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Gast-Kommentar von Andreas Roland, Pastoralreferent in Recklinghausen

Schaffen wir das?

Fünf Jahre ist es her, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem Bekenntnis "Wir schaffen das!" Mut machte, die vielen Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. Heute wirkt die Gesellschaft in dieser Frage gespalten, meint Andreas Roland, Pastoralreferent in Herten. Eine Herausforderung auch für die Kirche, sagt er in seinem Gast-Kommentar.

Dieser Text ist Teil unseres Schwerpunktes „Fünf Jahre ‚Wir schaffen das‘“.

Vor fünf Jahren stellte die Flüchtlingskrise uns in Deutschland vor neue Herausforderungen. Auch in unserer Gemeinde in Recklinghausen-Hochlarmark konnte man die anfängliche Euphorie spüren: Menschen, die mit Willkommens-Schildern vor Erstaufnahmeeinrichtungen standen und die sich für Geflüchtete einsetzen wollten. In diesem Augenblick war ich stolz auf unser Land. Nur wenige Monate später kippte die Stimmung in Teilen der Bevölkerung.

Der Autor:
Andreas Roland ist Pastoralreferent in der Propsteipfarrei St. Peter Recklinghausen. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in einem Stadtteil von Recklinghausen, in dem es 2015/16 zwei Erstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete gab.

Seitdem kommt mir unsere Gesellschaft in dieser Frage gespalten vor. Auf der einen Seite gibt es Menschen, die die „Fremden“ in unserem Land sehr kritisch beäugen. Auf der anderen Seite gibt es auch weiterhin engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich für Geflüchtete einsetzen. Sie geben sich große Mühe, einen Beitrag zur Integration zu leisten.

Auf welcher Seite stehen wir?

Auch für uns als Kirche und als Gemeinde vor Ort stellt sich die Frage: auf welcher Seite wollen wir stehen? Zum Glück hat der Begriff der „Willkommenskultur“ Einzug erhalten in einige Pastoralpläne unseres Bistums. Aber was bedeutet das konkret? Stellen wir Gruppen, die sich für Geflüchtete engagieren, Räumlichkeiten zur Verfügung? Inwieweit sehen wir die Integration auch als Teil unseres pastoralen Handelns, als Teil unserer Gemeinde? Was kann ich als einzelner Christ tun?

Auf die Frage, wer denn der Nächste sei, antwortet Jesus mit dem bekannten Gleichnis des barmherzigen Samariters. Bemerkenswert ist, dass Jesus einen Fremden als Beispiel nimmt für vorbildliches Handeln. Ich sehe in den Worten Jesu die Einladung, Grenzen zu überwinden; besonders im zwischenmenschlichen Bereich.

Begegnung hilft gegen Barrieren

Im Rahmen eines Begegnungs-Cafés der Malteser in den Räumen unserer Gemeinde durfte ich sowohl engagierte Ehrenamtliche kennenlernen, die sich für Geflüchtete einsetzen, als auch Menschen mit Flucht­erfahrung begegnen, die von ihrer Geschichte erzählt haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass echte Begegnung hilft, Barrieren im Kopf zu überwinden und Verständnis für­einander zu entwickeln.

Yasser macht mir Mut. Er ist vor fünf Jahren aus Syrien geflohen. Beim Begegnungs-Café der Malteser haben wir uns kennengelernt. Inzwischen spricht er gut Deutsch und engagiert sich sogar als Ehrenamtlicher der Malteser. Er möchte etwas von dem zurückgeben, was er selbst erfahren hat.

Wenn ich ihn sehe, denke ich: Ja, wir können es schaffen.

Die Positionen der Gastkommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.

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