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Caritas, Diakonie und Pro Asyl rufen in Offenem Brief zu mehr Hilfe auf

Politik und Verbände streiten über Aufnahme von Flüchtlingen

  • Kirchen und Hilfswerke machen Druck auf Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), mehr Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen.
  • Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken fordert ihn auf, „eine wirklich große Zahl von Flüchtlingen aus Moria in Deutschland aufzunehmen und sie aus ihrer unvorstellbaren Not zu befreien“.
  • Der Würzburger Bischof Franz Jung unterstützt einen Appell von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), der die Aufnahme von 2.000 Flüchtlingen aus Moria fordert.

Kirchen und Hilfswerke machen Druck auf Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), mehr Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen. So forderte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ihn am Freitag auf, „eine wirklich große Zahl von Flüchtlingen aus Moria in Deutschland aufzunehmen und sie aus ihrer unvorstellbaren Not zu befreien“. Die Bundesregierung müsse die Angebote der Bundesländer und Städte zur Aufnahme von Flüchtlingen aufgreifen.

Auch Hilfswerke wie Caritas, Diakonie und Pro Asyl hatten in einem Offenen Brief zu mehr Hilfe aufgerufen. Der Würzburger katholische Bischof Franz Jung unterstützte einen Appell von Seehofers Parteikollegen und Entwicklungsminister Gerd Müller, der die Aufnahme von 2.000 Flüchtlingen aus Moria fordert. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki betonte, Deutschland und Europa könnten mehr Hilfe anbieten. In den vergangenen Jahren habe sich gezeigt: „Wir in Deutschland, wir in Europa können Integration“, so Woelki in einem Video auf seinem Facebook-Kanal. Das Lager Moria war in der Nacht zum Mittwoch bei mehreren zeitgleichen Bränden fast vollständig zerstört worden. Es waren dort rund 12.000 Menschen untergebracht.

Seehofer sichert Soforthilfe zu

Unterdessen sicherte Seehofer Soforthilfe für die betroffenen Flüchtlinge zu. Das Technische Hilfswerk sei bereits mit Zelten, Feldbetten und Schlafsäcken unterwegs. Zudem hätten mit Deutschland zehn Länder in Europa zugesagt, sich an der Aufnahme von 400 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu beteiligen.

Von diesen wolle Deutschland rund 100 bis 150 Flüchtlinge aufnehmen, so Seehofer. Die EU-Kommission wolle am 30. September Vorschläge für eine gemeinsame Asylpolitik vorlegen. Vordringlich sei es aber, für die Familien auf Lesbos eine rasche Lösung zu finden.

Pläne der EU-Kommission

Der Vizepräsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, betonte, die Zeit sei vorbei, in der Europa auf eine gemeinsame Integrationspolitik verzichten könne. Es müsse nun dringend gehandelt werden. Schinas erklärte, die Vorschläge für eine gemeinsame Asylpolitik beruhten auf drei Maßnahmen. So sollten zum einen Abkommen mit den Transit- und Herkunftsländern der Flüchtlinge geschlossen werden, um möglichst die Situation vor Ort zu verbessern. Weiter solle der Schutz der EU-Außengrenzen verstärkt werden.

Zudem solle „die Verantwortung für Asylverfahren gemeinsam geschultert werden“. Gedacht sei dabei auch an ein Zentrum auf Lesbos, das ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der EU-Kommission und der griechischen Regierung sein solle. Dieses Zentrum könne eine „Blaupause für den weiteren Weg Europas“ sein.

Scharfe Kritik im Bundestag

In einer Bundestagsdebatte zu dem Thema hatte unterdessen der Fraktionsvorsitzende der Linken, Dietmar Bartsch, Seehofer scharf angegriffen. „Ihr Agieren ist nicht christlich, es ist inhuman“, sagte er bei einer Aktuellen Stunde zu den Konsequenzen aus dem Brand in Moria.

Auch Abgeordnete der Grünen sowie der SPD hatten sich für eine großzügige Aufnahme von Flüchtlingen eingesetzt. Weiter hatten 16 Unions-Bundestagsabgeordnete in einem Offenen Brief an Seehofer die Aufnahme von 5.000 anerkannten Flüchtlingen vom griechischen Festland gefordert.

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