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Gast-Kommentar von Klaus Nelißen

Kirche zu Pfingsten: Wann rummst es endlich wieder?

An Pfingsten feiert die Kirche einen feurigen Rumms. Eigentlich. Doch durch die Corona-Quarantäne wirkt sie doch eher rumpelig, meint Klaus Nelißen, stellvertretender Leiter des Katholischen Rundfunkreferats beim WDR in seinem Gast-Kommentar.

An Pfingsten feiert die Kirche einen feurigen Rumms. Eigentlich. Doch durch die Corona-Quarantäne wirkt sie doch eher rumpelig, meint Klaus Nelißen, Journalist, Pastoralreferent und stellvertretender Leiter des Katholischen Rundfunkreferats beim WDR in seinem Gast-Kommentar.

Klaus Nelißen ist stellvertretender Rundfunkbeauftragter der NRW-Bistümer beim WDR. Darüber hinaus wirkte der Pastoralreferent des Bistums Münster und ausgebildete Journalist bis Frühjahr 2019 für die katholischen ARD-Beauftragten bei „funk“, dem Online-Medienangebot für Jugendliche und junge Erwachsene.

Ach wäre das doch so einfach wie in der Bibel. Quarantäne – aber nur neun Tage und dann das große Wunder mit feurigem Rumms! Pfingsten ist ja das Fest, an dem es ordentlich rummst – im übertragenen Sinne. Die Geschichte mit den Feuerzungen und plötzlicher Sprachbegabung von Fischermännern, die ist so gut, die kann man sich ja fast nicht ausdenken. Und dass die Jünger zuvor verhuscht für neun Tage in ihrem Obergemach hocken, das macht die Inspiration des Pfingstwunders ja nur noch spektakulärer und auch das, was daraus hervorgegangen ist: die Kirche. An ihrem Geburtstag – als der wird Pfingsten gemeinhin gesehen – könnte es die Kirche also eigentlich mal so richtig krachen lassen. Viel Rumms eben. 

Aber diese Zeiten sind wohl eher zu rumpelig, als dass ein Rumms angebracht wäre an diesem Pfingsten. Ziemlich verhuscht ist die Kirche zurückgekehrt aus der Corona-Quarantäne. Eher wie ein 2000 Jahre alter Risikopatient. Und das liegt sicher an den Umständen: Denn wie soll der Funke überspringen mit verordnetem Sicherheitsabstand? Und möglichst ohne Gesang? Am Anfang der Krise träumte ich noch von einem kraftvollen Gottesdienst zum Ende des Lockdowns, mit viel Rumms und „Halleluja“, wie es die Kirche ja kann, wenn sie in Form ist. Die liturgische Gestalt, die sich mir gerade bietet, erinnert mich dagegen in Teilen eher an ein Methadonprogramm als an eine inspirierte und inspirierende Gemeinschaft.

Die Kirche ist ziemlich verbeult

Am Anfang der Krise hat ein ansonsten ziemlich flapsiger Moderator einen Satz gesagt, der sich mir eingebrannt hat: „In dieser Krise zeigt sich nicht, wer du sein willst, sondern wer du bist.“ Vielleicht passt er auch auf die Kirche. Denn ehrlich gesagt: Seit Jahren schon rumpelt sie sich so durch. Einen richtigen Rumms habe ich auch zuvor nicht erlebt.

Dass die Kirche derzeit in dieser Krise nicht kraftvoller auftritt, liegt also auch daran, dass Kraft fehlt. Die Kirche ist ziemlich verbeult. Und ich bin mir nicht sicher, ob Papst Franziskus sich eine auf diese Art verbeulte Kirche wünschte, als er vor Jahren davon sprach. Vielleicht hocken wir einfach schon zu lange im Obergemach – länger gar, als die Corona-Krise dauert. Und vielleicht ist es der erste Schritt, sich das einzugestehen. Und der zweite, darüber nicht in Depression zu verfallen wie Jona unterm Rizinusstrauch.

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Und der kommt nicht aus einem selbst, sondern von außen – wenn man ihn reinlässt. Vielleicht braucht es jetzt umso mehr Beherztheit, die Fenster weiter zu öffnen, damit frischer Wind überhaupt reinkommt. „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2 Tim 1,7).

Hinweis
Die Positionen der Gast-Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider. 

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