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Geistliche im Bistum Münster über ihren Dienst zwischen Kirchenfrust und Hoffnung

Priester in dieser Zeit: Wie geht es Ihnen, Kaplan Aleff?

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Sie sind in den Gemeinden für viele nach wie vor das offizielle Gesicht der katholischen Kirche: die Priester. Wie gehen sie mit der Kritik um, die sie persönlich abbekommen? Wie erleben sie ihren Dienst zwischen Frust und Hoffnung? Das hat "Kirche-und-Leben.de" Priester im Bistum Münster gefragt und stellt die Ergebnisse an jedem Tag dieser Woche bis Pfingsten vor. Hier sind die Antworten von Jan Aleff, Kaplan in Geldern.

Wie gehen Sie damit um, Kirchenfrust und -wut ganz persönlich abzubekommen?

Ich bin erst seit 2019 als Priester in unserer Kirche. Aber ich bin seit langem ehrenamtlich engagiert und seit über zehn Jahren als Referent in Präventionsschulungen gegen Missbrauch tätig. Ich wusste also, dass wir in einem schmerzhaften Umbruch sind. Das muss mit Machtverlust und einem anderen Selbstverständnis einhergehen. Binnenkirchlich sind viele Fragen strittig, die für die aufgeklärte demokratische Gesellschaft nicht vermittelbar sind. Jesus kommt kaum vor. Kein Wunder, dass die einen wütend, die anderen traurig sind. Frust und Traurigkeit empfinde ich selbst, ich reihe mich oft in die Reihen der Kritiker ein.

Was bedeutet es für Sie, in dieser Zeit Priester zu sein?

Im Gespräch:
Jan Aleff (39) ist Kaplan in St. Maria Magdalena Geldern. 2019 wurde er zum Priester geweiht. | Foto: Ann-Christin Ladermann (pbm)
Jan Aleff (39) ist Kaplan in St. Maria Magdalena Geldern. 2019 wurde er zum Priester geweiht. | Foto: Ann-Christin Ladermann (pbm)

Es kommen viele Unsicherheiten, die ich aushalten muss. Ich denke, am besten wäre es, könnte ich mich auf die Kirche der Zukunft freuen. Ich übe das. Ich male mir Szenarien aus, die mich herausfordern: Was wäre, wenn es keine Kirchensteuer mehr gäbe und die Christen vor Ort wieder „den Zehnten“ gäben? Wenn die Kirche kein großer Arbeitgeber mehr wäre? Mit wie viel weniger kann ich selbst auskommen? Wenn es keine Pfarrheime gäbe und wir uns „nur privat“ träfen? Könnte ich als Wanderprediger leben? Wer wird Kinderkatechese machen? Es gilt, neben den Abbrüchen schöne Aufbrüche zu versuchen und dem Schöpfergeist Raum zu geben.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Ich bin guter Dinge: zwischen Pfarrei und Internet gibts viele Menschen, die Interesse an mir haben und am Evangelium, das ich erzählen kann. Ich habe weder Sorge, dass Gott aufhört, sich zwischen Münsterland und Niederrhein „ein Volk zu sammeln“, noch dass ich als Priester auf einem Holzweg bin. Aber die Person, die die Frohe Botschaft verkündet, ist heute wichtiger als das Amt, das sie bekleidet. Bin ich glaubwürdig? Die persönliche Begegnung ist relevanter als Kirchenpolitik. Ich freue mich über gute Erfahrungen. Ein Podcast zu Glaubensfragen z.B. stößt bei Leuten auf Interesse, die wirklich keine Kirchgänger sind. Am Anfang muss das Evangelium seine Chancen bekommen, dann folgen vielleicht Rituale und Liturgie.

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