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Maike Stichling und Rosa Kirchmaier leben für ein Jahr im Borromaeum in Münster

Frauen weihen? So denken zwei Bewohnerinnen des Priesterseminars

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Maike Stichling lebt während eines Orientierungsjahrs im Bischöflichen Priesterseminar in Münster, Rosa Kirchmaier absolviert dort ein Sprachenjahr. Beide haben sich Gedanken über Frauen als Diakoninnen und Priesterinnen gemacht.

Es gibt eine Zeit im Leben, da stellt sich die Frage nach der beruflichen Zukunft konkret. Spätestens in den Jahren vor dem Schulabschluss sind junge Menschen quasi dazu gezwungen. So machte sich auch Maike Stichling Gedanken zu ihrem Ausbildungsweg, als sie vor einigen Jahren in die Oberstufe eines Gymnasiums in Neubeckum kam. Eine Perspektive in der Seelsorge stand dabei durchaus auf der Liste.

„Ich habe mich im Raum der Kirche immer wohlgefühlt“, erinnert sie sich an ihre Beweggründe. Messdienerin war sie, sang im Chor, war in Gottesdienstvorbereitungsgruppen. „Ich kann Menschen mit großer Offenheit begegnen.“ Ohne Vorurteile, hilfsbereit, begeisterungsfähig für andere – das waren Eigenschaften, die sie bei sich entdeckte. „Eigenschaften, die sehr gut zum Beruf einer Seelsorgerin passen.“

 

Ein ärgerlicher Punkt

 

Aber sie stieß bei ihrer Auseinandersetzung mit diesem Berufswunsch an einen „ärgerlichen Punkt“, wie die 18-Jährige sagt. „Mein Weg wäre von Beginn an eingeschränkt gewesen, ich hätte nicht die Schritte machen können, die ein Mann machen kann.“

Es war ein Gefühl, das bei ihr eine weitere Auseinandersetzung blockierte. „Ich fand und finde es einfach enttäuschend, wenn so gedacht wird, wenn theologische oder traditionelle Gründe wichtiger sein sollen als die Ideen und Fähigkeiten eines Menschen.“

 

Frauen - die ersten Zeuginnen der Auferstehung

 

Maike Stichling
Maike Stichling. | Foto: Michael Bönte

Sie hatte sich damit schon einmal intensiv auseinandergesetzt. In einem Referat im Religionsunterricht beleuchtete sie die Rolle der Frau in der Kirche. „Sehr kritisch“, sagt Stichling. „Ich habe viele Gründe gefunden, die gegen einen Ausschluss von Frauen vom Priesterberuf sprechen.“

Die Vermutung, Frauennamen in der Bibel seien im Zuge der Übersetzungen „vermännlicht“ worden, zählt sie dazu. Oder Momente, in denen Frauen in der biblischen Überlieferung eine zentrale Rolle spielen: „Waren es nicht sie, die das leere Grab als erste sahen und damit die Botschaft von der Auferstehung erlebten.“

 

Berufswunsch verändert

 

Sie stellte fest, dass ihr etwas fehlen würde, wenn sie als Seelsorgerin nicht auch die Eucharistie feiern und Sakramente spenden könnte. „Weil das noch einmal besondere Momente der Nähe sind, intensive Augenblicke für Christen.“

Damit war der Gedanke an ein Theologie-Studium und eine Seelsorge-Ausbildung schon recht früh für sie beendet. Ihr Interesse geht nun mehr in Richtung Psychologie und Sozialpädagogik.

 

WG im Priesterseminar

 

„Auch da kann ich meine Berufung finden“, sagt Stichling. „Berufen sein kann man in jeder Lebenssituation.“ Ein Gefühl, dass sich derzeit bei ihr festigt. Sie macht ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Pfarrgemeinde, ist dort im sozial-karitativen Bereich im Einsatz.

Im Priesterseminar in Münster lebt sie in dieser Zeit in einer Wohngemeinschaft. Mit zwei jungen Männern und einer weiteren Frau nimmt sie dort am „Orientierungsjahr“ teil. Und erlebt im Zusammenleben mit Studenten und Priesteramtskandidaten vor allem eins: „Dass der Begriff Berufung hier sehr offen ausgelegt wird, nicht eingeengt auf das priesterliche Amt.“

 

Wertschätzende Diskussionen im Priesterseminar

 

Kirchmaier
Rosa Kirchmaier absolviert im münsterschen Priesterseminar ein Sprachenjahr. | Foto: privat

Ähnliches erlebt Rosa Kirchmaier, die im münsterschen Seminar ein Sprachenjahr absolviert. Die 19-Jährige nimmt eine große Vielfalt in der Diskussion um Frauen in Weiheämtern wahr, auch unter den Seminaristen. „Da gibt es sowohl konservative als auch liberale Standpunkte, die wertschätzend diskutiert werden.“ Sie findet eine solche Auseinandersetzung wichtig, obwohl sie nie selbst das Ziel hatte, Diakonin oder Priesterin zu werden.

„Für mich persönlich ist die Einschränkung also kein Weltuntergang, aber ich empfinde es trotzdem als ungerecht.“ Bei allen Argumenten, die gegen Weiheämter für Frauen aufgebracht werden – sie seien kein ausreichend Grund dafür, einen Teil der Gläubigen, für die dieser Schritt enorm viel bedeutet, auszugrenzen. „Wer sich zu etwas berufen fühlt, sollte diesem Ruf auch folgen dürfen.“

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