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Untersuchung sollte bereits im März präsentiert werden

„Maria 2.0“: Woelki soll Kölner Missbrauchs-Studie sofort veröffentlichen

  • Die bisher unveröffentlichte Missbrauchs-Studie im Erzbistum Köln soll sofort publik werden, fordern „Maria 2.0“ und der Katholische Deutsche Frauenbund.
  • Kirchenrechtler Thomas Schüller aus Münster sieht das genauso - auch wenn es nach Veröffentlichung zu Rechtsstreitigkeiten kommen könnte.
  • Derweil wurde bekannt, dass Erzbischof Woelki zurücktreten würde, falls die Studie ihm nachweist, an Vertuschungen beteiligt gewesen zu sein

Die Initiative „Maria 2.0 Rheinland“ und der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) verlangen die sofortige Veröffentlichung der von Kardinal Rainer Maria Woelki in Auftrag gegebenen Studie über sexuellen Missbrauch im Erzbistum Köln. Sie werfen dem Erzbischof vor, aus Angst vor der Wahrheit die Präsentation zu verzögern. In den Internet-Netzwerken Instagram und Facebook starteten beide Organisationen eine Kampagne unter den Hashtags #rausmitderakte, #übernehmtverantwortung, #nichtinmeinemnamen und #nichtmeinekirche.

Woelki hatte 2019 die Münchner Anwaltskanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ beauftragt, den Umgang im Erzbistum mit Missbrauchsfällen zu untersuchen. Die für März 2020 angesetzte Präsentation wurde kurzfristig abgesagt. Die Nennung ehemaliger oder aktiver Entscheidungsträger sei noch rechtlich abzusichern, hieß es.

Erzbistum: Wir wollen veröffentlichen

Ende September teilte das Erzbistum mit, die Studie weiterhin veröffentlichen und Verantwortliche für Fehler nennen zu wollen. Allerdings habe zur rechtlichen Absicherung das „methodische Vorgehen“ erweitert werden müssen. Das sei mit erheblichem Aufwand verbunden. „Aus diesem Grund verzögert sich die Publikation noch immer“, sagte Generalvikar Markus Hofmann.

Vor wenigen Tagen hatte bereits der Kirchenrechtler Thomas Schüller von der Universität Münster eine rasche Veröffentlichung der Studie gefordert. Vor allem die Opfer sexualisierter Gewalt hätten ein Recht zu erfahren, welche Verantwortungsträger wie mit Missbrauchs-Anzeigen umgegangen sind, sagte Schüller der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf.

Thomas Schüller: Veröffentlichen, auch wenn Rechtsstreitigkeiten folgen

Eine Veröffentlichung müsse erfolgen, „auch auf die Gefahr hin, dass die tatsächlichen oder vorgeschobenen persönlichkeitsrechtlichen Aspekte bei der Nennung von lebenden Verantwortlichen, die in den Berichten genannt werden, weitere Rechtsstreitigkeiten nach sich ziehen können“.

Schüller kritisierte, Entscheidungsträger würden zu viel von „Mitverantwortung“ und persönlichem „Betroffensein“ sprechen, aber kaum von eigener Verantwortung und Schuld: „Geschweige denn, dass man eine persönliche Antwort auf diese nicht wahrgenommene Verantwortung gibt.“

Kardinal Woelki: Ich würde zurücktreten

Derweil wurde bekannt, dass Erzbischof Woelki zurücktreten würde, falls die Studie ihm nachweist, an Vertuschungen beteiligt gewesen zu sein. Das Erzbistum bestätigte einen Bericht des „Kölner Stadtanzeigers“, wonach der Kardinal dies im November 2018 vor dem Diözesanpastoralrat gesagt habe.

Die Zeitung zitiert einen Sitzungsteilnehmer. Demnach habe der Erzbischof „in seiner ihm manchmal eigenen lockeren Weise“ ausgeführt, es könnten keine Rücksichten genommen werden. Wenn man ihm eine Beteiligung an Vertuschung nachweisen könne, müsse „das Domkapitel eben neu wählen“. Das Erzbistum bestätigte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) nicht den Wortlaut der Äußerung, aber den Inhalt.

Heutiger Erzbischof saß schon früher in Personalkonferenz

Woelki gehörte als Weihbischof von 2003 bis 2011 der Personalkonferenz des Erzbistums an. Zur Wahrung der Unabhängigkeit der Kölner Studie soll auch der Kardinal von den Ergebnissen nichts vorab erfahren.

Medienberichten zufolge richten sich Vertuschungsvorwürfe bisher unter anderem gegen den früheren Personalchef und späteren Kölner Generalvikar, den heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Dieser weist Anschuldigungen zurück und verlangt, dass die Studie nur zusammen mit einer Darstellung seiner Sicht veröffentlicht werden darf.

Vorwürfe bisher unter anderem gegen Stefan Heße

Zudem weist Heße darauf hin, er habe jeden Fall dem damaligen Erzbischof Joachim Meisner vorgelegt. Jeder in der Personalkonferenz habe Meisner seinen Rat geben können. Das Erzbistum Köln betonte nun, Weihbischöfe trügen keine Verantwortung für die Personalführung und den Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt.

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