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Genn: Ich spreche allen Seelsorgenden mein volles Vertrauen aus

Diözesanrat Münster diskutiert Segnungsfeiern, Macht und Synodalen Weg

  • Der Diözesanrat des Bistums Münster erwartet vom Synodalen Weg konkrete Ergebnisse, die in den Gemeinden spürbare Veränderungen ermöglichen.
  • Bei der digitalen Sitzung des höchsten Beratungsgremiums des Bistums am Freitag betonte Bischof Genn, der Reformprozess sei auch der richtige Weg, um über eine Neubewertung von Homosexualität zu sprechen.
  • Genn betonte, er halte die Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare zwar für "nicht hilfreich", vertraue aber ganz auf die Seelsorgenden. Er werde nicht einschreiten und nicht sanktionieren.
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„Handhabbare Ergebnisse“ erwartet der Diözesanrat des Bistums Münster vom „Synodalen Weg“. Dabei sei es wichtig, Reformideen nicht vorschnell wegen geringer Chance auf weltkirchliche Durchsetzbarkeit abzulehnen. Vielmehr brauche es „in den Gemeinden spürbare Veränderungen“. Dafür seien klare Ergebnisse notwendig, die in einer Sprache kommuniziert werden müssten, „die nicht nur Theologen verstehen“.

Der Diözesanrat, das höchste Beratungsgremium von Bischof Felix Genn, beschäftigte sich bei seiner digitalen Sitzung am Freitag vor allem mit dem Thema „Macht und Gewaltenteilung“. Dazu gab der in Müns­ter lebende Theologieprofessor Thomas Söding einen Überblick über die Beratungen im Synodalen Weg. Söding ist Mitglied des dortigen „Forums I“, das sich mit der Frage nach dem Umgang mit Macht in der katholischen Kirche beschäftigt.

„Viel Nachdenklichkeit, gewisse Mutlosigkeit“

Nach einer Diskussion in mehreren Arbeitsgruppen berichteten die Delegierten des Diözesanrats von „viel Nachdenklichkeit“ und einer „gewisse Mutlosigkeit“ bei vielen Katholikinnen und Katholiken im Bistum. „Die Kirche geht oft an den Fragen der Menschen vorbei“, hieß es.
Gleichwohl gebe es inzwischen eine größere Sensibilität für Klerikalismus in den Gemeinden: „Wo Engagierte früher nicht wagten, dem Pfarrer zu widersprechen, ist heute deutlich mehr Meinungsvielfalt zu erleben.“

Notwendig sei eine größtmögliche Transparenz bei finanziellen, pastoralen und rechtlichen Entscheidungen. So brauche es beispielsweise Rechtssicherheit in der Frage, ob auch Laien in der Eucharis­tiefeier predigen dürfen. Wichtig sei zudem die Möglichkeit, etwa bei verwaltungsrechtlichen Fragen auch gegen Entscheidungen der Bistumsleitung vorgehen zu können.
Söding kündigte an, die Anregungen aus dem Diözesanrat in die Beratungen des Forums I beim Synodalen Weg einzubringen.

Genn: Homosexuelle Menschen gehören zu uns

Bischof Felix Genn äußerte sich zu Beginn der Sitzung auch zum Nein des Vatikans zu Segnungen homosexueller Paare. Er betonte erneut: „Homosexuelle Menschen gehören selbstverständlich zu uns.“ Die vatikanische Äußerung wie die massiven Reaktionen darauf zeigten, dass es einer Neubewertung von Homosexualität auf allen Ebenen bedürfe – sowohl weltkirchlich wie auf der Ebene der Bischofskonferenz.

Der für Deutschland sinnvolle Ort dafür sei der Synodale Weg. Klar sei, so Genn: „Roma locuta, causa finita – Rom hat entschieden, die Sache ist beendet – das geht so nicht mehr.“ Durch die „nicht gelungene“ Form der Kommunikation sei „aus einer Sachfrage eine Autoritätsfrage gemacht worden“.

Genn: Keine Sanktionen nach Segnungen

Die Segnungsgottesdienste, zu denen in diesen Tagen in vielen Kirchen auch im Bistum Münster eingeladen wird, sieht Genn gleichwohl kritisch. Er schließe sich der Äußerungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing an, der diese Feiern „als nicht sinnvoll“ bezeichnet hatte. Gottesdienste sollten nicht als Protest-Veranstaltung genutzt werden. Das werde überdies dem besonderen Wert und tiefen Sinn von Segnungen nicht gerecht.

Genn betonte gleichwohl: „Ich spreche den Priestern, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten im Bistum Münster mein volles Vertrauen aus, dass sie damit sensibel umgehen.“ Er werde daher nicht eingreifen, Seelsorgende hätten keine Sanktionen durch ihn zu befürchten. „Das habe ich bisher nicht getan, und das werde ich auch nicht tun.“

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