Austen: Diaspora in Deutschland breitet sich aus

Bonifatiuswerk-Chef: Seelsorge muss Ausgetretene stärker im Blick haben

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Für Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, muss laut Bonifatiuswerk-Chef Georg Austen mehr Seelsorge-Angebote geben. Dafür will sich das Diaspora-Hilfswerk 2024 intensiv einsetzen.

Mehr Seelsorge-Angebote für Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, wünscht sich der Generalsekretär des Bonifatiuswerks der deutschen Katholiken, Georg Austen. „Ich halte es in der Tat für fatal, dass wir als Kirche zwar jedes Jahr die Zahl der Kirchenaustritte veröffentlichen und bedauern – uns danach aber kaum fragen, ob und wie wir diese Menschen mit dem notwendigen Respekt für ihre getroffene Entscheidung sensibel ansprechen können“, sagte er am Wochenende dem Portal katholisch.de.

Dringend notwendig findet Austen überzeugende Angebote für Menschen, die offiziell die Kirche verlassen haben: „Wie kann man sie in ihrer Lebensbiografie begleiten? Wie können wir sie – zum Beispiel bei Taufen, Beerdigungen oder kulturellen Veranstaltungen – mit der Botschaft des Evangeliums in Berührung bringen und, wenn gewünscht, mit ihnen in einen ehrlichen Dialog treten?“

Bonifatiuswerk will intensive Debatte anstoßen

Das Bonifatiuswerk wolle sich 2024 gemeinsam mit Verantwortlichen aus den Bistümern intensiv diesem Thema widmen, kündigte Austen an. Denn auch Menschen, die nicht oder nicht mehr der Kirche angehören, seien oft weiter sehr interessiert an Sinn- und Wertefragen.

Das Bonifatiuswerk unterstützt Katholikinnen und Katholiken in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum, die in der Diaspora leben, also in einer extremen Minderheitensituation. Am Sonntag wurde die diesjährige Diaspora-Aktion des Hilfswerks in Berlin eröffnet unter dem Leitwort „Entdecke, wer dich stärkt“.

Auch in Köln und München sind Christen Minderheit

Längst seien nicht mehr nur der Norden und Osten Deutschlands Diasporaland, ergänzte der Chef des Hilfswerks: „Gucken Sie sich westdeutsche, ehemals stark katholisch geprägte Großstädte wie Köln oder München an – auch dort sind Christen zahlenmäßig längst in der Minderheit.“

Katholische und evangelische Kirche seien in Deutschland keine Volkskirche mehr, sondern eine „Kirche im Volk“, so Austen weiter: „Auch eine lebendige Minderheit kann der Mehrheit allerdings wertvolle Impulse und Orientierung für das gemeinschaftliche Zusammenleben geben.“

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