Proteste in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt

US-Kirchen empört über Bibel-Posing von Donald Trump

Der Primas der anglikanischen Episkopalkirche in den USA, Bischof Michael Curry, hat sich entsetzt darüber gezeigt, dass sich Donald Trump vor der St. Johns Episcopal Church in Washington mit einer Bibel in der Hand hat fotografieren lassen. Unmittelbar zuvor hatte der US-Präsident in einer Erkärung im Weißen Haus mit dem Einsatz von Militär gedroht, um die teils gewaltsamen Demonstrationen und Ausschreitungen gegen Rassismus und Polizeigewalt im Land zu stoppen.

Ausgelöst durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz am 25. Mai kam es in den USA in den vergangenen Tagen zu zahlreichen teils gewalttätigen Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Michael Curry: Bibel benutzt

"Der Präsident hat so das Kirchengebäude und die Heilige Bibel für parteipolitische Zwecke benutzt", heißt es in einer Erklärung von Bischof Curry, der durch die Trauung von Prince Harry und Meghan Markle 2018 zu einer gewissen Berühmtheit gelangte. Diese Aktion in einer Zeit tiefen Schmerzes im Land habe nichts dazu beigetragen, "uns zu helfen oder zu heilen".

Die Heilige Schrift lehre, dass Gott die Liebe ist, betont Curry. Die Bibel, die Trump in Händen gehalten habe, repräsentiere die Werte von Liebe, Gerechtigkeit, Anteilnahme. "Um George Floyds willen und aller, die grundlos leiden, und um unser selbst willen: Wir brauchen Anführer, die uns helfen, eine einzige Nation zu sein, unter Gott, in Freiheit und Gerechtigkeit für alle."

Jesuit James Martin: Widerlich!

Auch der in den USA populäre Jesuitenpater James Martin aus New York verurteilte das Posen des Präsidenten scharf. "Das ist widerlich!", schreibt Martin auf Facebook, wo ihm über eine halbe Million Menschen folgen. "Die Bibel ist keine Requisite. Eine Kirche ist kein Foto-Hintergrund. Religion ist kein politisches Instrument. Und Gott ist nicht dein Spielzeug."

Bischöfin: Trump hatte keine Erlaubnis

Die anglikanische Bischöfin von Washington, Mariann Edgar Budde, distanziert sich ebenfalls mit deutlichen Worten von Trumps Auftritt. „Der Präsident benutzt ausgerechnet eine Bibel, den heiligsten Text der jüdisch-christlichen Tradition, und eine der Kirchen meiner Diözese ohne Erlaubnis als Hintergrund für eine Botschaft, die in Widerspruch zu den Lehren Jesu und allem steht, wofür unsere Kirchen stehen“, sagte die Bischöfin der Episkopal-Kirche dem Sender CNN (Montag Ortszeit).

Auch sei sie „empört“, dass der Präsident nicht gebetet habe, als er zur Kirche kam. Er erkenne die Qualen der afroamerikanischen Bevölkerung nicht an, sondern heiße im Gegenteil mit seinem Verhalten noch den Einsatz von Tränengas durch die Sicherheitskräfte gut.

Der Hintergrund

Der Präsident war im Anschluss an eine Rede im Weißen Haus, in der er mit dem Einsatz des US-Militärs gegen die anhaltenden Proteste gedroht hatte, zu der nahe gelegenen anglikanischen Kirche gegangen. Dort hatte er sich mit einer Bibel ablichten lassen. Im Vorfeld soll es um das Weiße Haus herum zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen sein. Letztere seien vertrieben worden, um dem Präsidenten den Weg zur Kirche frei zu machen.

Zuletzt stellten sich viele US-Kirchenvertreter hinter die Proteste, betonten allerdings auch, dass diese friedlich bleiben müssten.