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Sieben Pädagoginnen aus dem Kreis Cloppenburg helfen in Erftstadt

Einsatz statt Urlaub: Erzieherinnen betreuen Kinder von Flutopfern

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Sie opfern ihren Urlaub, um Familien in der Hochwasserregion zu helfen: Sieben Frauen aus dem Landkreis Cloppenburg - sechs Pädagoginnen aus drei katholischen Kitas und eine Grundschul-Referendarin - betreuen derzeit in Erftstadt Kinder, damit deren Eltern Flutschäden beseitigen können.

Es sei eine „Schnapsidee“ gewesen. Melanie Lamping lächelt. Beim Putzen war sie darauf gekommen. Im Fernsehen hatte sie gerade die Fotos aus den Hochwassergebieten gesehen, mehr als 300 Kilometer entfernt von ihrem Heimatort Scharrel (Kreis Cloppenburg). Und ein Gedanke ließ die 25-Jährige nicht los: „Könnte ich da nicht auch helfen? Das wäre doch cool.“ Zeit dafür hatte sie. Der katholische Don-Bosco-Kindergarten Friesoythe, in dem sie in der Integrationsgruppe arbeitet, machte gerade Betriebsferien.

So steht die Heilpädagogin schon eine Woche später in einer Traube von Kindern, bastelt und spielt mit ihnen. Nur wenige Tage nach ihrer ersten Idee hat sie in Erftstadt, einem vom Hochwasser schwer getroffenen Ort südwestlich von Köln, eine passende Einsatzstelle für sich und sechs weitere Pädagoginnen aus ihrem Bekanntenkreis gefunden: In der Turnhalle einer Sportschule betreuen sie Kinder aus von der Flut betroffenen Familien, damit die Eltern Zeit für den Kampf gegen die Folgen der Katastrophe haben.

Sie nehmen Eltern die Sorge um ihre Kinder ab

Die Sporthalle einer Sportschule in Erftstadt ist die Zentrale für das Betreuungsprojekt. | Foto: privat
Die Sporthalle einer Sportschule in Erftstadt ist die Zentrale für das Betreuungsprojekt. | Foto: privat

Täglich ab acht Uhr können sie ihre Kinder vorbeibringen. „Oft genug haben sie noch Gummistiefel an, und an ihrer Kleidung kleben noch Schlamm und Matsche. Daran können wir sehen, wie wichtig es ist, ihnen für diese Zeit die Sorge um ihre Kinder abzunehmen“, sagt Melanie Lamping.

Sie hat sich dazu ein Team aus pädagogischen Fachkräften zusammengesucht, Erzieherinnen und Heilpädagoginnen aus dem eigenen und aus weiteren Kindergärten, die gerade Betriebsferien haben, dazu eine Grundschul-Referendarin. „Wir sind alle in unserem Urlaub hier“, erklärt Melanie Lamping lächelnd.

Mit einem Transporter von der DLRG

Auch Ausflüge mit dem Bollerwagen gehören zum Programm in Erftstadt. | Foto: privat
Auch Ausflüge mit dem Bollerwagen gehören zum Programm in Erftstadt. | Foto: privat

„Es waren viele Zufälle“, antwortet sie auf die Frage, wie sie in Kontakt mit der Kinderbetreuung gekommen ist. „Ich wusste, dass eine DLRG-Gruppe aus dem Saterland (Kreis Cloppenburg) zu einem Einsatz in Erftstadt war. So entstand auch der Draht zu der Sportschule, in deren Turnhalle die Betreuung läuft. Ich hatte Ansprechpartner, es passte einfach alles.“

Dazu kam die Unterstützung aus ihrem Heimatort. Das Projekt wird ausschließlich aus Spenden finanziert. Die DLRG hat den Frauen für den Einsatz einen Kleintransporter samt Sprit zur Verfügung gestellt, der Sportverein SV Scharrel ein Spendenkonto eingerichtet und mit einem Startkapital ausgestattet. Und von den Arbeitgebern der Kita-Mitarbeiterinnen im Team, den katholischen Kindergärten in Elisabethfehn, Friesoythe und Bunnen, gab es Spiel- und Bastelmaterial für die Arbeit mit den Kindern.

