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Kommentar von Jens Joest 80 Jahre nach den Predigten von Kardinal von Galen

Warum Predigten politisch sein müssen

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Vor 80 Jahren griff Bischof Clemens August Graf von Galen in seinen Predigten den Terror der Nationalsozialisten an. Seine Worte waren hochpolitisch und für ihn durchaus gefährlich. Auch heute braucht es weiterhin politische Predigten, meint unser Redakteur Jens Joest.

Am 13. Juli jährt sich die erste der drei berühmten Predigten des münsterschen Bischofs Clemens August Graf von Galen zum 80. Mal. Der 2005 unter anderem wegen dieser Predigten selig Gesprochene nahm sich den Terror der Nationalsozialisten und deren planmäßige Ermordung von Menschen mit Behinderung vor, fand klare, mutige Worte – erst recht unter den von ihm selbst benannten Bedrohungen durch Handlanger der Diktatur.

Galens Predigten zählen zu den politischsten, die je in Deutschland gehalten wurden. Taugen sie noch als Vorbild? Wie politisch darf es denn heute werden – in einem Bundestagswahljahr, in einer Empörungsdemokratie?

„Gar nicht“, finden einige. In Predigten solle es ums Evangelium gehen, um „seelische Erbauung“, um die Botschaft Jesu und ihre Bedeutung für meinen Alltag.

Christliche Botschaft ist hochpolitisch

Wer diesen Wunsch ernst meint, darf gerade deshalb mit politischen Aussagen in Predigten kein Problem haben. Denn die christliche Botschaft ist hochpolitisch. Das Gebot der Nächstenliebe verortet die Christen an der Seite der Notleidenden. Und kirchliche Aufrufe zum Klimaschutz sind keine Wahlhilfe für grüne Parteien, wie einige Konservative wettern, sondern folgen dem Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung.

Christentum ist parteiisch, an der Seite der Schwachen, aber nicht parteigebunden. Zu Recht sind die Zeiten vorbei, in denen Priester und Bischöfe ausdrücklich etwa zur Wahl der C-Parteien aufriefen.

Politisch muss gelebtes Christsein dennoch sein. Es ist falsch, Christentum auf „Großer Gott, wir loben dich“ und „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen“ zu verkürzen – so wichtig Vertrauen und Gotteslob sind.

Zur Nächstenliebe aufgefordert

Das machen sogar Lieder im Gottesdienst deutlich: „Hilf, Herr, meiner Seele, dass ich dort nicht fehle, wo ich nötig bin.“ (GL 440,4) Das ist die Gebets-Bitte, nicht bei der „seelischen Erhebung“ stehen zu bleiben, sondern zum praktischen Handeln zu kommen. Auch Jesus fordert seine Anhänger immer wieder zur Nächstenliebe und zum Tun auf.

Dieses Handeln in der Gesellschaft aber ist zwangsläufig politisch. Daran zu erinnern ist das Mindeste, was Predigten leisten müssen – nicht nur vor Wahlen, sondern immer. Und das möglichst fundiert und konkret.

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