Licht- und Sound-Installation begeistert Tausende

"SilentMOD" im Kölner Dom: "Würdig und geil"

"Chill dein Leben" – wenn Jugendliche dazu raten, meinen sie: Reg dich ab. Der Rat passt als Motto zum Projekt "SilentMOD" im Kölner Dom, mit dem die Kirche zur Computerspiel-Messe "Gamescom" ein für sie schwer zu erreichendes Publikum einlädt.

Doch allein schon die Schlange ist sehenswert: Vom Hauptportal bis hinter das Südportal, knickt sie am Römisch-Germanischen Museum ab und windet sich in engem Slalom weit hinein in den Roncalli-Platz. Ein älterer Passant wendet sich ab: "Ich stell mich doch nicht eine Stunde an, um irgendwo reinzugehen". Viele sehen das anders: Schlangen-Management wie am Flughafen für tausende Besucher – Mädels mit Blümchenkleid, Jungs mit Kappe oder Muskel-Shirt, Grauhaarige mit Allwetterjacke.

Bass und "Agnus Dei"

Der Bass geht durch Mark und Bein. Der blaue Lasertunnel zieht den Betrachter hoch zum gotischen Chor. War da nicht gerade ein "Agnus Dei" zu hören? Im Seitenschiff öffnet sich schon ein neuer Tunnel: ein rotes Dreieck. Noch am Freitag und am Samstag (19. / 20.08.2016) jeweils von 22 bis 2 Uhr läuft das Laser- und Sound-Projekt zur Computerspiel-Messe "Gamescom" im Kölner Dom. Es soll Kirche für ein jugendliches Publikum neu erfahrbar machen.

"Macht doch aus dem Dom keine Jahrmarktbude", postete jemand bei Facebook, kaum dass die ersten visuellen Eindrücke öffentlich wurden. Aber mit Jahrmarkt hat die Installation so gar nichts zu tun. Was das international gefeierte Kölner DJ-Duo "Blank & Jones" für das Projekt "SilentMOD" komponiert hat, ist des Doms angemessen – "würdig und geil", wie es einem Besucher entfährt. Auch die Stars der DJ-Szene bekennen "Gänsehaut".

"Das stark machen, was im Dom schon da ist"

Es ist kein Spektakel – es ist das Gotteshaus selbst, das inszeniert wird. "Das stark machen, was in dieser Kathedrale schon da ist", nennt das der Bochumer Pastoraltheologe Matthias Sellmann, Initiator des Events.

Das Ergebnis gibt den Hausherrn Recht. Wohl nicht alle goutieren das Experiment, das Dompropst Gerd Bachner, Domdechant Robert Kleine und Generalvikar Dominik Meiering wagen: die wohl bekannteste Kirche Deutschlands mit großem Aufwand für die Jugendkultur zu öffnen, um so einen neuen Zugang zum sakralen Raum zu ermöglichen. Der Dom als "Server", als Kraftquelle, die in sich ruht.

Von der Jugendlichkeit der Kirche

Sound und Chilltronic-Musik – kein Techno. Farbenspiel – kein Lichtgewitter. Die Heiligenfiguren an den Kirchenpfeilern, die Schwalbennestorgel im Hauptschiff, magisch umspielt von Klang und Licht. Dazu ein Duft, den der Bochumer Riechforscher Hanns Hatt und der Parfümeur Marc vom Ende eigens für den Dom kreierten: Weihrauch trifft Orange. Drei Industrieroboter sollen die Heiligen Drei Könige symbolisieren auf der Suche nach Gott. Ihre Laserarme tasten die Wände der Kirche ab – in der Hoffnung: Er ist schon da.

Wie viele Jugendliche tatsächlich Gott gefunden haben, lässt sich nicht messen. Auf jeden Fall waren "krass" und "geil" am Ausgang häufig gesprochene Worte. Und es kamen Tausende in den Dom, die wohl noch nicht ganz viele Kirchen von innen gesehen haben. Ein besonderes Erlebnis gemäß der Überzeugung von Initiator Sellmann: "Jugendseelsorge ist nicht Arbeit an der Kirchlichkeit der Jugend, sondern an der Jugendlichkeit der Kirche."