Mainzer Bischof in Sorge um Ehrenamtliche und um Priester

Bischof Kohlgraf kritisiert Vatikan-Papier – Kardinal Woelki lobt es

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf kritisiert die neue Vatikan-Instruktion zu Kirchengemeinden scharf. In einer Stellungnahme schreibt er, er könne diesen „Eingriff“ in sein bischöfliches Amt „nicht so einfach hinnehmen“. Lob für das Papier kommt vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.

Laut Instruktion bleiben Laien von der Pfarreileitung ausgeschlossen, dagegen hebt der Text die Rolle des Pfarrers hervor. Bestrebungen, die Leitung von Pfarreien Teams aus Priestern, anderen Mitarbeitern und weiteren Engagierten anzuvertrauen, widerspricht das Schreiben direkt.

„Verwaltungsreferenten wohl nicht genehm“

Kohlgraf betont, nach dem römischen Schreiben sorge er sich „um die vielen (noch) Engagierten. Bald werden sie genug davon haben, wenn ihr Engagement nur misstrauisch beäugt und von oben herab bewertet wird.“ Er höre, „dass zunehmend keine Motivation mehr herrscht, in einer Kirche mitzumachen, die so auftritt“.

Außerdem sorge er sich um die Priester. „Schon jetzt können wir vakante Stellen nicht besetzen. Viele Priester klagen über Überforderung im Blick auf Verwaltung und Bürokratie.“ Gerade dies solle aber laut Instruktion bei den Pfarrern bleiben. Die in vielen Bistümern – auch in Münster – in Pfarreien arbeitenden Verwaltungsreferenten „sind nach den römischen Vorstellungen wohl nicht genehm“. In Zukunft könne es deshalb sein, dass sich Pfarrer als Vorsitzende aller Gremien „zu Tode tagen“.

Woelki lässt Leitungsaussagen unkommentiert

Kardinal Woelki hingegen lobt die Instruktion. „Ich bin dankbar, dass uns Papst Franziskus mit dieser Handreichung den Weg weist“, sagt der Erzbischof. Das Dokument enthalte viele Anregungen für einen missionarischen Aufbruch der Kirche. „Zugleich ruft es uns Grundwahrheiten unseres Glaubens in Erinnerung, die wir gerade in Deutschland vielleicht manchmal aus dem Blick verlieren, wenn wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind.“ Aussagen zur Pfarreileitung kommentiert Woelki nicht.

„Nicht wir machen Kirche, und es ist auch nicht unsere Kirche, sondern die Kirche Jesu“, so der Kardinal. Der Herr selbst habe die Kirche gestiftet, die Sakramente und das besondere Priestertum. „Papst Franziskus rückt hier einiges zurecht, aber nicht als Maßregelung oder Disziplinierung, sondern als Ermutigung, ganz auf Christus zu setzen, um wieder eine missionarische Kirche zu werden.“