen oder Stöberfreunden beliebt. Das Sozialkaufhaus „KaDeCa“ der Caritas Emsdetten-Greven wird jetzt seine Möbelabteilung schließen – ein Grund: „Die Stücke werden nicht mehr nachgefragt“, sagt Bernward Stelljes, Geschäftsführer des Verbandes im Gespräch mit „kirche-und-leben.de“. Billig-Möbelläden und Bezugsquellen aus dem Internet machten zunehmend Konkurrenz. „Dazu bekommen wir viele Stücke angeboten, die aber nicht mehr dem Zeitgeist entsprechen. ,Gelsenkirchener Barock‘ und röhrender Hirsch haben ausgedient“, verweist Stelljes auf die schweren, dunklen Möbel, die in früheren Jahrzehnten in Mode waren und die vielfach aussortiert werden.

Auf den Entsorgungskosten bleibe der Verband dann sitzen. Alle Mitarbeiter, die bisher in der Möbelabteilung tätig waren, sollen in anderen Bereichen eingesetzt werden. Die Abteilungen Kleider und Hausrat des KaDeCa mit seinen Standorten in Emsdetten, Greven und Saerbeck liefen sehr gut und sollen ausgebaut werden, betont Bernward Stelljes.

 

In Rheine wartet das „Brauchbar und Co.“ auf einen Neustart

 

Auch in Rheine hat das Sozialkaufhaus „Brauchbar & Co“ in Trägerschaft des Caritasverbandes Rheine geschlossen – allerdings nicht für immer. In Coronazeiten müssen sich Bedürftige an städtische Angebote wenden. Die aktuelle Schließung diene auch dem Schutz der Mitarbeiter: „Viele unserer ehrenamtlichen Helfer gehören zur Risikogruppe, das ist durchaus ein Problem“, sagt Stefan Gude, Sprecher der Caritas Rheine.

Doppelt bedauerlich für das „Brauchbar“: Es war gerade mit seinem umfangreichen Angebot von Möbeldienst, Kleiderladen, der Tafel und dem Stromsparcheck an den neuen Standort Stolbergstraße/Overbergstraße gezogen. Die Schuldnerberatung, das Tageszentrum und der Betreuungsverein befinden sich ebenfalls unter einem Dach. Stefan Gude betont: „Wenn es wieder losgeht, soll sich das Haus über die materiellen Angebote hinaus nach und nach zu einem Ort der Begegnung und Beratung entwickeln.“ Die Möbelabteilung bleibe auf jeden Fall erhalten, sie sei stark nachgefragt - bei Spendern und Verbrauchern.

 

Hilfesuchende können Möbel über Fotos per Smartphone aussuchen.

 

Der Möbelstandort des Sozialkaufhauses des Sozialdienst katholischer Frauen Ibbenbüren (SkF) in Kooperation mit dem Caritasverband Tecklenburger Land hat sich dagegen vor zwei Jahren verkleinert. Die 300 Quadratmeter große Möbelhalle wurde abgegeben, ausgewählte Stücke finden sich jetzt im Sozialkaufhaus wieder. Gerade viele Küchen, die auf dem Schnäppchenmarkt noch gutes Geld bringen würden, würden gespendet: „Das haben wir in der Pandemie schon beobachten, viele Menschen räumen ihre Haushalte auf und wollen uns ihre Sachen bringen“, sagt Barbara Berardis, Diplom-Sozialpädagogin beim SkF Ibbenbüren. Doch auch im Sozialkaufhaus ist der Platz begrenzt und es werden Sachen angeboten, die niemand mehr gebrauchen kann: „Wir müssen Möbel ablehnen. Eine 20 Jahre alte Couch möchte niemand mehr haben.“ Manche Eigentümer verstehen die Ablehnung nicht: „Für sie war es natürlich immer ein schönes Möbelstück“, zeigt Beradis Verständnis.

Zurzeit ist das Sozialkaufhaus ist geschlossen und die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen sind auf „Stand By“. Die zehn Angestellten, die sonst im Sozialkaufhaus arbeiten, unterstützen jetzt die Tafel, etwa bei der Abholung von Lebensmitteln, Sortieren und Austeilen bei der „Mahlzeit to go“.
Sonst verzeichnet die Tafel etwa 200 Kunden in der Woche: „Da hängen Familien und Angehörige dran, so dass wir von 900 Kunden insgesamt ausgehen“, sagt Barbara Berardis. Das Sozialkaufhaus besuchen sonst 20 bis 40 Leute täglich. „Wir werden vermisst“, registriert die Sozialpädagogin aufgrund vieler Nachfragen. Für Notfälle gebe es eine Vereinbarung der Geschäftsführung mit der Stadt Ibbenbüren: „Wenn von dort Infos kommen, eine Familie braucht dringend Hilfe, weil sie umzieht, dann gucken wir, was sich machen lässt.“ Per Tablet oder Smartphone würden Fotos von Möbeln verschickt und Interessenten können sie kontaktlos abholen.

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