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Branche in der Krise / Erster Schaustellergottesdienst in Delmenhorst

Kirmes, Zirkus und Corona: Schausteller-Pfarrer in Sorge

  • Hier und da gibt es Volksfeste, aber die Schausteller- und Cirusbranche ist in einer tiefen Krise.
  • Schausteller-Seelsorger Sascha Ellinghaus hofft auf weitere Herbstmärkte auch in Münster.
  • Erster Schaustellergottesdienst wurde auf der Delmenhorster „Sommerwiesen“ gefeiert.

Die Zuckerwatte riecht immer noch gleich lecker, nur die Jubelrufe der Menschen in den Fahrgeschäften klingen gedämpfter: Auf dem Kettenkarussell herrscht Maskenpflicht. Für die Besucher kein Problem: Der „Ersatz“-Stoppelmarkt in Vechta erfreut sich großer Beliebtheit, wie der Schaustellerverein Vechta auf seiner Internetseite mitteilt. 10.000 Menschen haben den mobilen Freizeitpark mit rund 40 Buden und Fahrgeschäften seit Eröffnung Anfang September bereits besucht.

Für Münster ist seitens des Schaustellerverbandes Münsterland ein Jahrmarkt für Mitte Oktober angedacht. „Wir sind da dran, aber es ist nicht so einfach“, teilte Markus Heitmann, Vorsitzender des Schaustellerverbands Münsterland auf Anfrage von „Kirche-und-leben.de“ mit. Eine Herausforderung seien die Mietkosten für den Platz, der dem Land NRW gehöre.

Seelsorger: Wer hingeht, unterstützt die Schausteller in schwierigen Zeiten

Für die Schausteller seien solche „Pop-Up-Jahrmärkte“ eine große Chance, sagt Sascha Ellinghaus, seit 2014 Leiter der katholischen Circus-und Schaustellerseelsorge in Deutschland: „Eine Pop-Up-Kirmes ist für die Schausteller eine gute Möglichkeit, wieder rauszufahren. Sie können aber unsere Traditionsfeste nicht ersetzten.“ Besucher wie Anbieter mussten bereits auf viele Frühlings-Feste verzichten. Wie in Vechta täten die Schausteller alles, um den Gästen auch unter Corona-Bedingungen ein schönes Erlebnis zu bieten: „In Hamm werden wir den Stunikenmarkt light am Wochenende eröffnen“, so Ellinghaus und betont: „Das Konzept der Pop-Up-Kirmes komme nicht für alle Schausteller infrage. „Viele Schausteller haben immer noch eine Art Berufsverbot.“ Zum Teil verharren die Schausteller in ihren Winterquartieren, oder sind im kleinen Rahmen aktiv: „Die staatlich gewährten Coronahilfen reichen nicht aus, um einen langen Zeitraum zu überbrücken.“

Daher ist Pfarrer Ellinghaus sehr dafür, die Besucher zu motivieren: „Jeder, der hingeht, unterstützt die Schausteller in einer schwierigen Zeit. Genauso, wie Zirkusse, die wieder rausfahren, mit geringerer Zuschauerzahl.“ Für Zirkusse ist es eine besondere Herausforderung, dass die Corona-Regelungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. „Es sind die gleichen Kosten. Alle Transporter müssen gefahren werden, das Zelt muss aufgestellt werden. Normalerweise gibt es ein Sitzplatzangebot für 1.400 Leute, dann dürfen nur 300 zuschauen, das ist nicht wirtschaftlich.“ Deswegen sei es so wichtig, die Familien zu unterstützen, damit sie ihre Zukunft sichern können.

Jahrmarktsmeile in Delmenhorst

Aufbruch in Corona-Zeiten mit zwei Taufen und Geschäftssegnung: Schausteller-Seelsorger Sascha-Ellinghaus (rechts) vor dem Eingangswagen der Ritterspiele der Familie Kaiser in Tossens-Butjadingen Anfang August. | Foto: Katholische Circus- und Schaustellerseelsorge, Bonn)
Aufbruch in Corona-Zeiten mit zwei Taufen und Geschäftssegnung: Schausteller-Seelsorger Sascha-Ellinghaus (rechts) vor dem Eingangswagen der Ritterspiele der Familie Kaiser in Tossens-Butjadingen Anfang August. | Foto: Katholische Circus- und Schaustellerseelsorge, Bonn)

In Telgte und Ibbenbüren wurden die Ersatz-Jahrmärkte gut angenommen. Gegen „Ein-Euro-Eintritt“ und ausgefüllte Adressformulare konnten Gäste Kirmes-Atmosphäre genießen. In Delmenhorst wurde anlässlich der „Sommerwiese“ erstmals ein ökumenischer Schaustellergottesdienst gefeiert. Die Delmenhorster Hotelwiese wurde mit Hygienekonzept für einige Wochen zur Jahrmarktsmeile umfunktioniert: „Die örtlichen Schausteller sollten in der Corona-Zeit wenigstens etwas Arbeit haben“, erläutert Guido Wachtel, Pfarrer von St. Marien in einer Mitteilung.

Pfarrer Ellinghaus, der mit vier weiteren ehrenamtlich tätigen Pfarrer in unterschiedlichen Bistümern die Schausteller betreut, war dagegen in diesem Jahr vor allem telefonisch gefragt: „Ich treffe normalerweise auf einem Volksfest 50 bis 70 Menschen. Das war in diesem Jahr so nicht möglich.“ So gut es geht, bleibe er mit seiner Gemeinde über Facebook und Telefon in Kontakt. Im Moment unterstützt er außerdem an seinem Heimatwohnsitz Hagen als Vertretung die Pfarrer bei den Feiern der Erstkommunion und Firmung, „die werden ja jetzt alle nachgeholt.“

Hoffnung auf Weihnachtsmärkte

Pfarrer Ellinghaus hofft sehr, dass in Münster eine Lösung für einen Herbstmarkt gefunden wird: „Je länger die Pandemie dauert, umso dünner wird die Luft zum Atmen, die Städte sind gefragt, mit den Schaustellern Coronagerechte Schutzmaßnahmen zu erarbeiten, um viele Feste und Märkte jetzt wieder zu ermöglichen.“

Eine wirtschaftliche Perspektive bieten die Weihnachtsmärkte mit größeren Abständen der Buden und Einbahnwegen: „Das würde helfen, dass viele, die von diesem Geschäft leben, mit einer gewissen Beruhigung in das neue Jahr starten können.“

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