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Tagung über kirchliche Macht, Machtkontrolle und apostolische Autorität

Overbeck: Müssen spirituellen Charakter der Macht neu definieren

  • Bischof Franz-Josef Overbeck wirbt dafür, spirituelle Macht in der katholischen Kirche neu zu definieren.
  • Der Bochumer Pastoraltheologe Matthias Sellmann mahnt Kriterien, Standards und Verfahren von Machtkontrolle an.
  • Der Salzburger Fundamentaltheologe Gregor Maria Hoff meint: „Apostolische Autorität steht nicht fest, man muss sie aufs Spiel setzen.“
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Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck wirbt dafür, spirituelle Macht in der katholischen Kirche neu zu definieren. Dabei gehe es nicht nur um das Bischofsamt, sondern auch um das Priesteramt und die vielen normalen Vollzüge gemeindlichen Lebens, sagte er am Dienstag bei einer Online-Tagung der katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim an der Ruhr. Hinsichtlich geistlicher Macht müsse gefragt werden: „Wie erkennen wir eigentlich in all diesen Entwicklungen, in denen wir im normalen alltäglichen Leben Kirche sind, den Willen Gottes wieder?“

Die Kirche befinde sich in einer Situation, in der sie neu für die Plausibilität des Glaubens werben müsse, so der Ruhrbischof. Das hänge wesentlich damit zusammen, „eine neue Glaubwürdigkeit der Kirche und für die Kirche zu gewinnen“.

Sellmann: Kirche braucht Machtkontrolle

Die Kirche in Deutschland verantworte auch viele soziale Institutionen, erklärte Overbeck. „Die Form der Sozialmacht ist eine große Chance, weiterhin missionarisch wirken zu können - nicht so sehr nach innen, sondern nach außen.“ Kirche könne hier für die Gesellschaft „heilsnotwendig“ sein - als störende Erinnerung, „dass wir für die anderen da sind, und dass wir dafür einstehen können, dass das wesentlich mit Gott zu tun hat.“

Der Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, der Synodale Weg, müsse angesichts einer „potenziell missbrauchenden, erkrankten kirchlichen Machtordnung“ Kriterien, Standards und Verfahren von Machtkontrolle finden, sagte der Bochumer Pastoraltheologe Matthias Sellmann. Kirche müsse sich als Organisation verstehen. Erst dann könne Machtkontrolle erreicht werden.

Hoff: Apostolische Autorität braucht das bessere Argument

Die Entscheidung für den Synodalen Weg hat dem Salzburger Fundamentaltheologen Gregor Maria Hoff zufolge ein eigenes und neues Format kirchlicher Beratung ermöglicht. Der Reformprozess erlaube es, theologische Argumente zu entwickeln und zu prüfen. „Apostolische Autorität steht nicht fest, man muss sie aufs Spiel setzen“, so Hoff. Sie müsse durch das bessere und plausiblere Argument erwiesen werden.

Hoff warnte zugleich vor der „Immunisierungsgefahr einer kirchlichen Wahrheitsform“. Es sei Bischöfen und Päpsten in vergangenen Jahrzehnten nicht gelungen, das kirchliche Missbrauchsproblem angemessen zu analysieren und durchgreifend zu bearbeiten. Es brauche die synodale Auseinandersetzung, die nicht einfach an Mehrheitsverhältnissen hänge, sondern die „die Beteiligung im ganzen Volk Gottes sichert“.

Demel: Grundrecht auf Rechtsschutz wird verletzt

Die Einrichtung von kirchlichen Verwaltungsgerichten forderte die Regensburger Kirchenrechtlerin Sabine Demel. Angesichts der vielfach bestätigten Erfahrung, dass gerade Verwaltungsmaßnahmen den Hauptgrund für Machtmissbrauch in der Kirche darstellten, sei die „Untätigkeit der Kirchenleitung“ unverständlich. Das kirchenrechtlich zugesicherte Grundrecht auf Rechtsschutz werde so verletzt.

Seit Montag findet die von der „Wolfsburg“ organisierte Fachtagung „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung - Was ist in der katholischen Kirche möglich?“ statt. Die Veranstaltung ist als Tagung zum  Synodalen Weg konzipiert, in dem deutsche Bischöfe und Laienvertreter über die Zukunft der katholischen Kirche beraten. Ausgangspunkt ist eine jahrelange Kirchenkrise, die der Missbrauchs-Skandal verschärft hat. In der Debatte geht es vor allem um die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie um die Rolle der Frauen in der Kirche.

Update 14.45 Uhr: Aussagen Sellmann, Hoff, Demel

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