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Der Kaffee heißt „Schwarzer Abt“

Pfarrei eröffnet Café mit Beratungsstelle im Duisburger Norden

  • Weil es keine Kirche mehr an den täglichen Wegen der Menschen gibt, öffnen Pfarrei und katholisches Sozialunternehmen neues Angebot im Zentrum des Stadtteils
  • Im neuen Zentrum "B 8 Lich" gibt es soziale Beratung in gemütlicher Atmosphäre.
  • Im Kirchencafé heißt der Kaffee „Schwarzer Abt“.

Am Marktplatz im Duisburger Stadtteil Aldenrade wird am 29. Oktober das neue Kirchencafé und Beratungsangebot „B 8 Lich“ eröffnet. Das Gemeinschaftsprojekt der Pfarrei St. Dionysius in Duisburg-Walsum und des katholischen Sozialunternehmens Heimstatt St. Barbara will mit dem Treffpunkt allen Menschen im Stadtbezirk mit einem Café nicht nur einen gemütlichen Treffpunkt anbieten, sondern auch umfangreiche Beratungs- und Informationsangebote sowie preiswerte Secondhand-Kleidung für Frauen und Kinder.

„Wir wollen näher bei den Menschen sein“, begründet Pfarrer Werner Knoor von der Walsumer Pfarrei bei einer Präsentation des Ladens an der belebten Geschäftsstraße das neue Angebot. Knoor sieht die Kirche herausgefordert, dort präsent zu sein, wo sich die Menschen aufhalten: „Kein Gotteshaus im Duisburger Norden liegt noch an den Laufwegen der Menschen. Jetzt machen wir ein Angebot an dem Platz, der für die Menschen im Stadtteil Aldenrade ideal liegt“, sagt der Seelsorger.

Eine Kirche wie ein Heizofen

Ein gemütlicher Treffpunkt soll das „B 8 Lich“ in Duisburg-Walsum werden. | Foto: Johannes Bernard
Ein gemütlicher Treffpunkt soll das „B 8 Lich“ in Duisburg-Walsum werden. | Foto: Johannes Bernard

Schon vor einigen Jahren hatte die Pfarrei zusammen mit der Heimstatt St. Barbara die Idee entwickelt, niedrigschwellige Beratungsangebote für arbeitssuchende Menschen, pflegende Angehörige, Alleinerziehende und Migranten zu schaffen. Als dann ein Ladenlokal an der Friedrich-Ebert-Straße 171 frei wurde, habe man zugegriffen und die Räume gemietet.

80 Namensvorschläge hatte es aus der Pfarrei für den Kirchenladen gegeben. Den Zuschlag erhielt schließlich die Bezeichnung „B 8 Lich“, ein Begriff, der "Beachtlich" gelesen werden soll. „Darin steckt das Wort Achtung. Wir wollen die Achtung für jeden Menschen, und wir möchten, dass jeder Mensch beachtet wird“, sagt Knoor und zitiert vor den anwesenden ehrenamtlichen Mitarbeitern und Unterstützern des Kirchenprojekts ein Wort des Theologen Karl Rahner. Er habe einmal gesagt, „dass die Kirche wie ein Heizofen sein müsse – nicht für die internen Kirchenräume bei den vielen Sitzungen, sondern für Orte, in den Menschen sich aufwärmen können“.

Groß: Kirche darf sich nicht zurückziehen

Sich sprichwörtlich aufwärmen sollen sich die Menschen in Walsum, wo 50.000 Menschen aus unterschiedlichen Nationen leben. Davon sind 15.000 Katholiken. „In Walsum sind wir eine gestalterische Größe unter vielen. Das klassische Gemeindeleben ist seit Jahren rückläufig, sodass es unsere Aufgabe ist, die Pfarrei für die Zukunft strukturell und pastoral neu auszurichten“, sagte Knoor.

Thomas Groß vom Vorstand der Heimstatt St. Barbara betonte, die schwindende Akzeptanz der Kirche dürfe nicht dazu führen, sich zurückzuziehen: „Der Skandal um den sexuellen Missbrauch und fehlende Kirchenreformen dürfen uns nicht entmutigen. Sich neu aufzustellen, heißt, andere Angebote zu machen“, sagte Groß. „'B 8 Lich' ist ein No-Profit-Projekt, das von Förderern aus dem Stadtbezirk unterstützt wird.“ Die Heimstatt St. Barbara stehe für eine lange Tradition sozialer Arbeit in Walsum.

Soziales Handeln hat Tradition in Walsum

Ute Springer ist Ansprechpartnerin des Kirchencafés.
Ute Springer ist Ansprechpartnerin des Kirchencafés. | Foto: Johannes Bernard

Gegründet wurde die Heimstatt 1953 auf Betreiben des damaligen Pfarrers Peter Bornefeld. Die Aufgabe des Vereins bestand seinerzeit darin, Jugendliche zu betreuen, zu erziehen und ihnen eine neue Heimat zu geben. Diese Jugendlichen wurden auf der Schachtanlage Walsum in verschiedenen Berufsfeldern ausgebildet. Später erweiterte die Heimstatt ihren satzungsgemäßen Auftrag und widmete sich in Erweiterung ihrer jugendpflegerischen Maßnahmen um die Menschen, die aufgrund von Alter und Behinderung einer Pflege und Betreuung bedürfen.

Das Kirchencafé wird montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet sein, an den Samstagen von 9 bis 13 Uhr. Ansprechpartnerin ist Ute Springer, die sich über ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freut. Originell und ganz im Sinn einer guten Kirchentradition wird die Getränke- und Speisekarte gestaltet sein: Denn wo sonst kann man sich einen „Schwarzen Abt“ (Kaffee), einen „Ludgerus“ (Mineralwasser), einen „Markus“ (Rotwein), einen „Pontifex“ (Grüner Tee), einen „Blasius Tribus“ (Assam Tee) oder eine „Maria“ (Flammkuchen) bestellen?

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