Kommentar von Markus Nolte zur Schöpfungs-Enzyklika von Papst Franziskus

Fünf Jahre „Laudato si“: Die Erde bräuchte ein Durchatmen

Zu Pfingsten 2015 hat Papst Franziskus seine Schöpfungs-Enzyklika „Laudato si“ veröffentlicht. Schon damals fand sie ein großes, zumeist begeistertes Echo. Fünf Jahre später hat der Corona-Lockdown viel verändert. Die Botschaft des Papstes kann eine Chance für einen ökologischen Neustart sein, meint Chefredakteur Markus Nolte in seinem Kommentar.

Giftig gelb bis brackig braun zeigten Satellitenbilder im Januar, wie wir Menschen Tag für Tag unsere Atemluft verseuchen. Im Februar dann waren die fiesen Flecken auf den NASA-Fotos über China vollständig verschwunden. Zwischen den Aufnahmen lagen der Corona-Ausbruch und der Produktionsstopp großer Industriezweige. Der Verkehr wurde eingestellt, Fabriken wurden geschlossen, der Stickstoffdioxid-Ausstoß ging deutlich zurück.

Verrückt, dass die Bekämpfung eines Virus, das beim einzelnen Menschen tödliche Schädigungen der Atemorgane auslösen kann, offenbar auch zu einer globalen Verbesserung der Luftqualität führt. Weniger Verkehr auf der Straße und in der Luft: ein kollektives Auf- und Durchatmen für die Schöpfung. Auf einmal geht das, muss das gehen, was vor dem Kampf gegen Corona zur Bekämpfung des Klimawandels als naive Träumerei jugendlicher Spinner abgetan wurde.

Eine echte Pfingst-Botschaft

Keine Frage: die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns sind gewaltig. Das zeigt allerdings umso  deutlicher die permanente Zerbrechlichkeit und Gefährlichkeit unseres Lebensstils: „Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann.“ An Pfingsten 2015, vor genau fünf Jahren, wurde dieser Satz veröffentlicht. Er stammt aus der Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus.

Seine Kritik gilt einer atemlosen Dominanz der Wirtschaft, besonders der Finanzwirtschaft gegenüber der Politik. Er sieht das globale Gleichgewicht sozialer Gerechtigkeit massivst von Macht- und Marktinteressen gestört. Er wirbt für eine ganzheitliche Ökologie des Alltagslebens, einen neuen Dialog von Politik und Wirtschaft im Dienst des Lebens, für eine ökologische Umkehr und einen neuen Lebensstil von Kontemplation, Genügsamkeit und „gelassener Aufmerksamkeit“.

Ein großes Durch- und Aufatmen! Wer an Pfingsten glaubt, ­schmeckt in diesem Wehen den belebenden Atem des Schöpfergottes: „Sende aus deinen Geist, und das Angesicht der Erde wird neu.“