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Interview mit ehemaligem Kölner Personalchef und heutigem Hamburger Erzbischofs Stefan Heße

„Im Erzbistum Köln wurden Missbrauchsakten regelmäßig vernichtet“

  • Im Kölner Geheimarchiv wurden Akten gelagert, die der normalen Personalakte entzogen wurden, um den Persönlichkeitsschutz zu wahren, erklärte Heße: „Es war all das, was nicht vorkommen sollte.“
  • Es habe den „Ritus“ gegeben, die Akten nach zehn Jahren durchzuschauen und zu vernichten.
  • In seiner Zeit als Personalchef des Erzbistums Köln habe er diese Praxis gestoppt.

Im Erzbistum Köln sind nach Angaben des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße Akten mit Hinweisen zu Missbrauchsfällen in einem Geheimarchiv gelagert und regelmäßig vernichtet worden. In seiner Zeit als Personalchef der rheinischen Diözese habe er diese Praxis dann gestoppt, sagte er im Interview der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“ (Donnerstag).

Im Geheimarchiv würden eigentlich Akten gelagert, die der normalen Personalakte entzogen werden sollen, um den Persönlichkeitsschutz zu wahren, erklärte Heße. Auf Nachfrage räumte er ein: „Es war natürlich auch Herrschaftswissen. Und es waren die delikaten Fälle: Es war all das, was nicht vorkommen sollte.“ Es habe den „Ritus“ gegeben, die Akten nach zehn Jahren durchzuschauen und zu vernichten. „Ich habe das einmal erlebt und mir zunächst wenig dabei gedacht.“ Als sich ein Missbrauchsopfer bei ihm meldete, habe er den Fall nicht mehr in den Akten finden können. „Ich habe dann sofort klar gehabt: Solche Akten müssen erhalten bleiben“, sagte Heße.

Heße: Fälle wurden aufgenommen und „so ganz grob“ geprüft

Mittlerweile arbeite eine eigene Fachgruppe an den Standards zur Aktenpflege in allen deutschen Diözesen. Dies sei eine Konsequenz der 2018 veröffentlichten Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe. Im Erzbistum Hamburg, dem Heße seit 2015 als Erzbischof vorsteht, würden keine Akten vernichtet, versicherte er.

Missbrauchsfälle waren laut Heße auch schon 2006, als er Personalchef im Erzbistum Köln wurde, Chefsache. Mit Prälat Norbert Trippen (1936-2017) habe es einen Ansprechpartner für Betroffene gegeben, der Fälle aufgenommen und „so ganz grob“ geprüft habe. Heße habe dann auf dieser Grundlage zusammen mit der Justiziarin Akteneinsicht genommen und Gespräche mit Betroffenen und Beschuldigten geführt. Bei nächster Gelegenheit habe er Kardinal Joachim Meisner (1933-2017) und dem Generalvikar berichtet: „Ich habe jeden Fall Kardinal Meisner direkt dargelegt.“

Heße wollte immer klarmachen, „dass wir da ein Problem haben“

Meisner habe er dabei als jemanden erlebt, der sehr genau zuhört: „Jeder Fall lag anders, es waren schwierige Entscheidungen und da konnte man auch unterschiedlicher Meinung sein.“ Am Ende sei es immer „im Miteinander“ gelaufen. Seine Haltung sei immer gewesen, „das Thema hinein ins Bistum zu tragen und klarzumachen, dass wir da ein Problem haben“, so Heße. Allerdings habe das nicht jeder hören wollen.

Die katholischen Bistümer Hamburg, Osnabrück und Hildesheim wollen eine gemeinsame Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs einsetzen. Darauf habe er sich in Beratungen mit seinen norddeutschen Amtskollegen geeinigt, erklärte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße im Interview mit „Christ & Welt“ (Donnerstag). Demnach soll das Gremium seine Arbeit zum Jahreswechsel aufnehmen.

Vorgesehen seien sieben Mitglieder, von denen weniger als die Hälfte für die Kirche arbeiten oder einem kirchlichen Gremium angehören sollen. Zudem solle es einen eigenen Rat mit Betroffenen geben. Heße erklärte: „Ich halte es insbesondere im Sinne der Betroffenen für sehr wichtig, dass diese Kommissionen jetzt zügig in allen deutschen Bistümern eingesetzt werden.“

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