Seelsorgeamts-Leiterin Maria Bubenitschek über Gemeindeleitung, Pfarrer und Laienpredigt

"Geteilte Verantwortung im Bistum Münster entspricht der Instruktion"

Das Bistum Münster hat mehrfach zu Kreativität bei Modellen der Gemeindeleitung aufgerufen. Doch die neue Instruktion aus dem Vatikan scheint vielem einen Riegel vorzuschieben, indem sie betont, dass nur Pfarrer Pfarreien leiten und die Predigt von Laien in der Eucharistiefeier weiter untersagt. Was bedeutet das für das Bistum Münster und seine Pläne? Antworten von Maria Bubenitschek, Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat.

Frau Bubenitschek, während in Deutschland und auch im Bistum Münster intensiv nach Lösungen gesucht wird, um das Gemeindeleben trotz Priestermangels lebendig zu gestalten, erteilt Rom Ideen über alternative Gemeindeleitungen eine Absage. Wie kommt die Instruktion bei Ihnen an?

Die Autorin der Instruktion ist die Kleruskongregation. Somit ist aus meiner Sicht der Grundduktus der Instruktion zu erklären: Es geht um die – wie es in der Überschrift heißt – pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche – mit dem Fokus auf die Aufgaben und die Rolle von Priestern. Die Situation von Pfarreien in der heutigen Zeit finde ich in vielen Bereichen sehr treffend beschrieben. So heißt es zum Beispiel: „Die Pfarrei muss die Impulse der Zeit aufnehmen, um ihren Dienst an die Erfordernisse der Gläubigen und die geschichtlichen Veränderungen anzupassen.“ Ebenso treffend finde ich die Erkenntnis, dass die „traditionellen“ pfarrlichen Strukturen unter missionarischem Gesichtspunkt zu erneuern seien. Diese Umkehr soll in einer schrittweisen Erneuerung der Strukturen erfolgen und schließt in verschiedenen Weisen die Übertragung der Hirtensorge der Pfarrer und die Beteiligung an ihrer Ausübung alle Glieder des Volkes Gottes ein.

Ich bin überzeugt davon, dass pfarrliches Leben nicht ausschließlich vom leitenden Pfarrer abhängt und abhängen kann. Dies wird auch in der Instruktion zum Ausdruck gebracht. Allerdings wird die Leitungsaufgabe des Pfarrers in ihr stark hervorgehoben. Allen Leitungsformen, die in vielen Bistümern in Deutschland und auch bei uns in Münster entwickelt werden, liegt die Überzeugung zugrunde, dass alle Getauften und Gefirmten Verantwortung für das pastorale Leben in ihren Pfarreien haben.

Apropos Modelle im Bistum Münster: In Saerbeck ist erst vor wenigen Tagen ein Priester als ständiger Pfarrverwalter mit einem Pastoralreferenten als pastoralem Leiter eingesetzt worden. Welche Zukunft sehen Sie angesichts der neuen Instruktion für dieses Modell?

Pastoralreferent Werner Heckmann hat in Saerbeck die pastorale Verantwortung der Pfarrei in Zusammenarbeit mit den pfarrlichen Gremien zum 9. Juli übernommen. Pfarrverwalter und somit Leiter der Pfarrei ist mit Pater Hans-Michael Hürter ein Priester. Diese Form der geteilten Verantwortung entspricht somit den Vorgaben der Instruktion und dem Kirchenrecht.

Sie haben erst vor Kurzem für Kreativität in der Ausgestaltung der Gemeindeleitung geworben. Was sagen Sie Laien, die sich von der Instruktion brüskiert fühlen?

Die Instruktion bezieht sich auf die Pfarreien. Somit müssen wir zwischen Gemeinden und Pfarreien unterscheiden. Gemeinden sind nach dem Verständnis im Bistum Münster Zusammenschlüsse von Menschen, die Leben und Glauben miteinander teilen beziehungsweise zu teilen versuchen. „Gemeinden“ können in dieser Logik etwa Tageseinrichtungen für Kinder, Alteneinrichtungen, Schulen oder ehemalige Pfarrgemeinden sein. Die Pfarrei ist somit die Gemeinschaft von Gemeinden oder – wie es in der Instruktion heißt – eine „Gemeinschaft von Gemeinschaften“.

Ich stehe zu meinem Wort und meiner Anregung, kreativ hinsichtlich der Übernahme von Verantwortung für das pastorale Leben in den Pfarreien und Gemeinden zu sein. Bei allen Formen der Verantwortungsübernahme haben wir das Kirchenrecht nicht außer Acht gelassen. Die Instruktion beschreibt an verschiedenen Stellen, dass es eine gemeinsame Verantwortung aller gibt – Kleriker und so genannter Laien. Allerdings wird in der Instruktion darauf hingewiesen, vorsichtig mit der Terminologie umzugehen. Im Duktus der Instruktion ist der Begriff „Leitung“ dem Pfarrer vorbehalten. Möglicherweise bedeutet das für uns im Bistum Münster in der Konsequenz, dass wir den Begriff „Leitung“ durch andere Worte ersetzen, die genau das beschreiben, was gemeint ist.

Die Instruktion erteilt auch der Predigt von Laien nach dem Evangelium in Eucharistiefeiern eine Absage. Ist das endgültig und gilt so auch im Bistum Münster?

Ich bedauere es sehr, dass noch einmal ausdrücklich darauf verwiesen wird, dass die Homilie von Laien während der Feier der Eucharistie nicht gehalten werden darf. In vielen Bistümern ist das mittlerweile Tradition und ich bin mir nicht sicher, ob davon wieder Abstand genommen wird.

Im Interview mit "Kirche-und-Leben.de" haben Sie im Juni in Sachen Laienpredigt auf den Synodalen Weg gesetzt. Was kann dort in dieser Frage, aber auch in der Frage der Gemeindeleitung und der Laienbeteiligung überhaupt noch entschieden werden?

Ich bin seit gut 30 Jahren im kirchlichen Dienst – 28 Jahre als Seelsorgerin im Bistum Aachen, seit 2017 im Bischöflichen Generalvikariat in Münster. Wenn ich nicht grundsätzlich davon überzeugt wäre, dass sich Kirche weiterentwickelt, könnte ich nicht hauptberuflich für sie und in ihr arbeiten. Ich hoffe, dass sich die Mitglieder der Synodalversammlung weiterhin engagiert den Fragen und der Aufarbeitung der Themen stellen. Darum bete ich jeden Tag. Im Schlussteil der Instruktion wird die Forderung ausgesprochen, dass die historische Institution „Pfarrei“ nicht in der Unbeweglichkeit oder in einer besorgniserregenden pastoralen Monotonie gefangen bleibt, sondern eine „missionarische Dynamik“ entwickelt. Das wünsche ich mir auch für verschiedene kirchliche Themen!