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In der Clemens-Kirche in Münster-Hiltrup entsteht eine neue Sakramentskapelle

Urne von KZ-Priester Bernhard Poether wird umgebettet

Im Rahmen der umfassenden Kirchenrenovierung von St. Clemens in Münster-Hiltrup ist die Urne des im KZ ums Leben gekommenen Priesters Bernhard Poether umgebettet worden.

Die in einem Seitenaltar eingelassene Urne des 1942 im KZ Dachau ums Leben gekommenen Priesters Bernhard Poether in der Clemens-Kirche in Münster-Hiltrup wird umgebettet. Im Zug der umfassenden Kirchenrenovierung wird sie im Gotteshaus in einer neuen Sakramentskapelle einen würdigen Platz erhalten.

Dort wird auch das Sandstein-Relief mit einem Bild von Poether und seinen Lebensdaten aufgestellt, das bislang ebenfalls im Seitenraum der Kirche zu sehen war. Bis die Renovierung Endes des Jahres abgeschlossen ist, wird die Urne in der St.-Sebastian-Kirche in Münster-Amelsbüren aufbewahrt.

Auch Poethers Kelch soll ausgestellt werden

Während einer kurzen Zeremonie der Umbettung erklärte Pfarrer Mike Netzler die Gründe für den neuen Gedenkort: „Wir möchten die Urne sichtbar machen. Eine Verehrung braucht würdige Rahmenbedingungen, die wir mit der neuen Sakramentskapelle schaffen wollen. Bernhard Poether ist der Seligsprechung würdig.“ Gezeigt werden soll auch der Kelch, den Poether zu seiner Priesterweihe 1932 anfertigen ließ.

Die anwesenden Mitglieder des „Arbeitskreises Bernhard Poether“ zeigten sich sehr zufrieden mit den Plänen der Sakramentskapelle. „Wir geben dem Glaubenszeugen einen angemessenen Raum für die Verehrung“, sagte Pfarrer em. Ewald Spieker. Zusammen mit Vertretern der Pfarrei St. Clemens sprachen sie das Gebet um die Seligsprechung von Kaplan Poether, in dem es heißt: „Schenke uns Bernhard Poether zur Verehrung, damit die Menschen von heute sich an seinem Vorbild orientieren, damit das Geschenk des Glaubens von mehr Menschen dankbar angenommen werde.“

Einsatz für die Minderheit der ruhrpolnischen Bevölkerung

Bernhard Poether wurde 1906 in Datteln geboren. In Hiltrup verlebte er seine Jugendzeit. Nach seiner Priesterweihe 1932 war er bis März 1934 Kaplan in Südkirchen und Gelsenkirchen-Buer. 1935 trat er eine Stelle als Vikar in Ciecina bei Krakau in Polen an, zum einen aus Interesse am östlichen Europa und seinen Menschen, zum anderen, um seine russischen und polnischen Sprachkenntnisse zu vertiefen. Nach der Rückkehr aus Polen wurde er 1936 Kaplan in der Gemeinde Herz Jesu in Gladbeck-Zweckel. Im April 1939 wechselte er in die Gemeinde St. Josef in Bottrop.

Dort wie zuvor schon in Gladbeck engagierte sich Poether für die Minderheit der ruhrpolnischen Bevölkerung. Das brachte ihn in Konflikt mit dem NS-Regime. Am 22. September 1939, drei Wochen nach Kriegsbeginn gegen Polen, wurde Poether von der Gestapo festgenommen und im Gefängnis Bottrop inhaftiert. Der Seelsorger hatte sich gegen die willkürliche Verhaftung polnischer Katholiken gewehrt. Am 19. März 1940 wurde er ins KZ-Sachsenhausen transportiert.

Urne seit 1970er Jahren in der St.-Clemens-Kirche

Am 18. April 1941 wurde Poether ins KZ Dachau in den dortigen „Priesterblock“ verlegt. An den Folgen der Folter, der Unterernährung und der Schikanen im KZ starb er am 5. August 1942. Seine Leiche wurde im Krematorium des KZ Dachau verbrannt.

Die Urne mit seinen sterblichen Überresten wurde der Familie in Hiltrup überstellt und fand in den 1970er Jahren in der St.-Clemens-Kirche eine Stätte des Gedenkens. Vor einigen Jahren erschien im Dialogverlag Münster eine umfassende Biografie des Priesters.

Weitere Informationen zu Bernhard Poether im Internet: https://www.bernhard-poether.de

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