Ehrenamt in Ferienfreizeiten (1) - aus Ahlen-Vorhelm

Neu-Koch Simon Middrup weiß: Küchen-Klassiker helfen bei Heimweh

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Was wären die beliebten Ferienfreizeiten für Kinder ohne die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer? Auch in diesen Wochen schlagen sie sich wieder Nächte um die Ohren, verbringen unzählige Stunden mit Telefonieren und Organisieren, rühren in überdimensionalen Kochtöpfen, trösten bei Heimweh und kleben Pflaster. Stellvertretend stellen wir in dieser Woche Engagierte vor. Heute: Simon Middrup, der Koch in der Ferienfreizeit der Pfarrgemeinde St. Pankratius Ahlen-Vorhelm ist.

Er spricht von einer „Ehrensache“, wenn Simon Middrup über seine Aufgabe erzählt. Es muss aber auch einen besonderen Antrieb geben, wenn der Fachverkäufer für Fenster und Türen in den Sommerferien zwei Wochen seines Jahresurlaubs opfert, um in kargen Mehrbettzimmern zu schlafen, in einer einfachen Lagerküche zu kochen und den Dauertrubel von über 100 Kindern und Jugendlichen auszuhalten. „Es wird wieder wundervoll“, sagt der 23-Jährige dazu. „Ich möchte es um nichts in der Welt verpassen.“

Als Kind schon im Ameland-Ferienlager dabei

Dass es für ihn auch eine Frage der Ehre ist, im Küchenteam des Ameland-Ferienlagers der Pfarrgemeinde St. Pankratius in Ahlen-Vorhelm zu arbeiten, begründet er in seiner eigenen „Lager-Geschichte“. Er kann sich noch gut daran erinnern, als er als kleiner Junge selbst auf der Pritsche bei den Kochfrauen lag. „Die Party nebenan war im vollen Gange, mir aber war schlecht, ich bekam einen Tee und konnte mein Heimweh loswerden.“ Das Küchenteam der älteren Damen konnte nämlich nicht nur leckeres Essen zaubern. „Sie konnten auch wunderbar trösten – am nächsten Tag war alles wieder gut.“

Für Middrup besteht kein Zweifel, dass in der Küche das Herz einer jeden Ferienfreizeit schlägt. Er spricht aus langer Erfahrung: „Seit meinem neunten Lebensjahr fahre ich in die Lager auf Ameland.“ Zuerst als Teilnehmer, dann im Leitungsteam und seit dem vergangenen Jahr als Koch. Die Begeisterung für die Insel und die Lager-Gemeinschaft wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. „Mein Vater war dabei, als das Projekt vor 40 Jahren startete.“

Voller Einsatz trotz beschränkter Kochkünste

Er weiß also, was es für ein Schulkind bedeutet, wenn es schon lange vor den großen Ferien dem Ameland-Urlaub entgegenfiebert. „Entscheidend für mich war nie der erste Ferientag, sondern der Abreisetag zur Nordsee.“ Dann veränderte sich für zwei Wochen seine kindliche Welt. „Spiele, Gemeinschaft, das Meer, die Insel…“, Middrup hört nicht auf, wenn er gefragt wird, woher die Begeisterung kam.

So ein Projekt darf nicht enden – das ist für ihn gesetzt. Denn die Nachfrage ist geblieben, steigt nach der Corona-Pause wieder. Und dafür muss ein großes Team bereitstehen. Da der langjährige Küchenchef im vergangenen Jahr seinen letzten Einsatz hatte, wurde kurzfristig nach Ersatz gesucht. Middrup musste nicht lange überlegen. „Auch wenn sich meine Kochkünste bislang eher auf zwei Portionen für meine Freundin und mich beschränkten.“ Im vergangenen Jahr wurde er angelernt, in diesem Jahr wird er mit zwei anderen ehemaligen Betreuern alles selbst stemmen müssen.

Klassiker stehen auf dem Speiseplan

„Das ist schon eine ordentliche Herausforderung“, sagt er. Und meint die Arbeit, die schon vor Ostern begonnen hat. Der Speiseplan musste erstellt und mit der Lagerleitung besprochen werden. Der Stellenwert dieser Planung ist ihm bewusst. „Wenn das Essen nicht passt, ist die Stimmung im Lager dahin.“ Deshalb werden sie auch dieses Jahr vor allem auf Klassiker zurückgreifen, die in einer gelben Kladde seit Beginn der Fahrten auf losen, teils vergilbten Zetteln gesammelt wurden.

Chili con Carne wird es geben, Nudeln Bolognese, Reibeplätzchen mit Apfelmus… Und „Reis mit Scheiß“, sagt Middrup und lacht. „Reis mit Tomatensauce, meist am Anreisetag, weil es schnell geht – das hat mein Vater schon gegessen.“ Ein Gericht hat er in diesem Jahr gegen den Widerstand seiner Mitstreiter durchgeboxt: Kartoffeln, Fischstäbchen und Spinat. „Das wollte keiner machen, weil die Fischstäbchen so schwierig zu braten sind.“ Ihm aber ist das Gericht ans Herz gewachsen, seitdem er das erste Mal in seinem Leben Spinat gegessen hat. Natürlich auf Ameland – der Hunger trieb es damals rein, obwohl er eigentlich kein „Grünzeug“ mochte. „Seitdem liebe ich es.“

Kinder kennen beim Essen kein Pardon

Es nun selbst zu kochen, ist aber eine andere Nummer. Sein Respekt ist zu hören, wenn er vorausschaut: „Das sind riesige Töpfe, Pfannen und Löffel.“ Und die Zutaten für die Gerichte muss er oft nach Gefühl dosieren. In der gelben Kladde steht manchmal nur „eine Prise“. „Was aber ist eine Prise bei diesen Mengen?“ Im vergangenen Jahr hat er erfahren, dass er schnell eine Rückmeldung bekommt, wenn er das falsch eingeschätzt hat. „Da kennen die Kinder kein Pardon, wenn es mal zu wenig gesalzen ist.“

Er weiß aber auch, dass es eine Sache gibt, die viel wichtiger ist als die exakte Gewürz-Menge, sagt Middrup. „Auch bei uns in der Küche gibt es warmen Tee oder ein Kühli, wenn mal was schiefgelaufen ist.“ Da will er ganz in der Tradition der Kochfrauen weitermachen.

Belohnung gibt es genug

Ob er dafür belohnt wird? „Jeden Tag, wenn wir mit den Kindern und den anderen Betreuern spielen, feiern und lachen.“ Und wenn er noch viele Wochen nach dem Ferienlager auf der Straße in Ahlen-Vorhelm von Lager-Kindern wiedererkannt und gefeiert wird.