Franziskus antwortet "Dubia" konservativer Kardinäle vor Weltsynode

Papst deutet Entwicklung bei Segensfeiern und Frauenpriestertum an

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Fünf Kardinäle haben von Papst Franziskus eine Klärungen etwa bei der Segnung homosexueller Paare und der Weihe von Frauen verlangt. Der Vatikan hat nun die Antworten von Franziskus veröffentlicht.

Papst Franziskus hat mit seinen Antworten die Zweifel von fünf konservativen Kardinälen abgewiesen. Die vatikanische Glaubensbehörde hatte deren Anfrage vom 10. Juli sowie die Rückmeldung des Papstes auf ihrem Internetauftritt veröffentlicht.

Statt in einem bei einer "Dubia"-Anfrage (lateinisch für "Zweifel") üblichen "Ja-oder-Nein"-Format formulierte Franziskus die Antworten aus - obwohl er es nicht immer für klug halte, direkt an ihn gerichtete Fragen zu beantworten, heißt es in der Einleitung. Wegen der zeitlichen Nähe zur Weltsynode habe er es in diesem Fall aber für angebracht gehalten.

Papst: Anfrage zeigt Wunsch nach Synodalität

Sie ist ein Thema der fünf Kardinäle. Ihre Befürchtung ist, dass die Bischofssynode im Vatikan eine Autorität ausüben könne, die eigentlich dem Papst oder dem gesamten Bischofskollegium vorbehalten sei. Bei der Synode zur Synodalität sind erstmals auch Nicht-Bischöfe oder Ordensleiter mit Stimmrecht zugelassen.

Papst Franziskus verwies die Würdenträger an ihre eigene Anfrage. Sie drückten damit ihr Bedürfnis aus, sich zu beteiligen, ihre Meinung frei zu äußern und mitzuarbeiten, und verlangten damit eine Form von Synodalität bei der Ausübung des päpstlichen, seines Amtes. Nicht nur die Hierarchie, sondern das ganze "Volk Gottes" sollte an der Mission der Kirche teilnehmen, erneuerte er sein häufig angeführtes Anliegen.

Schriftauslegung und historischer Kontext

Ihre Sorge der Neuinterpretation des Wortes Gottes räumte Franziskus ebenfalls aus und verwies die Kardinäle auf die notwendige Auslegung der Heiligen Schrift im jeweiligen kulturellen und historischen Kontext.

Dazu nannte er etwa Texte zu Sklaverei oder Frauen als Beispiele. Kulturelle Veränderungen würden das Wort Gottes nicht ändern, böten jedoch die Möglichkeit, es noch deutlicher zu machen. Dies sei im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder geschehen.

Segnungen: Mit Klugheit, aber nichts Offizielles

Segnungen homosexueller Partnerschaften lehnte der Papst nicht gänzlich ab, er appellierte an Feingefühl und Klugheit in der Seelsorge. Wer um einen Segen bitte, drücke damit eine Bitte um Hilfe von Gott aus, eine Bitte um eine bessere Lebensweise, ein Vertrauen in einen Vater, der helfen könne, besser zu leben, so Franziskus.

Offizielle Regelungen zu Möglichkeiten solcher Segnungen durch Bistümer oder Bischofskonferenzen lehnte der Papst aber ab. Ebenso wie eine Gleichsetzung homosexueller Partnerschaften mit der katholischen Auffassung einer Ehe. Diese Bezeichnung sei nur vorgesehen für eine Verbindung von Mann und Frau, die von Natur aus für die Zeugung von Kindern offen sei.

Nein zu Frauenweihe: Verbindlichkeit untersuchen

Bei der Frage nach einem möglichen Frauenpriestertum in der Zukunft blieb das katholische Kirchenoberhaupt schwammig. Der Papst betonte das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und das Amtspriestertum als gleichwertig, spricht sich also nicht für ein Frauenpriestertum aus. Zugleich stellte er die Endgültigkeit der Absage zu dem Thema durch Papst Johannes Paul II. infrage.

1994 hatte der aus Polen stammende Papst erklärt, dass die katholische Kirche keinerlei Vollmacht habe, Frauen die Priesterweihe zu spenden. Wie verbindlich diese Aussage sei, könne Gegenstand einer Untersuchung sein, schrieb Franziskus und verwies auf die Anglikaner. Bei der Glaubensgemeinschaft sind seit 1992 Frauen zum Priesteramt zugelassen.

Erinnerung an seelsorgliche Pflichten von Kardinälen

Bei der Frage nach der Reue als notwendige Bedingung für den Sündenerlass verwies Franziskus die Männer an ihre seelsorgerischen Pflichten. Natürlich sei Reue notwendig, aber es gebe viele Möglichkeiten, diese auszudrücken. "Wir sind keine Herren, sondern demütige Verwalter der Sakramente, die die Gläubigen nähren."

Die Verfasser der Fragen sind die Kardinäle Walter Brandmüller aus Deutschland, Raymond Burke aus den USA, Juan Sandoval aus Mexiko, Robert Sarah aus Guinea sowie Joseph Zen, früherer Bischof von Hongkong. Zwei der Unterzeichner hatten sich bereits früher mit Dubia offiziell an den Papst gewandt, nachdem dieser im April 2016 den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene für möglich erklärte hatte. Damals waren die Verfasser die Kardinäle Burke und Brandmüller sowie Carlo Caffarra und Joachim Meisner.

Der neue Chefdogmatiker des Papstes, Kardinal Victor Fernandez, hatte dem veröffentlichten Dokument zufolge den Papst darum gebeten, einige Absätze seiner Antworten zitieren zu dürfen. Dieser Anfrage gab das katholische Kirchenoberhaupt am 25. September statt.

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