Themenwoche "Ferienlager auf Ameland in Gefahr?" (2)

Zahlen, Daten, Fakten - wie der Ferienfreizeiten-Boom auf Ameland begann

Anzeige

Ferienfreizeiten auf Ameland haben in den Pfarreien im Bistum Münster einen hohen Stellenwert. Aus keiner anderen deutschen Diözese fahren so viele Kinder auf die holländische Insel. Häufig sind die zwei Wochen der Höhepunkt ihrer Sommerferien. Das erste Mal ohne Eltern im Ausland, neue Freundschaften und das Lernen in einem Team zu arbeiten: Wer schon einmal auf einer Ferienfreizeit dabei war, erzählt meist sein ganzes Leben von den vielen Abenteuern. Aber haben Ferienfreizeiten auf Ameland eine Zukunft? Ein Überblick, wie alles begann.

Ameland ist eine von fünf holländischen Inseln. Die weiteren vier westfriesischen Inseln nennen sich Texel, Terschelling, Schiermonnikoog und Vlieland. Nach Angaben des Ameländer Stadtrats, Theo Faber, hat Ameland 2022 rund 600.000 Touristen begrüßt. Die Insel ist nicht autofrei. Mit den beiden Fähren „Oerd“ und „Sier“ gelangt man vom Fähranleger Holwerd, rund 30 Minuten von Leeuwarden entfernt, in circa 50 Minuten Überfahrtszeit auf die Insel.

Ameland besteht aus den vier Dörfern Hollum, Ballum, Nes und Buren und hat rund 3.700 Einwohner. Laut der Gemeinde Ameland wurde die Insel vor knapp 1000 Jahren besiedelt und bestand eigentlich aus drei Inseln, die zusammengewachsen sind. In Hollum befindet sich der 55 Meter hohe Leuchtturm, der 1880 gebaut wurde.

Mit Pfarrer Edmund Janssen fing alles an

Das niederländische Eiland ist geprägt durch viele Bauernhöfe. Heute sind in den ehemaligen Kuh- und Schweineställen Gruppenunterkünfte eingerichtet. Manche von ihnen beherbergen kleinere Gruppen, viele von ihnen auch ganze Ferienfreizeiten. Häufig sind die Gruppenunterkünfte einfach eingerichtet. Schlafsäle für 10 Personen in Stockbetten sind nicht ungewöhnlich.

Der Erzählung nach entstanden die Gruppenunterkünfte durch die Vermittlung des Pfarrers Edmund Janssen. Der Heimatverein Borken hat seine Geschichte niedergeschrieben. So heißt es, dass der 1886 in Kevelaer geborene Janssen mit 20 Jahren das erste Mal die Insel Ameland besuchte. Der Besuch sei der Beginn einer großen Freundschaft mit den Insulanern gewesen.

Mit dem Schiff von Kleve nach Ameland

1919 brachte er unterernährte Kinder zur Erholung auf der Insel unter. Später erwarb Janssen das Kapitänspatent und steuerte ein Motorschiff mit der ersten Jugendfreizeit von Kleve bis nach Ameland, heißt es vom Heimatverein. Von da an begannen die jährlichen Jugendfreizeiten. Früher waren die Ställe im Sommer leer und die Tiere auf den Wiesen. Genug Platz also für die jungen Menschen auf den Heuballen in den Ställen heißt es aus Erzählungen der Insulaner.

Im Jahr 1953, nach der Zeit des Nationalsozialismus, soll Janssen wieder Jugendfreizeiten nach Ameland organisiert haben. Mit der Zeit entstanden immer mehr Freizeiten, so der Beitrag. 1957 starb Janssen.

Ferienwerk koordiniert Freizeiten

Heute gibt es allein 69 Ferienfreizeiten, die im „Katholischen Ferienwerk Ameland“ im Bistum Münster vereinigt sind. Mehr als 5.000 Kinder, Betreuer und weitere Personen fahren jährlich auf die Insel, schreibt die Arbeitsgemeinschaft auf ihrer Website. Aber: Außerhalb der Vereinigung gibt es weitere Lager. Die tatsächliche Zahl der Ferienfreizeiten, die jährlich nach Ameland fahren, dürfte also höher liegen.