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Pfarreien in Gescher und Reken mieten neue Fünf-Gruppen-Einrichtungen

Kirchengemeinden errichten neue Kitas - mit Investoren

Kindergartenplätze werden gebraucht, die alte Kita ist baufällig, und die Kirchenkassen werden knapper. Was tun? In Borken ist die Zentralrendantur auf die Idee gekommen,Investoren zu suchen, die neue Tageseinrichtungen bauen. Mit Erfolg

Im Rekener Ortsteil Maria Veen und in Gescher werden schon bald mit Rahmen eines Investorenmodells neue fünfgruppige Tageseinrichtungen für Kinder entstehen. „Die letzten Verhandlungen werden in diesen Tagen geführt. Der Baubeginn kann hoffentlich bald beginnen“, sagt Thomas Vestrick.

Der Mitarbeiter der Zentralrendantur im Dekanat Borken hat in den vergangenen Monaten viele Gespräche nicht nur mit dem Kreisjugendamt, den Bürgermeistern in Gescher und Reken, den Kämmerern, den Kirchenvorständen und mit Mitarbeitern der Bistumsverwaltung gesprochen, sondern auch Verhandlungen mit möglichen Investoren geführt. „Es kommt nicht alle Tage vor, dass Investoren Kindertageseinrichtungen bauen und diese dann an die Pfarreien als Träger der Einrichtungen vermieten“, sagt Vestrick.

Eine Kita kostet bis zu drei Millionen Euro

In Absprachen mit den Pfarrern Hendrick Wenning aus Gescher und Thomas Hatwig aus Reken sowie den Kirchenvorständen hatte Vestrick in der Region die Suche nach Investoren in die Wege geleitet. Gemeldet hatten sich Bauunternehmer, im Baugewerbe tätige Investorengruppen und Privatpersonen, die nach einer Rendite auf dem Kapitalmarkt Ausschau halten oder einfach mit dem Ort und der Kirche verbunden sind und mit ihrem Kapital eine umfängliche Kinderbetreuung gewährleisten möchten.

„Die Motivation der Interessenten ist unterschiedlich. Rechnen, wie das Geld eingesetzt wird, müssen aber alle“, sagt Vestrick. Der Bau einer Kindertageseinrichtung kostet zwischen zwei und drei Millionen Euro. Die Raumgrößen und Qualitätsstandards sind fest vorgeschrieben. „Die Investoren wissen, was von ihnen erwartet wird und welche Erfordernisse der Bau hat“, sagt der Mitarbeiter der Zentralrendantur. Welche Konditionen der Investor mit den Baufirmen und Handwerksbetrieben aushandelt, sei allein seine Sache. „Dort entscheidet sich, wie hoch die Baukosten tatsächlich sein werden.“

Der Investor erhält eine vertraglich festgelegte Miete für 30 Jahre. Die Konditionen orientieren sich nach den Vorgaben des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) in Nordrhein-Westfalen. Nach 30 Jahren fallen das Erbbaugrundstück und das Gebäude an die Pfarrei.

Grünes Licht vom Bistum Münster

„Die Kirchengemeinden sind verlässliche Vertragspartner. Das wissen auch die Investoren“, meint Vestrick und ergänzt, dass das Investorenmodell für alle Seiten Vorteile hat – für die Eltern, für die eine Kinderbetreuung vorhanden ist, für die Kommunen und den Kreis Borken, die gesetzliche Vorgaben einhalten müssen und den Bedarf nach Kita-Plätzen ermitteln, und für die Pfarreien, deren finanzielles Risiko so überschaubarer wird.

Nachdem das Bistum Münster grünes Licht gegeben hat und der Jugendhilfeausschuss des Kreises die Trägerschaft für die zwei zusätzlichen Kita-Gruppen den Pfarreien übertragen hat, stehen jetzt die letzten Unterschriften mit den Investoren an. Wenn alles rund läuft, sollen die beiden neuen Fünf-Gruppen-Kindergärten im zweiten Halbjahr 2021 bezogen werden.

Platz für rund 100 Kinder

In Gescher entsteht der Neubau an der Riete. Aufgegeben wird der Standort an der Twente. 100 Kinder werden den neuen St.-Marien-Kindergarten besuchen können. Der Altbau an der Twente kann so lange genutzt werden, bis der Neubau an der Riete bezugsfertig ist. Die Tageseinrichtung existiert seit 1961 und wurde seitdem mehrmals baulich für die Betreuung der Kinder angepasst. Der Zustand des Gebäudes ist, wie es im Fachjargon heißt, „abgängig“. Derzeit werden dort 65 Kinder mit und ohne Behinderung im Alter von zwei bis sechs Jahren betreut. Den neuen Kindergarten werden rund 100 Kinder besuchen können.

Auch in Maria Veen freuen sich die Beteiligten auf den Neubau. „Der Bedarf an Kita-Plätzen ist da“, sagt Beate Ehrlichmann, dortige Leiterin der Kindertageseinrichtung St. Marien. Schon jetzt seien die räumlichen Kapazitäten ausgereizt. Ab dem Kindergartenjahr 2020/2021 werde als Übergangslösung eine vierte Gruppe in der Kita geschaffen. „Somit besuchen ab jetzt 82 Kinder im Alter von einem Jahr bis zum Schuleintritt den Kindergarten“, sagt Ehrlichmann.

Noch ist die Idee eine Ausnahme

Während der Übergangszeit wird die vierte Gruppe in einer großzügigen Turnhalle mit angrenzendem Nebenraum im Untergeschoss der Kita untergebracht. Der Standort für den Neubau wird in diesen Tagen bekannt gegeben. Wie die Pfarrei das etwa 50 Jahre alte Kita-Gebäude später nutzen wird, darüber werden die kirchlichen Gremien noch sprechen.

Ob das Investorenmodell auf weitere Kindertageseinrichtungen angewendet werden kann, vermag Vestrick nicht zu sagen. „Das so genannte Mietmodell ist noch eine Ausnahme.“ Derzeit begleite die Zentralrendantur im Dekanat Borken 31 Tageseinrichtungen für Kinder. Sie seien im Eigentum der Kirchengemeinden. „In den letzten Jahren haben wir fast alle Kitas renoviert und erweitert. Irgendwann sind in einigen Orten die räumlichen Kapazitäten dann doch begrenzt. Die Nachfrage nach Kita-Plätzen ist halt da.“

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