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Caritas-Experte fordert Finanzhilfen auf allen Ebenen

Energiekrise erreicht soziale Einrichtungen – drohen Schließungen?

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Ludger Schulten ist im Fachbereich Soziale Arbeit des Caritasverbandes im Bistum Münster zuständig für rechtliche Betreuung und die Wohnungslosenhilfe. Die finanzielle Situation der sozialen Einrichtungen in der Energiekrise muss schnell gelöst werden, sagt er im Interview mit „Kirche-und-Leben.de“. Sonst drohe ein „worst case“.

Wie dramatisch ist die Situation im Bistum?

In der Beratung tauchen die Themen immer zeitversetzt auf. Wenn jetzt also die Preiserhöhungen kommen, versuchen die Menschen erst, irgendwie über die Runden zu kommen. Das kann ein paar Monate so gehen, bis vielleicht die ersten Rückstände oder die Jahresabrechnung kommen. Erst wenn es gar nicht mehr geht, laufen die Leute in den Beratungsstellen auf.

Wie sieht es in den Einrichtungen aus?

Da sieht es ähnlich aus. Die Energiekosten werden diskutiert. Die Situation ist aber noch nicht so weit, dass es Pläne gibt, Angebote einzuschränken. Dabei geht es natürlich auch um die Verträge, die mit den Energie-Anbietern abgeschlossen wurden – wenn es langfristige Absprachen gibt, schlägt das Thema automatisch erst mit Verzögerung auf.

Welche Folgen hätte ein Einstellen dieser Angebote?

Ludger Schulten vom Caritasverband im Bistum Münster.
Ludger Schulten vom Caritasverband im Bistum Münster fordert in der Energiekrise Eile bei der Klärung der Finanzen von sozialen Einrichtungen. | Foto: pd

Unsere Einrichtungen sind für die soziale Infrastruktur unerlässlich. Das hat sich auch in der Corona-Pandemie gezeigt: Dort, wo staatliche Einrichtungen einfach die Türen geschlossen haben, waren wir die letzten Stellen, wo Menschen in Not hingehen konnten. Wir haben oft dafür gesorgt, dass Sozialleistungen überhaupt noch möglich waren, obwohl die Ämter zu waren. Dieser wichtige Einsatz wird in der Energiekrise sicher nicht geringer werden.

Und das geht nicht bei fünf Grad Celsius?

Es kann nicht sein, dass die Menschen, die zu uns kommen, weil sie daheim frieren, auch bei uns in die Kälte kommen. Wir schauen natürlich auf Einsparpotentiale, die Angebote müssen aber bleiben. Und dazu braucht es eben auch warme Beratungs- und Büroräume, Treibstoff für die ambulanten Dienste und beheizte Wärmestuben, Sozialkaufhäuser, Einrichtungen und Wohnungslosen-Unterkünfte.

Was genau müssen die Einrichtungen jetzt tun?

Das Problem muss öffentlich gemacht werden. Es muss ein Bewusstsein entstehen, dass die sozialen Einrichtungen von den Kostensteigerungen genauso betroffen sind wie alle andere gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche auch. Und dass in den sehr unterschiedlichen Refinanzierungssystemen an vielen Schrauben gedreht werden muss, um die Situation zu retten. Da muss eine Bereitschaft von allen Beteiligten vorhanden sein, Mehrkosten zu übernehmen – auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene genauso wie beim Landschaftsverband, bei der Bezirksregierung, bei Stiftungen und beim Bistum. Auf all das müssen wir jetzt hinarbeiten, damit der ‚worst case‘ am Ende nicht eintritt. Wir brauchen sofort bindende Entscheidungen.

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