Themenwoche "Ferienlager auf Ameland in Gefahr?" (4)

Gruppengefühl und Inselbrise – das macht die Faszination Ameland aus

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Ameland, das bedeutet Sonnenschein, eine steife Brise und Urlaubsfeeling, aber auch harte Matratzen und einfache Verhältnisse in den Unterkünften. „Kirche-und-Leben.de“ hat sich mit dem Ferienlager der KJG St. Quirinus Neukirchen-Vluyn auf Spurensuche begeben, was die Faszination des Eilands ausmacht.

Donnerstagmorgen, neun Uhr, der erste Tag der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen: Betreuer Finn Banysch und Lagerleiter Kris Stasik sind vom Niederrhein auf dem Weg zur holländischen Ferieninsel Ameland. Bereits einen Tag vor den Kindern fahren sie auf die Insel, um das Lager für 65 Teilnehmende vorzubereiten. Mit ihnen sind an diesem Tag weitere Betreuer in einem LKW und das Küchenteam unterwegs.

„Die Insulaner freuen sich auf die Ferienfreizeiten“, blickt Stasik voller Vorfreude auf die Zeit auf Ameland. Aber seit einigen Jahren gebe es Veränderungen. So bemerkt er, dass immer wieder Höfe für Ferienfreizeiten geschlossen worden sind. Laut Lagerbetreiber-Vereinigung allein neun während der Corona-Pandemie.

Kinder lernen neue Stärken von sich kennen

Ferienfreizeiten auf Ameland haben in den Pfarreien im Bistum Münster einen hohen Stellenwert. Aus keiner anderen deutschen Diözese fahren so viele Kinder auf die holländische Insel. Häufig sind die zwei Wochen der Höhepunkt ihrer Sommerferien. Das erste Mal ohne Eltern im Ausland, neue Freundschaften und das Lernen in einem Team zu arbeiten: Wer schon einmal auf einer Ferienfreizeit dabei war, erzählt meist sein ganzes Leben von den vielen Abenteuern. Aber haben Ferienfreizeiten auf Ameland eine Zukunft? Eine Fahrt nach Ameland mit den Betreuern der Freizeit KJG St. Quirinus Neukirchen-Vluyn.

Es seien die Erlebnisse in den Lagern, die die Kindheit und Jugend vieler junger Menschen prägen, meint Stasik. Und häufig würden die Kinder und Betreuer viel in den zwei Wochen dazulernen. „Es ist nicht so, dass das hier einfach nur eine günstige Kinderbetreuung ist“, sagt Stasik. Kinder lernten in den Lagern ganz neue Stärken von sich kennen. So erzählt Stasik von Kindern, die anfangs schüchtern seien und sich mit der Zeit immer mehr einbringen würden. „Das ist so enorm wichtig.“

Schon zur Mittagszeit sind die zwei mit Verstärkung des Küchen- und weiterer Betreuerteams auf der Insel. Sofort geht es an den Aufbau auf dem Hof. Kühlschränke müssen ausgeladen, eine Jurte aufgebaut werden.

Kulinarische Highlights auf der Kreuzfahrt

In den letzten Wochen haben die Betreuer viel vorbereitet. 2023 dreht sich alles um eine ganz besondere Kreuzfahrt. Mit einem Traumschiff wollen die jungen Seefahrer von der Küste Amelands in See stechen und Länder wie Japan, Mexiko oder Amerika entdecken.

Bevor die Kreuzfahrt starten kann, müssen aber erst die Kinder auf Ameland ankommen. Während die 65 Kinder und ihre restlichen Betreuer die Insel erreichen, steckt das Lager in den letzten Vorbereitungen. Auf einer Empore im Saal ist ein Lenker angebracht, mit dem später Lagerkapitän Stasik das Kreuzfahrtschiff durch die nächsten zwei Wochen steuern wird.

Küchenchef Rüdiger Stasik hat die meisten Speisen vorgekocht und probiert. Denn die jungen Seefahrer, die nicht älter als 14 Jahre sind, sind echte Feinschmecker. „Wenn’s nicht schmeckt, teilen die Kinder das unverhohlen mit.“

Wenig Ambiente auf harten Matratzen – na und?


Sorgt mit seinem Team für das leibliche Wohl: Küchenchef Rüdiger Stasik.

Im Haus befinden sich auch die Schlafsäle des Lagers. In kahlen Räumen stehen jeweils mehrere Hochbetten mit einem einfachen Schrank. Mehr brauche es nicht, sind sich die Betreuer einig. Denn hinter dem Haus befindet sich eine große Wiese mit einem Fußballfeld und einer großen Jurte, in der Aktionen stattfinden.

Wenige Tage später ist der Lageralltag eingekehrt auf Hof „Zonnebloem“. Dass sich die Atmosphäre auf der Insel verändert hat, merken die Betreuer in einer Gesprächsrunde: „Achtung Nachbarn!“ steht unter anderem an einer Tafel mit Tagesordnungspunkten. Eine Betreuerin berichtet von einer Begegnung mit den Anwohnern. Die Betreuer sollen darauf achten, dass die Kinder nicht direkt am Zaun zum Nachbargrundstück sitzen, weil es zu laut sei.

Ärger mit den Nachbarn


Kris Stasik (links) begrüßt die Teilnehmer im Matrosenoutfit.

Unter einigen Beteuern macht sich Unverständnis breit. Ein Betreuer meint, dass es keinen Sinn mache, dass sich die Nachbarn beschwerten. „Die wussten doch vorher, dass sie hier neben einem Lager wohnen.“ Trotz Unverständnisses beschließen die Betreuer für das gesamte Lager, künftig von der Grundstücksgrenze etwas Abstand zu nehmen.

Vor den jungen Kreuzfahrern stehen noch mehr als eine Woche Ferienfreizeit. Dabei werden die Kinder noch eine Menge erleben und auch für sich selbst viel dazulernen – das macht Ameland eben aus.