Wenn die Schulden aus dem Ruder laufen

Sozialdienst katholischer Frauen warnt vor Folgen der Corona-Krise

  • SKF-Beraterinnen befürchten durch Corona die Zunahme der Zahl überschuldeter Privatpersonen
  • Betroffene könenn die Miete für die Wohnung nicht mehr zahlen oder den Bankkredit nicht mehr tilgen
  • SKF hilft Pfändungsschutz zu erlangen, mit Gläubigern zu verhandeln oder Verbraucher-Insolvenzverfahren vorzubereiten

Anzeige

Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis zum 31. Dezember 2021 begrüßen die Mitarbeiterinnen der Schuldnerberatung im Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Recklinghausen. „Für viele ist das Kurzarbeitergeld eine gute Möglichkeit, für eine gewisse Zeit über die Runden zu können. Auch die Unternehmen können so ihre Arbeitskräfte behalten“, sagt Anne Breddemann.

Um Arbeitsplätze zu sichern, hatte die Bundesregierung bereits zu Beginn der Corona-Krise im März 2020 den Zugang zum Kurzarbeitergeld erleichtert. Im Mai wurde es erhöht und im August die Bezugsdauer auf bis zu 24 Monate verlängert.

 

Weniger Einkommen durch Kurzarbeit

 

Aber ebenso wie ihre Kollegin Wiebke Janssen befürchtet Breddemann in den nächsten Monaten die Zunahme von verschuldeten beziehungsweise überschuldeten Menschen: „Wer über längere Zeit mit weniger Geld auskommen muss, kann in finanzielle Schwierigkeiten geraten.“

Die Mitarbeiterinnen der Schuldnerberatung kennen die Alltagssorgen vieler Menschen in Recklinghausen. Denn schon jetzt spüren Klientinnen und Klienten das geringere Arbeitseinkommen. Sie können die Miete für die Wohnung nicht mehr zahlen oder den Bankkredit nicht mehr tilgen.

 

Rückzahlung von Krediten

 

Aus den Gesprächen mit den Ratsuchenden wissen Janssen und Breddemann: Banken werden zunehmend auf Rückzahlung ihrer Kredite pochen. Gerichtsvollzieher, die seit Corona-Beginn in Privathaushalten weniger gepfändet haben, holen dies auf Druck der Gläubiger mehr und mehr nach. „Kurzarbeiter und viele Selbstständige haben seit Monaten weniger Geld im Portemonnaie. Für sie wird es immer schwieriger, vereinbarte Ratenzahlungen einhalten zu können“, sagt Breddemann.

Auf eine weitere Schwierigkeit macht Janssen aufmerksam: „Empfänger von Kurzarbeitergeld müssen unter Umständen im nächsten Jahr Steuern nachzahlen. Viele wissen davon noch gar nichts und legen daher kein Geld zurück.“

Die Zahl der heute schon sieben Millionen überschuldeten Privatpersonen über 18 Jahre in Deutschland werde sich in nächster Zeit erhöhen. In Recklinghausen dürften sich mehr als 15.000 Menschen in schwierigen finanziellen Lagen befinden. Die Gründe für Überschuldung sind vielfältig: Sie reichen von Arbeitslosigkeit und gescheiterter Selbstständigkeit über die Trennung vom Partner bis hin zur unwirtschaftlichen Haushaltsführung. Aber auch die steigenden Wohnkosten tragen dazu bei, dass Zahlungsschwierigkeiten auftreten.

 

Belastung der Psyche

 

Wenn Schulden das alltägliche Leben und die eigene Psyche belasten, stellt sich oft Perspektivlosigkeit ein. Damit einher geht eine Flucht aus der Realität, wie Breddemann weiß: „Genau dieses Verhalten verschlimmert die persönliche Situation. Anstatt Lösungen zu suchen, dreht sich der Schuldenstrudel immer schneller.“

Die SkF-Beraterinnen helfen den Betroffenen, deren aktuelle Situation zu klären und deren Existenzgrundlage zu sichern. Dazu zählt, Pfändungsschutz zu erlangen, mit Gläubigern zu verhandeln oder Verbraucher-Insolvenzverfahren vorzubereiten. „Um die Schuldenspirale zu stoppen, helfen wir auch dabei, weitere Schulden zu vermeiden“, sagt Janssen über das kostenlose Beratungsangebot.

 

Angst und Scham der Ratsuchenden

 

Um eine Schuldnerberatung erfolgreich beginnen zu können, braucht es die Bereitschaft der Ratsuchenden, sich aktiv in den Hilfeprozess einzubringen. „Viele haben zu Beginn Angst, sich zu offenbaren“, sagt Breddemann. Wenn Angst und Scham erst einmal überwunden seien, könne ein Leben nach den Schulden auf den Weg gebracht werden. Wie die Expertin sagt, liegt die durchschnittliche Verschuldung eines Klienten zwischen 20.000 und 30.000 Euro.

Ein Teil der Ratsuchenden kommt auf Vermittlung in das SkF-Büro an der Kemnastraße 7 in Recklinghausens Innenstadt. „Bankberater, die Mitarbeiter der Gemeindecaritas, die Sozialarbeiter und die Mitarbeiter im Jobcenter kennen uns und empfehlen die Schuldnerberatung als Einstieg, die finanzielle Situation umfassend zu klären“, sagt Breddemann. Einen Tipp hat sie gleich parat: „Wer in Zahlungsschwierigkeiten gerät, sollte schnell Rat suchen. Wer Probleme auf die lange Bank schiebt, verschlimmert seine Situation.“

Zu erreichen ist die SkF-Schuldnerberatung in Recklinghausen unter Telefon 02361/485980. Informationen gibt es auch unter www.skf-recklinghausen.de.

Anzeige