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Vorsitzende des Diözesankomitees zur Vatikan-Instruktion über Gemeindeleitung

Stegemann an Laien im Bistum Münster: Lasst euch nicht einschüchtern!

Wut, Unverständnis, Demotivation: Das waren ihre erste Reaktionen auf die Vatikan-Instruktion zur Gemeindeleitung, bekennt die Vorsitzende des Diözesankomitees. Was sie Laien empfiehlt und von Bischöfen erwartet, sagt Stegemann im Interview.

Laien können auch künftig keine Pfarreien leiten und in der Eucharistiefeier predigen. Das hat eine Instruktion der Kleruskongregation in Rom betont. Das Dokument reagiert ausdrücklich auf Überlegungen in den Bistümern, wie angesichts von weniger Priestern und geänderten Herausforderungen Gemeinden lebendig bleiben können. Wie der Text aus Rom bei den Laien im Bistum Münster ankommt, hat "Kirche-und-Leben.de" die Vorsitzende des Diözesankomitees, Kerstin Stegemann gefragt.

Frau Stegemann, wie war Ihre erste Reaktion, als Sie das Papier gelesen haben?

Meine erste Emotion war eine große Enttäuschung. Wer mit offenen Augen auf die Situation der katholischen Kirche in Deutschland blickt, muss doch sehen, dass es so nicht weiter geht. Ich hätte ich mir definitiv mehr Nähe zur Realität gewünscht. In den letzten Monaten habe ich immer wieder erlebt, wie viel Bereitschaft es mittlerweile zur Veränderung an so vielen Stellen in Kirche gibt - und bis hierhin war es ein weiter Weg. All den kleinen vorsichtigen Schritten der Veränderung wurde gestern erst mal eine Absage erteilt. Ich möchte den bisherigen Prozess nicht aufgeben, wir müssen weitermachen. Gleichzeitig merke ich, dass das Papier Wut, Unverständnis und Demotivation bei mir auslöst. Wozu denn da noch weitermachen und an Reformen arbeiten, wenn es eine so klare Absage gibt? Gestern habe ich mir erstmals die Frage gestellt, wo meine Grenze ist. Eine Antwort darauf habe ich nicht, aber ich merke, dass meine Geduld weniger wird. Das Papier lässt auch viele Fragen und Unsicherheiten zurück: Was heißt das jetzt für die ersten Schritte und Experimente, die wir gehen? Ich wünsche mir von unseren Bischöfen sehr, dass wir den eingeschlagenen Weg weitergehen und uns gegenseitig Mut machen, Veränderungen anzugehen, auch wenn der Weg nicht einfach wird. 

Wie bewerten Sie das Papier mit Blick auf das vielfältige Engagement der Laien im Bistum Münster, sich in ihrer Pfarrei zu engagieren?

Für die Menschen, die sich bei uns in den Pfarreien und Verbänden engagieren, muss die Aussage des Papiers ja erstmal eine Enttäuschung sein. So viele setzen sich für ihre Kirche vor Ort ein und leben die Botschaft Jesu Christi! Das Papier wird ihrem Einsatz nicht gerecht. Gleichzeitig hoffe ich, dass niemand sich davon einschüchtern lässt, sondern weitermacht. Weil es eben doch um die Botschaft geht und nicht ums System. 

Im Bistum Münster gibt es erste Formen von Gemeindeleitung unter Beteiligung von Laien, die wohl nicht der Richtung des Papiers entsprechen. Was wünschen Sie sich von der Bistumsleitung?

Ich erwarte und hoffe sehr, dass unser Bistum den eingeschlagenen Weg weitergeht, sich auf Experimente einlässt und den hier engagierten Laien weiter zutraut, dass sie Verantwortung übernehmen können und wollen!

Was möchten Sie den Engagierten in den Pfarreien mit auf den Weg geben, die sich von diesem Papier überrumpelt fühlen?

Ich kann jede*n verstehen, der oder die enttäuscht und verärgert ist. Das bin ich auch. Aber mir ist meine Kirche wichtig, dafür will ich mich weiter einsetzen. Und ich glaube daran, dass Veränderung noch möglich ist. 

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