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Kommentar von Chefredakteur Markus Nolte zu Folgen des Münsteraner Missbrauchs-Gutachtens

Kirchenreformen: Verdächtige Stille oder Ruhe vor dem Sturm?

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Nichts dagegen, wenn es in der Sommerzeit auch in der Kirche mal etwas entspannter zugeht. Doch wenn sogar Experten befürchten, dass sich nach Münsteraner Missbrauchs-Gutachten und Reformdruck immer noch nichts tut, ist das ein Alarmsignal, meint Chefredakteur Markus Nolte in seinem Kommentar. Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

Ruhe und Nichtstun mögen in Urlaubszeiten wichtig sein, um sich von den Anstrengungen der vergangenen Wochen zu erholen und „wieder beizukommen“, wie wir das in Westfalen so lebensweise nennen. Ruhe und Nichtstun sind aber völlig fehl am Platz, wenn es um die Kirche hierzulande geht, die sich durch systematisches Verschweigen von Unrecht, schamhaftes Schweigen über Verbrechen und vertuschendes Aussitzen schuldig gemacht hat.  

Umso alarmierender, wenn genau dieser Vorwurf aus berufenen Mündern erhoben wird. Thomas Großbölting, der Leiter der Missbrauchsstudie für das Bistum Münster, und sogar Peter Frings, Interventionsbeauftragter der Diözese, ist es einen Monat nach Veröffentlichung des Gutachtens eindeutig zu ruhig, tut sich zu wenig. Großbölting resümiert frus­triert: „Noch kann ich nicht erkennen, dass unsere Studie jemanden wachgerüttelt hat.“ Keine Spur von „grundlegendem Aufbruch“. Und Frings pflichtet ihm dieser Tage in der Katholischen Akademie Stapelfeld bei: „Ja, auch ich glaube, dass es noch zu ruhig ist.“

Kein Anspruch auf Pause

Nun kann man sicherlich mit einer gewissen Berechtigung fragen, was sich vier Wochen nach der Veröffentlichung des Gutachtens schon grundlegend hätte ändern können – über die ambitionierten und klaren Ankündigungen von Konsequenzen durch Bischof Felix Genn hinaus.

Die Kirche hat angesichts von Missbrauchs-Aufklärung und Reformdruck jedenfalls selbstverständlich keinen Anspruch auf Pause, schon gar nicht auf Erholung, wenn damit eine Rückkehr zu vermeintlich besseren, weil ruhigeren Zeiten gemeint ist. Von daher ist es wichtig, wenn eine womöglich auch der Urlaubszeit geschuldete „Stille im Skandal“ mit seismologischer Sensibilität als mögliches Anzeichen für erneutes stoisches Nichtstun diagnostiziert wird.

Flaute im Krisenwirbel?

Vielleicht ist es aber auch ganz anders, und die derzeitige Flaute im Krisenwirbel entpuppt sich als Ruhe vor dem Sturm. Keine zwei Monate mehr und die nächste, entscheidende Synodalversammlung beginnt.

Dann heiße Luft als Wehen des Geistes zu verkaufen, wird definitiv nicht gelingen.

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