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Feiern in Dülmen am 19. Juni mit Bischof Felix Genn

100 Jahre Anna-Katharinenstift Karthaus: Emmerick-Statue wird enthüllt

  • Ein Höhepunkt des Jubiläums „100 Jahre Anna-Katharinenstift“ in Karthaus wird die Enthüllung der von Bert Gerresheim geschaffenen neuen Bronze-Statue der Namensgeberin Anna Katharina Emmerick sein.
  • Die Einrichtung für Menschen mit Behinderung ist die größte soziale Einrichtung in Dülmen.
  • Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende feiern am 19. Juni einen Open-Air-Gottesdienst mit Bischof Felix Genn.
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„Anna Katharina – die passt super zu uns!“ Für den Leiter der Seelsorge im Anna-Katharinen-Stift Karthaus und Pastoralpsychologen Ferdi Schilles ist die selige Anna Katharina Emmerick (1774-1824) die perfekte Namengeberin für die Einrichtung, die in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen begeht.

Die Feiern im Anna-Katharinenstift finden ihren Höhepunkt in der Enthüllung einer lebensgroßen Bronze-Skulptur der Namensgeberin am 19. Juni 2021 nach einem Open-Air-Gottesdienst mit Bischof Felix Genn. Geschaffen hat die Skulptur der 85-jährige Künstler Bert Gerresheim aus Düsseldorf. Er hat bereits mehrere Kunstwerke für das Bistum Münster gestaltet, zum Beispiel das Portal der Basilika im Wallfahrtsort Kevelaer und die Kreuzigungsgruppe am Paulusdom in Münster.

Emmerick ist lebendiges Leitbild für die Einrichtung in Karthaus

Den Entstehungsprozess der Skulptur begleitet hat Ferdi Schilles. Als langjähriges Vorstandsmitglied im Emmerick-Bund ist er ein Kenner der „Mystikerin des Münsterlands“. Nicht zuletzt ihre Seligsprechung 2004 hat dazu geführt, dass die Einrichtung zu einer verstärkten Identifikation mit Anna Katharina gefunden hat. „Sie ist lebendiges Leitbild für alle geworden, die im Anna-Katharinenstift leben und arbeiten“, sagt der Seelsorger.

In der Einrichtung leben mehr als 350 erwachsene Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. In der Pflegeeinrichtung Haus Jakob wohnen außerdem 40 Frauen und Männer. 110 Klienten nutzen zusätzlich das Angebot des Ambulanten Wohnens. Mehr als 550 Menschen mit Behinderung arbeiten in den Werkstätten Karthaus.

Anna Katharina ist berühmteste Persönlichkeit in Dülmen

Als sich die Verantwortlichen 1921 bei der Gründung des Anna-Katharinenstifts für Anna Katharina Emmerick als Namensgeberin des damals neuen Heims entschieden, hatte das gute Gründe, sagt Pastoralpsychologe Schilles: „Anna Katharina Emmerick war die berühmteste Persönlichkeit, die je in Dülmen gelebt hatte.“

Durch die Bücher von Clemens Brentano (1778-1842) wurde die in Coesfeld geborene Anna Katharina vor allem durch ihre Visionen und ihre Frömmigkeit weit bekannt. Deshalb habe es eine breite Verehrung der „Seherin von Dülmen“ am Anfang des 20. Jahrhunderts gegeben, und der Bischof von Münster habe sich in den 1920er Jahren in Rom bemüht, die Seligsprechung von Anna Katharina Emmerick voranzutreiben.

Inklusives Musical "Katharina" sehen mehr als 2000 Zuschauer

Ein Höhepunkt war ihre Seligsprechung 2004 in Rom, an der auch eine 30-köpfige Gruppe aus dem Anna-Katharinenstift teilnahm. „Auch in der Einrichtung selbst wurde das gefeiert. Seitdem hat Anna Katharina im Bewusstsein der Einrichtung wieder einen festen Platz“, sagt Schilles.

Ganz besonders wurde sie aber 2018 noch einmal in den öffentlichen Blickpunkt gestellt, als das Musical „Katharina“ aufgeführt wurde. Bei fünf Aufführungen im Freizeitbereich und im Konzerttheater Coesfeld erlebten weit mehr als 2000 Zuschauer ein beeindruckendes Spektakel. Mehr als 90 Menschen mit und ohne Behinderung hatten unter der Leitung von Georg Breitkopf ein Stück mit Musik und Schauspiel erarbeitet, das Anna Katharina von einer ganz neuen Seite beleuchtete: in ihrem ganz alltäglichen Leben und mit viel Humor.

Selige gilt als Vorbild besonders für Menschen mit Behinderung

„Dadurch konnte ihre Gestalt, die heute vielen fremd ist, wenn sie nur auf ihre mystische Seite reduziert wird, ganz neu erschlossen werden. Alle, die damals dabei waren, schwärmen noch heute von diesem besonderen Spirit“, sagt Schilles.

Dass die Selige des Bistums Münster gut zur Einrichtung passt und ein gutes Leitbild darstellt, hat mit den Erfahrungen von Behinderung und Beeinträchtigung zu tun, die Anna Katharina Emmerick ein Leben lang begleitet haben: Sie litt schon als Kind an einer chronischen Lungenkrankheit. Sie gehörte als Tochter eines abhängigen Kötters zur untersten Schicht der damaligen Gesellschaft. Sie hatte deshalb nur geringe Bildungschancen und durfte nur vier Monate lang die Schule besuchen. Ihr wurde wegen ihrer Herkunft lange Jahre die Aufnahme in einen Orden verweigert.

Ablehnung und Ausgrenzung können Anna Katharina nicht stoppen

Nach einem Unfall war sie körperlich so stark beeinträchtigt, dass sie über Jahre bettlägrig war. Wegen ihrer Wundmale wurde sie von den untersuchenden Behörden über Wochen isoliert und gequält.

All dem habe sie ein Trotzdem entgegengesetzt, sagt Schilles: „Trotz der kurzen Zeit in der Schule lernte sie lesen und verbrachte ihre freie Zeit mit dem Lesen der Bibel, die ihr bildhaft vor Augen war. Sie erlernte den Beruf der Näherin und verschaffte sich so eine Unabhängigkeit. Sie blieb ihrer inneren Berufung treu und ließ sich auch durch Ablehnung und Ausgrenzung nicht davon abbringen.“

Zuversicht in Zeiten der Kontaktbeschränkungen

Trotz aller leidhaften Erfahrungen und körperlichen Qualen habe sie andere Menschen nicht vergessen.  Sie zeigte eine tiefe Empathie und Solidarität mit anderen. „Gerade in unserer heutigen Corona-Zeit macht die Selige Mut, Isolation und Kontaktbeschränkungen durchzustehen und zu überwinden“, sagt Schilles.

Präsent ist die Selige in der Einrichtung in mehreren Bildern und Collagen. Bewohner malten unter anderem die biografischen Stationen von Anna Katharina Emmerick, wie ihre Herkunft, die Stigmata und ihr Leiden. Im Stil von Andy Warhol erstellte Hans Kötter eine Fotocollage mit einem Bild der Seligen.

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