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Geistliche im Bistum Münster über ihren Dienst zwischen Kirchenfrust und Hoffnung

Priester in dieser Zeit: Wie geht es Ihnen, Pfarrer Lüke?

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Sie sind in den Gemeinden für viele nach wie vor das offizielle Gesicht der katholischen Kirche: die Priester. Wie gehen sie mit der Kritik um, die sie persönlich abbekommen? Wie erleben sie ihren Dienst zwischen Frust und Hoffnung? Das hat "Kirche-und-Leben.de" Priester im Bistum Münster gefragt und stellt die Ergebnisse an jedem Tag dieser Woche bis Pfingsten vor. Hier sind die Antworten von Ulrich Lüke, Biologe, Theologe und bis 2017 langjähriger Professor in Aachen, seit seiner Emeritierung Krankenhauspfarrer in Münster.

Wie gehen Sie damit um, Kirchenfrust und -wut ganz persönlich abzubekommen?

In der Regel beziehen sich Kirchenfrust und Kirchenwut weder auf mein persönliches Verhalten noch auf meine kirchenpolitischen Optionen. Und der Blitzableiter, der ich manchmal sein muss, ist eben dazu da, schlimmere Gebäudeschäden an der lebendigen Kirche Gottes zu vermeiden. Andererseits: Wer sein journalistisches Interesse an Kirche am Klodeckel des Missbrauchs festmacht, der bekommt (mit Verlaub) nur Arschlöcher zu sehen und verstärkt den von bestimmten Gruppen gern beklatschten Eindruck. Aber die Kirche ist – gottlob - von weltweit agierenden Hilfswerken bis zum stillen Gottesdienst in einer abseitigen Dorfkirche auf wohltuende Weise unendlich viel mehr.

Was bedeutet es für Sie, in dieser Zeit Priester zu sein?

Im Gespräch:
Ulrich Lüke (69) ist Krankenhauspfarrer im St. Franzikus-Hospital Münster. 1980 wurde er zum Priester geweiht. | Foto: Markus Nolte
Ulrich Lüke (69) war ab 2001 Professor für Systematische Theologie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Seit seiner Emeritierung 2017 ist er Krankenhauspfarrer im St. Franzikus-Hospital Münster. 1980 wurde er zum Priester geweiht. | Foto: privat

Manchmal ist Priestersein gegen den liberalistisch-individualistischen Trend der Zeit, zum Beispiel beim Schutz des Lebens an seinem Anfang, in seinen Behinderungen und an seinem Ende. Dann sind – ohne Schaum vor dem Maul – biologische Grundlagen, saubere theologische Gedankenarbeit und präzises wie geduldiges Argumentieren gefragt. Das war jahrzehntelang als Gymnasial- und Hochschullehrer mein tägliches Brot. Und wenn ich nicht mit einem belehrerischen Besserwissergehabe auftrete, dann bekommen die guten Argumente, die der Geist Gottes uns spendiert, das ihnen angemessene lebensbejahende Gewicht. Und wo ich mich heute am Kranken- und Sterbebett von Kirchennahen und Kirchenfernen den existenziellen Fragen stelle, da kann ich Hoffnung vermitteln, Lebenshoffnung - auch über dies Leben hinaus.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Hoffnung macht mir der Gott, an den wir Christen glauben, der menschlich entgegenkommende (Weihnachten), der Not und Tod mitleidende (Karfreitag), der mein Dasein entfristende, entgrenzende und vollendende (Ostern), der mich und seine ganze Kirche ermahnende, ermutigende und ertüchtigende Gott (Pfingsten). Und der mag sich dann manchmal der „Kirche von unten“ oder der von oben oder meiner in Person bedienen.

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