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OSZE-Berater Georg Albers spricht am 12. April in Münster

Experte zur Ukraine: „Dialog mit vorgehaltener Waffe funktioniert nicht“

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Von 2016 bis 2019 hat Georg Albers aus Münster für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ukraine gearbeitet und zwischen den Konfliktparteien vor allem in der Ostukraine vermittelt. In diesen Tagen kommt Albers nach Münster, um in der Katholischen Hochschule über Auswege aus dem Krieg zu referieren. Im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“ erläutert der Osteuropa-Experte Hintergründe des Kriegs und Chancen einer möglichen Friedensordnung.

Herr Albers, der Angriff Russlands auf die Ukraine erschüttert die Welt. Was empfinden Sie angesichts zunehmender Eskalationen der Kriegshandlungen?

Das ist schwer zu beschreiben. Ich habe noch viele Freunde und Kollegen dort, einige sind geflohen. Die Kollegen der OSZE sind mittlerweile alle evakuiert. Ich hatte in meiner Zeit dort so viele Kontakte zu Menschen, die vom Krieg betroffen sind und waren – der Krieg in der Ost-Ukraine dauert ja seit 2014 an –, dass es mir schwerfällt, das ganze Drama und die Katastrophe für sie zu begreifen. Ich wäre am liebsten wieder dort in meiner alten Einsatzstelle und wäre froh, wenn ich meinen Beitrag für Frieden und Sicherheit leisten könnte.

Sie haben als OSZE-Mitarbeiter die Konflikte in der Ostukraine erlebt. Warum ist ein friedliches Zusammenleben von Russen und Ukrainern dort gescheitert?

Das müsste eigentlich gar nicht scheitern. Es gibt keine ethnischen oder sozialen Unterschiede, die einen so stark eskalierten Konflikt rechtfertigen würden. Die Menschen sind in die Mühlen der Geopolitik geraten. Allerdings sind eskalationsfördernde Umstände auch in Demokratie-Defiziten und in nicht genutzten Chancen der Konfliktregelung zu sehen, ohne dass dies natürlich als Rechtfertigung für einen Krieg herangezogen werden könnte.

Woran sind diplomatische Bemühungen um ein Ende des Krieges bisher gescheitert?

In der aktuellen Situation natürlich ausschließlich am mangelnden politischen Willen Russlands. Dort ist die klare Schuld für die augenblickliche Situation zu suchen. Insgesamt gesehen haben aber auch der Westen und die Nato über die letzten Jahre keine ausschließlich positive Rolle bei der Konfliktregelung gespielt.

Auf welche Wende im Konflikt hoffen Sie?

Ich kann nur hoffen, dass die Logik des Kreml nicht aufgeht und dass die Einsicht für ein Kriegsende dort möglichst schnell erfolgt. Der Krieg und die Folgen werden uns aber noch Jahre und Jahrzehnte beschäftigen.

Wie könnte eine Friedensordnung aussehen?

Vorausgesetzt, die herrschenden Kräfte im Kreml verlieren ihren Einfluss, dann hilft einzig die Einsicht bei allen Konfliktparteien, dass nur kooperative Sicherheit eine stabile Ordnung hervorbringt. Der Westen muss seinen Teil dazu beitragen. Die Mentalität, dass wir den Kalten Krieg gewonnen haben und alle anderen nun bitte das westliche Lebensmodell übernehmen sollen, wird keine Sicherheit bringen. Das reicht weit über den aktuellen Krieg hinaus und betrifft auch unsere Rolle in anderen Teilen der Welt. Langfristig wird es nur mithilfe von Dialog funktionieren. Das heißt aber, dass es auf allen Seiten Lernbereitschaft geben muss. Dialog mit vorgehaltener Waffe funktioniert nicht, auch nicht mit dem Lautsprecher. Es muss die Bereitschaft geben, vom anderen zu lernen.

Tagung in der „Katho“ in Münster
„Krieg in der Ukraine – Gibt es einen Ausweg aus Konflikt und Konfrontation?“ – zu diesem Thema veranstaltet die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (Katho) an der Piusallee 89 in Münster am 12. April von 18 bis 20 Uhr einen Gesprächsabend mit Georg Albers. Er will versuchen, die jüngste Eskalation mithilfe der Friedens- und Konfliktforschung einzuordnen. Dabei spielen auch weitere Konflikte im postsowjetischen Raum wie etwa in Georgien eine Rolle.

Georg Albers ist Professor an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Münster. Zurzeit ist er beurlaubt und arbeitet als Political Advisor für die EU-Beobachtermission in Georgien. Von 2016 bis 2019 war er für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) als Dialogue Facilitation Officer in der Ukraine im Einsatz. Der Gesprächsabend ist in Präsenz im Hörsaal und kann auch online unter https://t1p.de/forum-adp verfolgt werden.

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