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Er verantwortete eine umstrittene Broschüre in seiner Zeit in Köln

Missbrauch: Erzbischof Heße räumt unzureichende Information ein

  • Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat eingeräumt, in seiner Zeit als Generalvikar im Erzbistum Köln unzureichend über Missbrauchsfälle informiert zu haben.
  • Eine 2012 herausgegebene und von ihm verantwortete Broschüre hätte er besser überarbeiten lassen müssen, sagt er.
  • Die Broschüre nennt nur geringe Täterzahlen - und wurde in Heßes Amtszeit nicht aktualisiert, aber weiterhin verwendet.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat eingeräumt, in seiner Zeit als Generalvikar im Erzbistum Köln unzureichend über Missbrauchsfälle informiert zu haben. Eine 2012 herausgegebene und von ihm verantwortete Broschüre hätte er besser überarbeiten lassen müssen, sagte Heße der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“.

Das Informationsheft „Zu Vorfällen von sexuellem Missbrauch“ war erstmals Ende März 2010 in allen Kölner Kirchen verteilt worden. Darin berichtet das Erzbistum von nur fünf beschuldigten Priestern in seinem Verantwortungsbereich. Eine 2018 von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichte Studie zählt hingegen 87 beschuldigte Geistliche im Erzbistum Köln im Zeitraum von 1946 bis 2014.

Broschüre nach 2013 unverändert im Internet

Die Broschüre sei im Auftrag des damaligen Erzbischofs Joachim Meisner und des Generalvikars und heutigen Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp erschienen, sagte ein Sprecher des Erzbistums Köln zu „Christ & Welt“. Heße, von dem ein Interview in der Broschüre veröffentlicht ist, war 2010 noch Personalchef in Köln und in dieser Funktion mit Missbrauchsfällen betraut.

Nach seiner Ernennung zum Generalvikar 2012 wurde die Broschüre fast unverändert erneut herausgegeben und 2013 ohne Änderung auf die Internetseite des Erzbistums hochgeladen, wo sie bis zum 14. Oktober 2020 abrufbar war.

„Versäumnis, dass nicht alle damals bekannten Fälle aufgeführt sind“

„Die Broschüre ist aus heutiger Sicht ein erster, aber misslungener Versuch, mit dem Thema Missbrauch umzugehen“, so Heße. „Es ist sicher ein Versäumnis, dass nicht alle damals bekannten Fälle aufgeführt worden sind.“

Mit der Broschüre sei die Absicht verbunden gewesen, eine breite Öffentlichkeit möglichst rasch auf das Thema des Missbrauchs aufmerksam zu machen. Bei der Erstellung sei „ganz offensichtlich nicht das vorhandene Wissen abgerufen worden“.

„Nicht stellvertretend für die Bemühungen im Erzbistum Köln“

Die Publikation dürfe nicht stellvertretend für die gesamten Bemühungen des Erzbistums gewertet werden, dem komplexen Thema Missbrauch gerecht zu werden. Die Pressestelle habe dazu immer wieder aktiv Zahlen veröffentlicht.

Heße hatte zuletzt Vorwürfe zurückgewiesen, wonach er in seiner Zeit im Erzbistum Köln Missbrauchsfälle vertuscht haben soll. Er ist seit 2015 Erzbischof in Hamburg.

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