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Indischer Priester verlässt nach 15 Jahren das Bistum Münster

Bierkönig in Laer - für Pastor Jojo George auch in Indien unvergesslich

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Nach 15 Jahren als Priester in Deutschland verlässt Pastor Jojo George Anfang Januar 2022 seine Gemeinde in Herten und kehrt in sein Heimatland Indien zurück. „Kirche-und-Leben.de“ hat mit ihm über seine Zeit im Münsterland und im nördlichen Ruhrgebiet gesprochen, über kulturelle Unterschiede und darüber, warum für ihn ein Schützenfest unvergessen bleibt.

Viele gute Wünsche begleiten Pastor Jojo George auf seine Rückkehr in seine Heimat Indien. Verabschieden und vermissen werden ihn viele Menschen in Herten, wo er zuletzt tätig gewesen ist.

Am Kirchort St. Mariä Heimsuchung im Stadtteil Langenbochum, wo er im Pfarrhaus lebt, hat sich eine Gruppe von Senioren, die die Grünflächen rund um die Kirche ehrenamtlich in Ordnung hält, spontan zu einem Abschiedsfoto zusammengestellt. Übereinstimmend erklären sie: „Pastor Jojo wird uns fehlen.“

Priestermangel in Deutschland

„Es waren schöne Jahre im Bistum Münster. Im Münsterland und im Ruhrgebiet ist meine zweite Heimat“, sagt George. Verabschiedet wird er von der Pfarrei St. Martinus in Herten mit einem Gottesdienst am 2. Januar 2022 um 9.30 Uhr in der Kirche St. Mariä Heimsuchung.

Der 51-Jährige wurde 1996 im südindischen Bundesstaat Kerala zum Priester geweiht und hat dort drei Jahre als Kaplan und sechs Jahre als Pfarrer gearbeitet. 2006 kam er ins Bistum Münster. „In dieser Zeit suchte Diözese Priester, um in allen Gemeinden die Teilnahme an heiligen Messen zu ermöglichen“, erläutert George.

Erlernen der deutschen Sprache

Eine Senioren-Gruppe aus Herten-Langenbochum nimmt Pastor Jojo George für ein Erinnerungsfoto in die Mitte. | Foto: Johannes Bernard
Eine Senioren-Gruppe aus Herten-Langenbochum nimmt Pastor Jojo George für ein Erinnerungsfoto in die Mitte. | Foto: Johannes Bernard

Ein Verwandter von ihm wirkte bereits als Priester im Bistum Aachen, sodass Deutschland nicht ganz unbekannt war. Nach einem viermonatigen Einführungskurs in die deutsche Sprache auf der Loburg in Ostbevern absolvierte er 2007/2008 ein Praktikum in der Pfarrei St. Nikomedes in Steinfurt-Borghorst.

Danach begann er seinen Dienst als Kaplan in der Gemeinde Heilige Brüder Ewaldi in Laer. Bischof Felix Genn ernannte ihn 2010 zum Vicarius Cooperator mit dem Titel „Pfarrer“ in der Gemeinde in Laer. 2014 wechselte er in die Hertener St.-Martinus-Pfarrei.

Unterstützung im Seelsorgeteam

„Ohne zu übertreiben, darf ich sagen, dass ich nur netten und freundlichen Menschen begegnet bin“, sagt der Seelsorger und dankt für die Rücksichtnahme, wenn es mit der deutschen Aussprache und der Grammatik haperte. „Tatsächlich braucht es sogar einige Jahre, um Gesprächen folgen zu können.“ Daher sei Unterstützung nötig, wenn es mit den Priestern der Weltkirche klappen soll. Viel geholfen hätten ihm die Pfarrer Heinrich Wernsmann, Martin Peters, Johannes Gospos und Norbert Urbic, die ihn in Steinfurt, Laer und Herten begleitet haben, und der frühere Personalchef des Bistums Münster, Pfarrer Hans-Bernd Köppen. Sie alle hätten dazu beigetragen, dass er in Deutschland heimisch werden konnte.

„Im Bistum Münster gibt es viele indische Priester, die hier für eine befristete Zeit aushelfen. Wir haben untereinander Kontakt. Auch das erleichterte mein Ankommen“, sagt Pastor Jojo George. Ihm seien Familienbesuche immer wichtig gewesen: „Ich freue mich, dass ich Priester bin. Diese Freude möchte ich mit anderen teilen. Wir dürfen uns freuen, zu einer christlichen Gemeinde zu gehören.“

Indien: Wenige Reiche, viele Arme

Die Unterschiede zwischen Deutschland und Indien bringt er so auf den Punkt: „In Indien gibt es einige sehr reiche Menschen und viele sehr arme. In Deutschland ist vieles ausgeglichener. Die sozialen Unterschiede sind nicht so groß.“

Um die Not in seinem Heimatbistum zu lindern, habe er 40 Prozent seines Gehalts für soziale Projekte abgegeben. „Ich persönlich brauche nicht viel. Wer die Armut in Indien kennt, weiß, warum ich das tue.“

Deutschland: Vogel abgeschossen

Gefragt nach schönen Erlebnissen, fällt dem Priester sofort ein Schützenfest in Laer im Juni 2009 ein - und er zeigt eine alte Tageszeitung: Unter dem Titel „Kaplan schießt den Vogel ab“ heißt es dort: „Ein grüner Bürgermeister, der beim Schießen nicht ins Schwarze trifft, und ein indischer Kaplan, der nach dem fünften Schuss den Vogel von der Stange holt. So ein Vogelschießen wie am Samstag hatten die Laerer vorher noch nicht gesehen. Allerdings wurde auch mit unlauteren Mitteln gearbeitet.“

Noch heute muss Jojo George über das Fest lachen: „Ja, ich war Schützenkönig in Laer. Aber nur für kurze Zeit. Ich konnte mich mit 50 Litern Bier freikaufen. So wurde ich dann ein Bierkönig. Es war ein tolles Fest. Ich als Priester konnte ja nicht Schützenkönig werden.“ Was es mit den „unlauteren Mitteln“ auf sich hatte, bleibt ein Laerer Geheimnis.

Pastor Jojo George hofft, dass Kontakte nach seiner Heimkehr bleiben. „Ich freue mich über Besuche. Und ich selbst hoffe, dass ich das Bistum Münster einmal besuchen kann.“

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