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Gast-Kommentar von Martin Zumbült zur Austritts-Statistik 2020

Die Kirche schrumpft – logisch!

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Die Statistiken zu den Kirchenaustritten sprechen eine deutliche Sprache. Die dramatische Entwicklung, die sich auch 2021 fortsetzen wird, sei logisch, erklärt Martin Zumbült in seinem Gast-Kommentar. Er malt ein düsteres Bild für die Zukunft der Institution Kirche.

Die neuen Kirchenstatistiken für das Jahr 2020 sind dramatisch und zugleich harmlos im Blick auf das, was uns im kommenden Jahr erwartet, worauf uns jetzt schon einige Bischöfe und Pfarrer einstimmen. Diese Entwicklung ist auch logisch. Da helfen keine Krokodilstränen und auch kein Verweis auf „multifaktorielle Ursachen“.

Dabei bin ich mir sicher, dass die meisten, die jetzt austreten, das Glaubensbekenntnis als Basis aller Christen gläubig mitbeten könnten. Eine Religionsgemeinschaft aber, und hier vor allem die katholische Kirche, die sich aus „Glaubensgründen“ dem kleinsten (!) gemeinsamen Nenner unseres Zusammenlebens, nämlich der Allgemeinen Menschenrechtskonvention verweigert und unter Berufung auf die eigene kollektive Religionsausübungsfreiheit gesellschaftliche Mindeststandards nicht einhält, kann keine moralische Überlegenheit für sich beanspruchen. Sie hat zugleich ihre Relevanz in ansonsten relevanten Fragen verloren.

Fehlende Annahme von Gleichberechtigung

Der Autor
Martin Zumbült hat Theologie, Jura und Kirchenrecht studiert und ist seit 2013 Diözesanrichter am Bischöflichen Offizialat Münster sowie Ehebandverteidiger am Bischöflichen Offizialat Aachen. Zuvor war er sieben Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kanonisches Recht der Universität Münster.

Wenn Seelsorgende und Initiativen in unseren Gemeinden sich um Projekte für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, Flüchtlings- und Entwicklungshilfe mühen, helfen sie Menschen und retten zugleich die Glaubwürdigkeit ihrer Gemeinden.

Für das Große und Ganze reicht das nicht. Die auf dogmatischer Ebene fehlende Annahme von Gleichberechtigung, dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und auf psychische Unversehrtheit, sowie die Weigerung, trotz der jüngsten kirchlichen Strafrechtsreform strafrechtliche Mindeststandards in die eigene Rechtsordnung zu übernehmen und der Versuch, dies mit nicht weniger als dem Willen Gottes zu begründen, stellt sich für viele als Verweigerung des Diskurses von Glaube und Vernunft dar.

Viele geben Hoffnung auf Veränderung auf

Der immer noch nicht glaubhaft entkräftete Verdacht, dass straffällige Kleriker „von oben“ geschützt werden, schürt zudem Misstrauen und Zweifel. Die logische Konsequenz daraus: „Entweder ,die da oben‘ bewegen sich, oder ich.“ Und dann gehen sie.

Und weil sich in all diesen, seit über 50 Jahren theologisch umfassend durchdrungenen Fragen nichts getan hat, haben viele die Hoffnung auf Veränderung aufgegeben. Hinzu kommt die mangelnde Bereitschaft mancher Kirchenfürsten, sich auf kirchen-politisch vermintem Gelände auch politisch zu verhalten.

Das ist der endgültige Beweis für den institutionalisierten Fortbestand des Anti-Modernismus des 19. Jahrhunderts. So ist der Kirchenaustritt für viele schmerzhaft, aber logisch, weil sie vor sich, ihrer Vernunft und ihrem Gewissen bestehen können möchten.

Die Positionen der Gastkommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.

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