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Mario Gerdes (48) arbeitet im Xantener St. Josef-Hospital

Seemann, Grenzschützer, Pflegedienstleiter - eine ungewöhnliche Karriere

  • Mario Gerdes ist neuer Pflegedienstleiter im Xantener Josefs-Hospital.
  • Sein beruflicher Lebenslauf ist vielseitig.
  • Der Umgang mit vielen Menschen hat alle Berufe geprägt.
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Das Norddeutsche ist ihm ins Gesicht geschrieben: klarer Blick, offenes Gesicht und eine humorvolle Art. Das alles ist wenig erstaunlich, denn Mario Gerdes ist in der Nähe von Leer, in Norddeutschland, aufgewachsen. Und wie es sich dort gehört, ist er auch zur See gegangen. „Für mich als Norddeutscher stand immer fest, zur christlichen Seefahrt zu gehen. Meine Onkel sind schon zur See gefahren“, sagt der 48 Jahre alte Gerdes. Und christliche Seefahrt umfasst eben alles, außer der Marine. Als damals jüngster Auszubildender, er wurde in dem Jahr erst 16 Jahre alt, hat er eine Ausbildung als Schiffsmechaniker begonnen.

Und sein Lebenslauf ist vielseitig geworden: Nach seiner Arbeit an Bord wurde er Bundesgrenzschützer, und zum guten Schluss wechselte er in die Pflege. Seit dem 1. Juli ist er neuer Pflegedienstleiter im Xantener St. Josef-Hospital und bildet mit dem Geschäftsführer Michael Derksen und dem Chefarzt Olaf Nosseir die Betriebsleitung des Krankenhauses. Damit hat er sicher zunächst einmal die höheren Sprossen der Karriereleiter erklommen. Zumal er sich eine gewisse Bodenhaftung nicht abspricht.

 

Bundesgrenzschutz bietet wenig Perspektive

 

Aber das konnte er damals noch nicht ahnen. Als Schiffsmechaniker fährt er zunächst in die nahen und fernen Länder Europas, Afrikas und Amerikas. „Viel von der Welt zu sehen, war ja durchaus attraktiv“, meint er lachend. Erst als die Reeder immer mehr Schiffe ausflaggten, wie es im Fachjargon heißt, und die deutschen Seeleute für die Reeder zu teuer wurden, fehlte die berufliche Perspektive. „Ich habe es selbst erlebt, dass wir deutsche Seeleute in Dänemark von Bord gehen mussten, weil uns philippinische abgelöst haben.“ Eine unerquickliche Situation.

In dieser Zeit entdeckt Gerdes eine Zeitungsannonce des damaligen Bundesgrenzschutzes, der heutigen Bundespolizei, in der Personal gesucht wird. Seine Hoffnung ist, dort beim Bundesgrenzschutz zur See anfangen zu können. Im Rahmen der Ausbildung absolviert er sein Fachabitur. Doch nach dem Mauerfall kommt dem Bundesgrenzschutz seine klassische Aufgabe, die Sicherung der innerdeutschen Grenze, abhanden. Er soll nach Frankfurt/Oder versetzt werden. Ein Karriereaufstieg scheint nicht möglich.

 

27 Jahre Pflege in Geldern

 

1995 überlegt er, wie seine berufliche Perspektive sich entwickeln könnte. Sein Bruder, der im Sanitätsdienst arbeitet, muss immer wieder Praktika in Krankenhäusern absolvieren. Er rät ihm zum Pflegeberuf, und im gleichen Jahr beginnt er eine Ausbildung in Geldern zum Krankenpfleger. Schnell führt sein Weg ins mittlere Pflegemanagement. Lange Jahre ist er Stationsleiter in der Geriatrischen Abteilung. „Ich habe gern mit alten Menschen gearbeitet. Es ist eine andere Form der Dankbarkeit, man sieht schnell therapeutische Erfolge, und die Arbeit im Team ist von Austausch und Wertschätzung geprägt“, sagt er rückblickend.

In Geldern bleibt er 27 Jahre. Die letzten zehn Jahre in der Pflegedirektion. Berufsbegleitend studiert er Pflegemanagement. Das möchte er auch gewinnbringend in seine weitere Laufbahn einbringen. Gerdes hört, dass in Xanten die Stelle des Pflegedienstleiters vakant ist. Das Krankenhaus ist ihm schon bekannt von Kooperationen. Er spricht mit Michael Derksen. Die Chemie stimmt, und Derksen rät, ihm eine Bewerbung zu schicken.

 

Umgang mit vielen Menschen

 

„Das Haus hat einen guten Ruf und arbeitet auf hohem Niveau“, sagt Gerdes. Er sieht das Hospital gut aufgestellt, auch wenn politisch gefordert werden wird, nach der Pandemie weiter zu sparen. Wenn er rückblickend überlegt, wie das alles zusammenpasst – Seemann, Grenzschützer und jetzt Pflegedienstleiter – sagt Gerdes, dass alle Berufe viel Spaß gemacht hätten. Sicher hat auch der Faktor Zufall eine Rolle gespielt.

Natürlich habe er sich in der Jugend nicht vorstellen können, im Krankenhaus zu arbeiten. Heute würde er wegen seiner Familie, Gerdes ist seit 27 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder, nicht mehr zur See fahren wollen. Das Verbindende ist für ihn der Umgang mit den vielen Menschen. Das hat alle drei Berufe geprägt.

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