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So unterstützen Nordwalde, Rheine und Ahaus ihre Partnerschaftsprojekte

Der Adventsbasar fällt aus – wie Initiativen jetzt Spenden bekommen

  • Über Adventsbasare und Weihnachtsmärke erwirtschaften Freundeskreise den größten Teil ihrer Spenden für ihre jeweiligen Partnerschaften.
  • Nicht alle Freundeskreise sind von coronabedingten Ausfällen betroffen - Nordwalde setzt auf langfristige Planung.
  • In Rheine und Ahaus entwickeln die Vereine kreative Lösungen.
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Die Adventszeit steht vor der Tür. Für viele Kirchengemeinden, die über Freundeskreise und Fördervereine Kontakte und Projekte im Ausland pflegen, beginnt die heiße Phase der Spendenakquise. Über den Verkauf auf Adventsbasaren und Weihnachtsmärken kommt ein großer Teil an finanzieller Unterstützung für ihre jeweiligen Partnerschaften zusammen. Außerdem werden Kontakte gepflegt und Informationen über die Hilfsprojekte ausgetauscht.

Bedrückend ist nicht nur die Absage eines Adventsbasars, sondern der Ausfall von Kollekten oder Verkaufsständen nach den Gottesdiensten: „Die Umsätze aus unserem Weltladen sind eingebrochen“, fasst Annegret Schulte-Sutrum, Ansprechpartnerin des Partnerschaftsausschusses „Freundeskreises Ghana“ der Pfarrei St. Dionysius Nordwalde, die aktuelle Lage zusammen.

Sammlung bei der Silberhochzeit

Mit den Kontaktbeschränkungen verlagerte sich der Verkauf der fair gehandelten Waren, der sonst nach den Gottesdiensten stattfand, zum Teil in ihr familiengeführtes Elektro-Fachgeschäft: „Wir haben dann hier Masken, gefertigt aus afrikanischen Stoffen, verkauft.“ So kamen 1.000 Euro zusammen.

Annegret Schulte-Sutrum führt die weiterhin große Solidarität mit dem Freundeskreis auf das 20-jährige Bestehen zurück: „Wir sind relativ bekannt in Nordwalde und Umgebung.“ Als lebendige Partnerschaft mit regelmäßigen gegenseitigen Besuchen sei der Freundeskreis Ghana den Menschen vor Ort sehr präsent: „Wir haben auch das Glück gehabt in diesen Sommer, dass die Menschen gesagt haben: ,Uns geht es noch gut, unsere Kinder sind auch versorgt. Wir feiern Silberhochzeit, habt ihr ein Projekt, das wir unterstützen können?‘“

Gast aus Ghana

Echte Freundschaften ertragen auch Krisen wie Corona: Annegret Schulte-Sutrum vom Freundeskreis Ghana mit Lazarus Sheini (Mitte) und ein weiterer Freund bei einer Kanutour auf der Werse 2019. | Foto: privat
Annegret Schulte-Sutrum mit Lazarus Sheini (Mitte) und einem Freund bei einer Kanutour 2019. | Foto: privat

Da die Kollekte in der Kirche nicht in gewohnter Form stattfinden konnte, kreiste ein Körbchen bei der Gartenparty des Jubelpaares und brachte dem Freundeskreis 500 Euro für den Bildungsfonds der Partnergemeinde St. Annes in Damongo ein. Nur zwei von drei Kindern werden in Ghana eingeschult, weiß Annegret Schulte-Sutrum. Doch mit der Schule allein ist es nicht getan: „Für das praktische Lernen gibt es in dem Land kaum Strukturen.“

So nahm die Familie Schulte-Sutrum 2019 für vier Monate den 29-Jährigen Lazarus Sheini auf, der in ihrem Unternehmen Kenntnisse der Elektrotechnik erwerben konnte: „Die Idee ist, dass er in Ghana sein Wissen weitergibt. Lazarus hat unheimlich Spaß daran, Kenntnisse weiterzuvermitteln.“

Ein befreundeter Architekt wurde gefragt, ober er für den ghanaischen Hospitanten einen Plan für eine kleine Werkstatt entwerfen könne. Lazarus Sheini bekam außerdem Visitenkarten gedruckt und Arbeitskleidung geschenkt: „So kann er in Damongo in diesem Jahr seine eigene Werkstatt aufbauen, bei dem ihm andere über die Schulter schauen und lernen können“, beschreibt Annegret Schulte-Sutrum die Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Container mit Werkzeugen wird jetzt auf den Weg gebracht.

Viele helfende Hände in Rheine

Kürbisverkauf statt Adventsmarkt: Familie Prinzmeier und der Verein „Hilfe für Menschen in Uganda - Pfarrer John Kennedy Lubega“ aus Rheine haben aufgrund der Kontaktbeschränkungen Kürbisse und Marmeladen direkt vertrieben. | Foto. Verein „Hilfe für Menschen in Uganda - Pfarrer John Kennedy Lubega“
Der Verein „Hilfe für Menschen in Uganda“ aus Rheine hat wegen der Kontaktbeschränkungen Kürbisse und Marmeladen direkt vertrieben. | Foto: Verein.

