Auf dem Weg nach Pfingsten (5): Schwester Ulrike Soegtrop aus Dinklage

Was bedeutet Ihnen der Heilige Geist, Schwester Ulrike?

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Obwohl er anders ist als jede Vorstellung – ein Bild braucht es wohl, wenn an Pfingsten die Herabkunft des Heiligen Geistes gefeiert wird. In der Bibel ist von Feuerzungen und dem Brausen eines Sturms die Rede. Was bedeutet er heute? Fünf engagierte Menschen aus dem Bistum Münster sagen in dieser Themenwoche, was sie mit dem Heiligen Geist verbinden. Diesmal: Schwester Ulrike Soegtrop aus Dinklage.

Die Taube ist nicht das erste, was mir in den Sinn kommt, wenn ich an den Geist Gottes denke. Vor meinem inneren Auge sehe ich eher „Zungen wie von Feuer“ (Apg 2,3). Ich spüre das „Schweben über dem Wasser“ (Gen 1,1) oder das „Brausen, wie wenn ein Sturm daherfährt“ (Apg 2,2). Drum spreche ich lieber von der „Geistkraft“ – da ist Energie drin, Vitalität und Stärke.

Die Geistkraft ist die atemberaubende Unberechenbarkeit Gottes. Sie ist das von Gott, das auch in mir lebt und mich antreibt. Sie ist es, die mich aus dem Schneckenhaus meines Selbst herausreißt; zum Beispiel damals, als alle von mir auf eine Anfrage hin ein „Ja“ erwarteten und meinem Mund ein „Nein“ entfuhr – selbst zu meiner eigenen Verblüffung. Ein „Nein“, das dann zu einem Meilenstein auf meinem Berufungsweg werden sollte.

Von der Geistkraft durchflutet

Die Autorin
Ulrike Soegtrop OSB
Ulrike Soegtrop OSB ist Schwester der Benediktinerinnenabtei St. Scholastika Burg Dinklage.

Die Geistkraft wirkt noch viel mehr: wenn eine Gemeinschaft von 20 Frauen in einer ernsten Fragestellung zu einer einmütigen Entscheidung kommt, dann nur, weil die Geistkraft nahezu greifbar im Raum mitschwingt. Manchmal wird sogar das, was über lange Zeit unmöglich schien, plötzlich leicht und wie von „Geisteshand“ Wirklichkeit.

Ein Blick in die Apostelgeschichte kann uns in der heutigen Kirchenkrise Mut machen: Von der Geistkraft durchflutet, werden die Jünger:innen Jesu zu be“geist“erten Verkünder:innen der Heilstaten Gottes. Sie bestehen souverän Auseinandersetzungen mit religiösen  Autoritäten, scheuen weder Verleumdung noch Gefängnis, überschreiten mutig Ländergrenzen und werfen auch mal Reisepläne über Bord. Mal sind sie alle „ein Herz und eine Seele“ (Apg 4,23) und ein andermal führt der Streit zur konstruktiven Spaltung. Fazit: Sie haben unerschrocken gelebt, was wir im Lied „Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft“ (GL 784) singen:

Wie das Feuer sich verbreitet
und die Dunkelheit erhellt,
so sollst du uns ganz ergreifen,
umgestalten unsere Welt.

Wie der Sturm so unaufhaltsam, 
dring in unser Leben ein. 
Nur wenn wir uns nicht verschließen, 
können wir deine Kirche sein.