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ZdK-Präsident sieht Tür für Gespräche von Laien in Rom weiter offen

Sternberg: Vatikan hat falschen Eindruck von der Kirche in Deutschland

Zum Gespräch über die in Deutschland umstrittene Instruktion zur Pfarreileitung lädt der Vatikan zunächst nur Vertreter der Bischöfe ein. Das geht aus einem Schreiben des Präfekten der Kleruskongregation, Kardinal Beniamino Stella, hervor. Diese Entwicklung ordnet der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, ein.

Herr Sternberg, wie bewerten Sie es, dass Kardinal Stella zunächst nur mit Vertretern der deutschen Bischöfe über die Pfarreien-Instruktion sprechen will?

Das wundert mich nicht. Kardinal Stella verweist in seinem Brief darauf, die Instruktion sei ihrer Art nach an die Verantwortlichen in den Bistümern gerichtet. Das sind die Bischöfe. Der Kardinal schreibt aber auch, „in dieser Phase“ seien die Bischöfe die erforderlichen Gesprächspartner. Er schlägt also nicht die Tür zu. Es kann durchaus noch das Gespräch mit dem Präsidium des Synodalen Wegs geben, das der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, angeregt hatte. Ich denke, es wäre sehr wichtig, dass auch deutsche Laienvertreter an den Gesprächen im Vatikan beteiligt sind. Dort scheint es einen falschen Eindruck von der Kirche in Deutschland zu geben. Wir sind keinesfalls Revoluzzer. Wir haben selbstverständlich nicht vor, etwa eine deutsche Nationalkirche zu gründen. Bischöfe und Laien setzen aber gemeinsam um, was die Bischöfe schon 2015 in ihrem Papier „Gemeinsam Kirche sein“ formuliert haben – die gemeinsame Verantwortung von Bischöfen, Priestern, Diensten und Laien für die Kirche in Deutschland in Richtung auf eine synodale Kirche.

Bischof Bätzing erklärt heute, er halte ein Gespräch von Laienvertretern im Vatikan über die Pfarrei-Instruktion „der Sache nach“ weiterhin für angemessen. Wird es dazu kommen?

Warum nicht? Und selbst wenn nicht: Wichtiger als ein persönliches Auftreten ist, dass im Vatikan unsere inhaltlichen Punkte deutlich werden. Wir sind in Deutschland bei der Mitverantwortung von Laien in Gemeinden weiter als es die Pfarrei-Instruktion beschreibt. Und es ist keineswegs so, dass die gesamte Instruktion in Deutschland abgelehnt wird. Der erste, ganz von den Gedanken des Papstes geprägte Teil ist allgemein gelobt worden. Unsere Kritik bezieht sich vor allem auf den dritten Teil, der überholte kirchenrechtliche Vorgaben über die Laien als bloße Helfer des Klerus wiederholt und sie unangemessen anschärft.

Selbst Bischöfe haben gesagt, die Instruktion gehe an der Lage der Kirche in Deutschland vorbei. Wie viel eigenständiges Handeln trauen Sie den Bischöfen zu? Werden sie sich über einige Punkte hinwegsetzen – hinwegsetzen müssen?

Die Instruktion wird sich an der Realität messen müssen. Wie sollen deutsche Bischöfe Leitung nur an Priester vergeben? Dafür müssten wir erst einmal wieder genügend Priester haben. Was nicht geht, darauf kann man auch nicht verpflichtet werden. Die Bischöfe werden in einen Spagat gezwungen. Sie sollen Pfarreien haben, an deren Spitze Priester stehen. Zugleich hält es Kardinal Stella für „unglaublich“, dass Großpfarreien gebildet werden, in denen die persönliche Begleitung zur bloßen Utopie werde. Innerhalb unserer Pfarreien wird es immer Gemeinden und Gemeinschaften brauchen, wo das kirchliche Leben vor Ort stattfindet und wo Laien Verantwortung tragen. Das an vielen Orten bewährte Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen, Klerikern und Laien, Frauen und Männern darf durch vatikanische Instruktionen nicht aufs Spiel gesetzt werden.

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