Viele Kinder haben ihr Zuhause verloren

Die Sporthalle einer Sportschule in Erftstadt ist die Zentrale für das Betreuungsprojekt. | Foto: privat
Die Sporthalle einer Sportschule in Erftstadt ist die Zentrale für das Betreuungsprojekt. | Foto: privat

Die Räume der Sportschule, in der die Frauen auch übernachten, waren frei geworden, nachdem der Katastrophenschutz Niedersachsen von dort wieder abgezogen war. Der Inhaber hatte daraufhin die Idee mit der Kinderbetreuung. „Wir haben jede Menge Kinder, die kein Zuhause mehr haben oder nicht wieder in ihr Zuhause zurück können“, sagt Jens Hollenberg. „Manche wahrscheinlich nie wieder, je nachdem, was der Gutachter sagt.“ Und noch ist nicht klar, welche Spuren das Ganze in den Seelen der Kinder hinterlässt.

Melanie Lamping war es deshalb sehr wichtig, nur qualifiziertes Personal im Team zu haben. Weil der Umgang mit diesen Kindern pädagogisches Geschick erfordere. Etwa die Frage, wie man reagiert, wenn ein Kind erzählt, dass seine Familie noch nicht weiß, ob es jemals in das von den Fluten unterspülte Elternhaus zurück kann. Weil niemand weiß, ob es noch hält. „Die Kinder gehen aber sehr ruhig und sachlich mit diesen Thema um“, beschreibt Melanie Lamping ihre ersten Erfahrungen. „Wir müssen bisher keine Seelsorgearbeit leisten.“

Die Kinder sollen eine schöne Zeit haben

Robert Werner vom SV Scharrel und Michael Dettmers von der DLRG Saterland verabschieden das Team  vor der Abfahrt nach Erftstadt: Melanie Lamping, Laura Hinrichs und Janika Günter (Don-Bosco-Kindergarten Friesoythe),  Jana Hinrichs und Katrin Buschermöhle aus dem Arche-Kindergarten in Elisabethfehn, Hanna Koopmann aus dem St.-Michael-Kindergarten Bunnen und Grundschul-Referendarin Alina Perk. | Foto: privat
Robert Werner vom SV Scharrel und Michael Dettmers von der DLRG Saterland verabschieden das Team vor der Abfahrt nach Erftstadt: Melanie Lamping, Laura Hinrichs und Janika Günter (Don-Bosco-Kindergarten Friesoythe), Jana Hinrichs und Katrin Buschermöhle aus dem Arche-Kindergarten in Elisabethfehn, Hanna Koopmann aus dem St.-Michael-Kindergarten Bunnen und Grundschul-Referendarin Alina Perk. | Foto: privat

Die Pädagoginnen versuchen, den Kindern mitten im Katastrophengebiet eine Oase für schöne Erlebnisse zu schaffen, mit Spielen und Aktionen. „Es ist ein bisschen wie Zeltlager-Feeling“, schwärmt Melanie Lamping.

Bis zu dreißig Kinder können an der Betreuung teilnehmen. Das erste Helferinnenteam bleibt eine Woche, dann wird Melanie Lamping mit einer zweiten Gruppe nach Erftstadt kommen. Zwei Wochen soll das Projekt insgesamt dauern. Danach, so hofft Jens Hollenberg, können die Kindertagesstätten ihren Betrieb wieder aufnehmen.

Das erste Team in Erftstadt
Zum ersten Helferinnenteam für die Kinderbetreuung in Erftstadt gehören: Melanie Lamping, Laura Hinrichs und Janika Günter (Don-Bosco-Kindergarten Friesoythe), Jana Hinrichs und Katrin Buschermöhle aus dem Arche-Kindergarten in Elisabethfehn, Hanna Koopmann aus dem St.-Michael-Kindergarten Bunnen und Grundschul-Referendarin Alina Perk. Der Sportverein SV Scharrel hat ein Spendenkonto für den Einsatz bei der Raiffeisenbank Scharrel eingerichtet. Unter DE68 2806 5286 0400 5570 03 können Spender das Projekt unterstützen. Geld, das nicht benötigt wird, geht an die „Hochwasserhilfe Erftstadt“.

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