In Rheine hat sich der Verein „Hilfe für Menschen in Uganda - Pfarrer John Kennedy Lubega“ vor sieben Jahren gegründet; er ist an die Kirchengemeinde St. Antonius angebunden und startet seinen Kürbisverkauf bereits traditionell im November. Eine Stärke des Vereins ist, „dass wir breit aufgestellt und in unterschiedlichen Projekten gut vernetzt sind. Die Arbeit des Vereins besteht nicht nur aus den großen Aktionen. Viele kleine Kontakte und Aktivitäten laufen im Hintergrund“, berichtet Vorsitzender Thomas Prinzmeier.

Einzelne Mitglieder schlagen verschiedene Fördermaßnahmen vor, wie zum Beispiel die Ausbildung von Krankenschwestern vor Ort, den Bau von Schulen oder Wasseraufbereitung. „21 ausgemusterte Tafeln der Stadt Rheine verschicken wir jetzt in Schulen in unseren Projekten.“

1.100 Masken genäht

Direkte Erlöse kämen durch hohen ehrenamtlichen Einsatz: Drei Frauen nähten 1.100 Schutzmasken und brachten dem Verein so 5.500 Euro. Außerdem verkauft der Verein Kinderbücher, die von den Autorinnen geschenkt wurden, und religiöse Bücher. „Die Messdiener in Oelde haben unseren traditionellen Kürbisverkauf unterstützt“, berichtet Prinzmeier. Die Kürbisse würden von einem Landwirt gespendet, Floristinen gestalten daraus ehrenamtlich mit gestiftenen Blumen Gestecke. Die Blumen dafür spendet eine Gärtnerei. 2.000 Euro kamen so zusammen.

Die Adventsbasare der anderen Gemeinden St. Antonius und St. Marien fallen zwar „in echt“ aus, aber wer Projekte in Südafrika oder in Äthiopien, Brasilien und Tansania unterstützen möchte, kann das über die Internetseite www.sankt-antonius-rheine.de tun. Die Initiatoren nehmen Bestellungen per Mail entgegen und liefern teils auch die Handarbeiten, Krippen oder selbstgemchten Marmeladen nach Hause.

Kleine Aktionen statt großem Basar in Ahaus

Konzentrierte Generalprobe für einen echten Auftritt per Livestream: Am 15.11. findet das Benefizkonzert der Bischöflichen Canisiusschule Ahaus für ihre Partnerschaft „Freundschaft mit Leme“ statt. | Foto: Bischöflichen Canisiusschule Ahaus
Konzentrierte Generalprobe für einen echten Auftritt per Livestream: Am 15. November findet das Benefizkonzert der Bischöflichen Canisiusschule Ahaus für ihre Partnerschaft „Freundschaft mit Leme“ statt. | Foto: Bischöflichen Canisiusschule Ahaus

Eine originelle Idee hatte die Bischöfliche Canisiusschule Ahaus für ihre Partnerschaft „Freundschaft mit Leme“. Knapp 8.000 Euro fehlen noch bis zum Spendenziel von 30 000 Euro für die Kindertagesstätte im brasilianischen Leme und andere Hilfsprojekte der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel. „Seit nun mehr 50 Jahren unterstützt die Canisiusschule Ahaus mit großartigen Spenden, viel Kreativität und Initiative der Eltern, Schülerinnen und Schüler und dem Kollegium die Partnerschaft auf dem alljährlichen Basar. Die Pandemie in Brasilien grassiert noch schlimmer als hier und stürzt viele Familien in die absolute Armut“, schreibt Bärbel Weiland, stellvertretende Schulleiterin.

Auf YouTube ist das Konzert am Sonntag, 15.11. 19.30 Uhr live zu verfolgen.

Viele kleine Aktionen bereits ab Oktober ersetzen den Ausfall des großen Basars. So startete bereits ein Internetauftritt mit Online-Shop. Von Schülern gebaute Insektenhotels und Futterstationen für Vögel werden für 22 Euro angeboten. „Das war im letzten Jahr auf dem Adventsbasar der Renner“, heißt es auf der Internetseite. Außerdem wird es am Sonntag ein Livekonzert per Stream aus der Landesmusikakademie NRW in Heek-Nienborg geben: Schüler und Eltern singen und spielen brasilianische und deutsche Musik.

Und was planen Sie?
Teilen Sie uns mit, welche Aktion Ihr Freundeskreis oder Ihre kirchliche Initiative statt eines Basars in der Adventszeit plant: redaktion@kirche-und-leben.de, Stichwort „Adventsaktion“.

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