Kommentar zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft

Spaß an der WM ist erlaubt – Kritik am Gastgeber aber auch

Mittlerweile wird vor eine Fußball-WM viel diskutiert, was sich ein Gastgeberland erlauben darf und was nicht. Gerade Russland steht wegen Korruption, Doping und Kriegspolitik in der Kritik. Darf man trotzdem Spaß an der WM haben?

Eigentlich müssten wir weggucken. Denn es gibt viele Gründe, warum man sich die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nicht anschauen sollte. Zu sehr haben Politik und Wirtschaft das größte Sportereignis der Welt in den Schwitzkasten genommen. Wen wundert's? Wieso sollte die erschreckende globale Entwicklung aus Egoismus, Profitgier und Nationalismus vor dem Fußball halt machen?

Wladimir Putin führt Krieg – in Syrien und der Ukraine genauso wie im eigenen Land gegen seine Gegner. Es ist allzu offensichtlich, dass er die Spiele nutzt, um internationale Reputation zu ergaunern. Die meisten spielen mit. Der Fußball-Weltverband FIFA zeigt dabei einen Kniefall vor der teuersten Weltmeisterschaft aller Zeiten.

Viel Gift für den Fußball

Und wer gewinnt? Vor allem wenige Oligarchen, Freunde des russischen Präsidenten. Einige Global-Player in der Wirtschaft. Und natürlich die FIFA. Da wissen wir nicht mehr, ob sie bereits vor oder erst nach dem Turnier mehr in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. Politische Instrumentalisierung, Korruption und Gier sind nur ein Teil der Entwicklungen, die diese WM vergiften. Doping-Skandale, Terrorismus und Gewalt-Exzesse von Hooligans gehören auch dazu. Es gibt also viele Gründe, die Spiele in Russland nicht zu verfolgen.

Und trotzdem werden es die meisten von uns wieder tun. Weil es einfach zu schön ist, wenn die Nationalmannschaft erfolgreich gegen den Ball tritt. Weil der kollektive Jubel beim Public Viewing genauso gut schmeckt wie die Grillwurst mit Freunden vor dem heimischen Fernseher.

Fader Beigeschmack ist wichtig

Das ist nachvollziehbar. Es gibt so viele schlechte Nachrichten, dass man die wenigen schönen aus der Fußballwelt auch mal genießen möchte. Bei aller Freude an den Spielen sollten wir den faden Beigeschmack aber nicht ignorieren. Er sollte Ansporn sein, sich gegen die Entwicklungen auf der Welt stark zu machen, die den Sport immer weiter vergiften.

Nutzen wir die sozialen Netzwerke, um gegen Krieg, Unterdrückung und Ungerechtigkeit laut zu werden! Machen wir den Mund auf gegen Polemik und Populismus – beim Public Viewing wie am Würstchen-Grill. Zeigen wir, dass wir all das verachten, indem wir selbst anders handeln. Ich bin sicher: Dann schmeckt auch die WM noch besser.