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Berater Strickling: Kriselnde Paare können ihren Beziehungsstress jetzt verstärkt wahrnehmen

Eheberatung in Cloppenburg und Vechta verzeichnet mehr Hilferufe

Kontaktbeschränkungen und Enge – dieser zusätzliche Corona-Stress kann auch die Lage von Paaren mit Problemen verschärfen. Das sagt Ulrich Strickling, Leiter der Eheberatung in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta.

Gerade für Paare mit Beziehungsproblemen bedeutet die Corona-Krise eine große Herausforderung. Darauf hat der Leiter der kirchlichen Eheberatung in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg, Ulrich Strickling, im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“ hingewiesen.

„Durch die mit Corona verbundenen Einschränkungen und dem daraus oftmals resultierenden Stress, kann sich die Paarsituation verschärfen“, so Strickling. Weil sie sich wie alle Menschen stärker als bisher um andere wichtige Dinge kümmern müssten: Job, Kinder, all das, was bis vor kurzem noch „einfach so“ mitlief. „Paare, die bereits Corona miteinander Stress hatten, können diesen Stress nun verstärkt wahrnehmen, mit all seinen anstrengenden Symptomen.“

Gute Kommunikation kann jetzt helfen

Wegen der Enge, in der manche derzeit leben müssen, sei Kommunikation besonders wichtig. „Paare, die in der Lage sind, ihre Konflikte miteinander zu besprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, haben im Augenblick einen großen Vorteil gegenüber denen, bei denen das schwierig ist. “

Auch die Eheberatungsstellen  sind durch die Krise herausgefordert. Einerseits spüren sie mehr Beratungsbedarf. „ Wir sehen das zum Beispiel an einer höheren Zahl an Hilferufen von Menschen, die dringend um ein Gespräch bitten", so der Eheberater. Auf der anderen Seite kann die Beratungsstelle Ihre Hilfe momentan nur eingeschränkt anbieten. Persönliche Gespräche im Besprechungsraum sind wegen der Ansteckungsgefahr nicht möglich.

Beratung fast nur noch per Telefon

Als einzige Ausnahme nennt der Leiter der Beratungsstelle: „Wenn es wirklich massive Notfälle gäbe, zum Beispiel, wenn jemand einen Suizid androht. In einem solchen Fall würden wir auch face-to-face-Kontakte anbieten.“ Zumindest als allererste Reaktion und unter Beachtung der Sicherheitsvorkehrungen.

Die Beratungsarbeit läuft derzeit fast komplett übers Telefon. „Es ist erstaunlich, wie intensiv auch Gespräche am Telefon sein können“, so Strickling. „Solche Gespräche gehen durchaus auch in die Tiefe.“ Dennoch könne das nur eine Übergangslösung sein.

„Am Telefon ist vieles möglich, aber eben nicht alles“, so der Leiter. Er schätze den unmittelbaren Kontakt, „um so zu sehen  und zu spüren, was sich gerade zwischen den beiden Partnern ereignet.“ Und zwar auch das, was nicht ausdrücklich gesagt wird.

Was Paaren jetzt helfen kann

„Was wir unseren Klienten als allererstes anbieten, ist ja nicht unser Fachwissen, sondern Beziehung“, erklärt Strickling. „Ausgehend davon versuchen wir gemeinsam mit den Paaren, ein Stück mehr zu verstehen, worum es in ihrem Konflikt geht und was sie tun können, um Ihre Ressourcen und Möglichkeiten zu entwickeln, um ihren Konflikt beilegen zu können.“

Und was hilft Paaren, die spüren, wie Corona ihre Beziehung belastet? „Wenn die Situation doch mal eskaliert ist, kann es nützlich sein, sich für eine Zeit lang aus dem Weg zu gehen, bis ein gutes, klärendes Gespräch wieder möglich ist.“ Bis dahin könnten sich beide Partner zum Beispiel fragen: Was ist jetzt wichtig für mich und meine Familie? Was brauche ich und was brauchen wir und wer sorgt dafür? Jemandem, der Probleme damit hat, seine Aggression unter Kontrolle zu halten, könne sich fragen: Was kann ich im Vorfeld tun, um nicht gleich wieder zu explodieren?

Tipp: Gemeinsam etwas unternehmen

Vielen Paaren helfe der Hinweis: „Machen Sie schöne Dinge, die möglich und erlaubt sind. Gehen Sie auch mal raus aus ihrem Haus oder ihrer möglicherweise kleinen Wohnung.“ Gemeinsam etwas zu unternehmen, Fahrrad zu fahren oder spazieren zu gehen, gemeinsam Schönes zu erleben, könne sehr entlastend sein. „Es kann dabei helfen, Dinge zu entzerren.“

Ulrich Strickling leitet die katholische Ehe- Familien- und Lebensberatung in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg. Mit 523 Beratungsfällen hatte das 12-köpfige Team im vergangenen Jahr zu tun.

Außer in Cloppenburg und Vechta gibt es dieses Angebot der Kirche in Brake, Delmenhorst und Wilhelmshaven. In der Stadt Oldenburg betreiben katholische und evangelische Kirche eine gemeinsame Beratungsstelle.

So kommen Sie in Kontakt zu Beratungsstellen im Bistum Münster
Eine Übersicht über die Beratungsstellen und Kontadaten sowohl im nordrhein-westfälischen wie auch im niedersächsischen Teil des Bistum Münster finden Sie hier.

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