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Die Jakobus-Wege führen nicht nur an Kirchen vorbei

Wenn Jakobspilger im Supermarkt stempeln gehen

  • Auf dem regionalen Jakobspilgerweg von Osnabrück nach Münster können Pilger nicht nur an Kirchen Stempel für ihrem Pilgerpass sammeln.
  • Eine Station ist der kleine Supermarkt „LebensMittelpunkt“ in Leeden, wo Menschen mit Behinderung arbeiten.
  • Pilgern trotz Corona? Die Jakobusfreunde Münster geben Tipps.
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Der Springbrunnen plätschert im Dorfteich vor sich hin. Zwischen blühenden Apfelbäumen ragt die weiß verputzte Stiftskirche Leeden auf. Hier entlang verläuft eine der vier westfälischen Routen des Jakobswegs, die der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) ausgewiesen hat. Wer die Strecke von Osnabrück über Münster und Dortmund bis Wuppertal bewältigt, kommt in dem idyllischen Dörfchen am Habichtswald vorbei.

Viele Pilger führen einen Pilger-Pass mit sich. In diesem Dokument, das zum Beispiel bei den Jakobusfreunden Münster erhältlich ist, können Pilger ihren Streckenverlauf dokumentieren.

Wer als Jakobspilger allerdings das evangelische Gotteshaus in Leeden zum Stempeln anläuft, wird nicht fündig – das Siegel kam zu oft abhanden, die Stelle wurde geschlossen: „Solche Stempel sind beliebte Sammlerobjekte, sie werden leider gerne auch mal mitgenommen, das kommt durchaus vor“, sagt Rita Meyer von den Jakobusfreunden Münster. Die Initiative organisiert regelmäßig Vorträge im evangelischen Gemeindehaus am Aasee und Stammtischtreffen für Pilger im katholischen Kirchenfoyer Münster. „Allerdings nur, wenn nicht Corona ist. Momentan halten wir die Füße still“, sagt Rita Meyer.

Stempeln in der Eisdiele oder auf dem Reiterhof

Anne Twyrdy ist bei den Ledder Werkstätten im Supermarkt in Leeden beschäftigt. Stempel und Kissen für Pilger kommen in Corona-Zeiten seltener zum Einsatz, liegen aber immer an der Durchreiche zur Kaffeeküche bereit. | Foto: Jörg Birgoleit (Ledder Werkstätten)
Anne Twyrdy ist bei den Ledder Werkstätten im Supermarkt in Leeden beschäftigt. Hier hat sie den Pilgerstempel in der Hand. | Foto: Jörg Birgoleit

Damit Pilger auch „auf dem Dorf“ ihren Stempel bekommen können, gibt es unterwegs neben klassischen Anlaufpunkten wie Kirchen und Gemeindehäusern auch immer mal wieder ungewöhnliche Stempelstellen, zum Beispiel in einer Eisdiele oder auf einem Reiterhof: „Das finde ich völlig legitim, wenn solche Einrichtungen signalisieren: Pilger, kommt her, ruht euch aus, ihr seid herzlich willkommen.“

Durch das Laufen ändere sich die Wahrnehmung, oft gebe es am Rande tiefe Gespräche. Neue Freundschaften werden geknüpft: „Mit dem Sammeln der Stempel sammelt man auch Erinnerungen an schöne Begegnungen“, findet Rita Meyer.

Supermarkt als Station

Im 3.000-Einwohner-Dorf Leeden hat sich die Interessengemeinschaft nach einem neuen Ort für das blaue Kissen mit dem hölzernen Stempel umgesehen und wurde im integrativen „LebensMittelpunkt“ fündig. „Wir führen das Geschäft mit Café seit Dezember 2016 als Teil unseres Dienstleistungsbereiches“, berichtet Jörg Birgoleit, Sprecher der „Ledder Werkstätten“, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung mit 1.300 Beschäftigten und 500 Mitarbeitern in Trägerschaft der evangelischen Diakonie.

In Leedens kleinem Supermarkt sind 19 Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen beschäftigt. Sie leisten, abhängig auch von ihrer Behinderung, alle Arbeiten, die in so einem kleinen Lebensmittelgeschäft anfallen. „Hinzu kommt, dass ein Team täglich von dort unsere Wohnbereiche mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs beliefert. Das war und ist in Coronazeiten natürlich noch wichtiger, um die Zahl der Kontakte zu minimieren“, betont Birgoleit.

Weniger Pilger als sonst unterwegs

Die westfälischen Pilgerwege: www.jakobspilger.lwl.org/de/

Neben einem coronagerechten Kaffee „to go“ können sich Pilger den Stempel im „LebensMittelpunkt“ abholen. Das Kissen mit der blauen Farbe liegt immer in der Durchreiche zur Kaffeeküche bereit.

Dabei ergeben sich dann kleine Gespräche. Manchmal kaufen die Pilger auch noch ein wenig Wegzehrung ein: „Alle Pilgerinnen und Pilger sind – wie sollte es auch anders sein – offen für die Begegnung mit behinderten Menschen. Ärger und Stress hat es noch nie gegeben“, sagt Jörg Birgoleit.

Trotz Pandemie kommen Pilger vorbei, wenn auch nicht viele. „Eine Nachfrage nach den regionalen Pilgerpässen ist da, wenn auch nicht so hoch wie sonst“, sagt Rita Meyer und plädiert für die Nutzung der regionalen Jakobswege: „Rausgehen, Probleme loslassen und einen neuen Blick finden für das, was im eigenen Leben stattfindet! Ein Aufbrechen vor der eigenen Haustür ist immer möglich.“

Buchtipp im handlichen Taschenformat:
Michael Bönte (Hg.): „Ich bin dann mal hier. Spiritueller Begleiter auf dem historischen Jakobsweg von Bielefeld nach Wesel“, 3 Euro, 144 Seiten, 16 x 10 cm,  ISBN 978-3-944974-07-1, Dialogverlag 2015.

Das Buch können Sie bequem direkt beim Dialogversand bestellen.

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