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Versicherer registrieren hohe Nachfrage nach Katastrophe

Nach Flut: Ist jedes Haus gegen Elementarschäden versichert?

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Die Flutkatastrophe hat mindestens 182 Menschenleben gekostet und noch mehr Existenzen zerstört. Das Ausmaß der Schäden wird langsam sichtbar und die Frage kommt auf: Bin ich gegen eine solche Naturkatastrophe versichert? „Kirche-und-Leben.de“ hat beim Versicherer im Raum der Kirchen (VRK) nachgefragt, wie sinnvoll eine Versicherung gegen Elementarschäden ist und wie weit sie verbreitet ist.

Die Flut traf Städte wie Hagen und Solingen und große Teile des Kreises Ahrweiler mit einer Wucht, die alle Vorhersagen bei weitem übertraf. Nach ersten Schätzungen gehen die Schäden in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in die Milliarden, erklärte die Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer zuletzt. Die Summe werde das Ausmaß des Oder-Hochwassers 2013 übersteigen. Deshalb brauche es einen nationalen Wiederaufbaufonds, um die Infrastruktur wiederherzustellen.

Neben den staatlichen Hilfen und der enormen Spendenbereitschaft in der Bevölkerung werden auch die Versicherer ihren Beitrag für den Wiederaufbau leisten. Doch längst nicht jeder Haushalt verfügt über den passenden Schutz, um Hilfe von der Versicherung einzufordern.

Elementarschäden längst nicht immer abgesichert

Die entscheidende Frage sei zunächst, ob die Gebäude- und die Hausratversicherung eine so genannte Elementarschadendeckung beinhalten. Dies sei zwar immer häufiger der Fall, weiß Marko Stumpf, zuständiger Abteilungsleiter beim Versicherer im Raum der Kirchen (VRK), aber längst nicht der Regelfall: „Im bundesweiten Markttrend gehen wir bei Gebäudeversicherungen von einem Anteil zwischen 35 und 50 Prozent mit Elementarschutz aus.“ In Nordrhein-Westfalen liegt der Wert bei 45 Prozent, heißt es vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Nach der Flutkatastrophe Mitte Juli steige auch beim VRK das Kundeninteresse an der Absicherung gegen Überschwemmungen durch Hochwasser oder Starkregen. Die Berater seien seit längerer Zeit darauf geschult, die Kunden auf diese erweiterte Gebäudeversicherung hinzuweisen.

Prämie bemisst sich an Gefahreneinstufung

Die Höhe der zusätzlichen Prämie bemesse sich unter anderem an einer Gefahreneinstufung. „Hier geht die Skala von Zone 1 – geringes Risiko – bis Zone 4 – hohes Risiko“, erklärt Marko Stumpf. Die Einteilung in Zonen übernimmt der GDV für die Branche. Auch wer direkt an einem Fluss wohne, habe die Chance auf eine solche Versicherung. „Wir können in 98 bis 99 Prozent der Fälle Versicherungen anbieten“, so der Experte. Allerdings müssten teilweise individuelle Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Selbst wenn ein Gebäude in Zone 1 liege, könne eine Elementarschadendeckung sinnvoll sein. Einige Gebiete, die nun vom Hochwasser betroffen sind, wie zum Beispiel Teile von Hagen, hatten laut Versicherer ein statisch gesehen geringes Risiko. Marko Stumpf erinnert auch an das Hochwasser in Münster 2014. Mit dem damaligen Ausmaß hätten wohl nur wenige Menschen gerechnet. „Die Unwetter werden unberechenbarer. Wir haben auch bei der Flutkatastrophe gesehen, dass sich Regenwolken nur sehr langsam bewegen und dadurch erhebliche Wassermassen auf einem Gebiet lange Zeit abregnen“, sagt Stumpf.

Experte spricht sich gegen Versicherungspflicht aus

Der Experte plädiert für eine Prüfung im Einzelfall und spricht sich klar gegen eine Versicherungspflicht gegen Elementarschäden aus, die im Moment debattiert wird: „Ich finde es wichtig, die Bürger mündig zu halten.“ Es gehe schließlich um die eigene Vorsorge, womit sich die Leute beschäftigen sollten. Besser als eine Pflicht sei es, über die Möglichkeiten einer erweiterten Versicherung aufzuklären. Hier sieht er seine Branche gefordert.

Das Kundeninteresse an einer passenden Absicherung steigt nicht nur beim VRK. Auch die Konzerne Provinzial und LVM aus Münster melden eine erhöhte Nachfrage. Doch im Moment konzentriert sich nicht nur der VRK auf die Aufnahme der Schäden in den Flutgebieten, um den betroffenen Kunden möglichst schnell helfen zu können.

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