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ZdK-Präsident sieht „Dilettantismus“ von Verantwortungsträgern

Sternberg: Alle Bistümer müssen aus Kölner Fehlern lernen

  • Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sieht im Kölner Missbrauchs-Gutachten einen „klaren Auftrag für Reformen“ in der Kirche insgesamt.
  • „Alle Bistümer können aus den Fehlern in Köln lernen“, sagt ZdK-Präsident Thomas Sternberg.
  • Die ersten Entscheidungen Woelkis nennt Sternberg konsequent.
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Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sieht in dem Gutachten zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln einen „klaren Auftrag für Reformen“. Das betreffe die Kirche insgesamt, betonte ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

„Alle Bistümer können aus den offensichtlichen Verfahrensfehlern, mangelnden rechtlichen Regelungen und mangelnder Rechtskenntnis in Köln lernen“, so Sternberg. „Wer jetzt nicht ehrlich und glaubwürdig mit den Betroffenen spricht, wer nicht Prävention, Anerkennung und Aufarbeitung intensiv betreibt, kann die große Vertrauenskrise, die über die Kirche hinausweist, nicht überwinden.“

Ergebnisse des Gutachtens

Das zuvor in Köln vorgestellte Gutachten der Anwaltskanzlei Gercke & Wollschläger hatte für den Zeitraum zwischen 1975 und 2018 Übergriffe und Grenzverletzungen untersucht und dabei 202 Beschuldigte ermittelt. Die Zahl der Betroffenen beläuft sich auf 314. Dabei stellten die Anwälte 75 Pflichtverletzungen von acht lebenden und verstorbenen Verantwortlichen fest.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, dem selbst keine Pflichtverletzungen nachgewiesen wurden, entband daraufhin Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und Offizial Günter Assenmacher mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben. Schwaderlapp bot inzwischen dem Papst seinen Rücktritt an.

Weitere Schritte im Erzbistum Köln verlangt

ZdK-Präsident Sternberg nannte die ersten Entscheidungen Woelkis konsequent. Nun komme es auf die weiteren Schritte im Erzbistum an. Es gehe „um Transparenz, Einbeziehung des Betroffenenbeirats und den Willen zur transparenten Kommunikation. Bislang ist da viel schiefgelaufen“, so Sternberg.

„Angesichts der dilettantischen Arbeitsweise erwarte ich, dass überfällige Verwaltungsreformen sofort eingeleitet werden. Reformen, die den Mindeststandard einer Behörde erfüllen.“ Hier brauche es einen konkreten Zeitplan und konkrete Zuständigkeiten.

Sternberg: Mehr als juristische Aufarbeitung nötig

Der Fall Köln zeige nicht nur massive Pflichtverletzungen und „Dilettantismus“ von Verantwortungsträgern, sondern stehe auch „exemplarisch dafür, wie wichtig es wäre, endlich eine Verwaltungsgerichtsbarkeit der Kirche einzurichten“, so Sternberg, der zugleich weitere Aufarbeitung forderte. „Das Gutachten ist wichtig, bietet aber eine ausschließlich juristische Bewertung. Die vollständige Aufarbeitung kirchlichen Versagens kann nur gelingen, wenn interdisziplinär und unabhängig gearbeitet wird.“

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