___STEADY_PAYWALL___

Führend trotz Diaspora: St. Bernhard-Hospital Brake behauptet sich gegen Konkurrenz

Kleines katholisches Krankenhaus setzt sich gegen Privatklinik durch

  • Zwei Krankenhäuser konkurrieren um den Vorrang im Landkreis Wesermarsch.
  • Das St. Bernhard-Hospital, ein kleines katholisches Krankenhaus in der Diaspora, hat sich jetzt gegen ein kommerzielles Krankenhaus durchgesetzt.
  • Der Grund liegt in einem besonderen kirchlichen Profil, glaubt Pfarrer Gregor Stratmann aus der Pfarrei St. Marien
Anzeige

Das St.-Bernhard-Hospital Brake, ein kleines katholisches Krankenhaus mit 103 Betten in der Wesermarsch. In der Nachbarstadt Nordenham die Helios-Klinik, Filiale eines Krankenhauskonzerns, der deutschlandweit über 80 Kliniken unterhält und einen Jahresumsatz von mehr als sechs Milliarden Euro erwirtschaftet. Wer schafft es, hier auf dem Land mit seiner alltäglichen Arbeit Menschen zu beeindrucken und Patienten anzuziehen?

Das St. Bernhard-Hospital hat es geschafft. Die niedersächsische Landesregierung wird dort einen Zuschuss zahlen für geplante Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen. Das hat jedenfalls der Krankenhaus-Planungsausschuss jetzt empfohlen. Die Helios-Klinik aber geht leer aus, wird möglicherweise sogar ihre akute stationäre Versorgung aufgeben müssen.

„Ein großer Erfolg für die Kirche“

Gregor Stratmann, Pfarrer von St. Marien Brake, ist hellauf begeistert. Als Vorsitzender des Kuratoriums hat er die Verhandlungen und Sondierungen in Hannover miterlebt. „Ein Riesenerfolg für die Kirche in diesem Diaspora-Landkreis.“

Wie hat der David, das kleine katholische Krankenhaus, das gegen den Goliath, den Helios-Konzern in Berlin, geschafft?

Medizinische und regionale Gründe

Krankenhaus-Geschäftsführer Ingo Penner nennt zunächst medizinische Gründe. Das Bernhardhospital habe sehr früh neben der akuten Grundversorgung medizinische Schwerpunkte gesetzt: in der Kardiologie („einziger Herzkatheter-Messplatz der Wesermarsch“), bei Hüft- und Knieoperationen, bei der Behandlung von Krebskranken („größte Onkologie zwischen Bremen und Bremerhaven“). Diese Qualitätssteigerung bringe höheren Umsatz und beeindrucke Patienten.

Penner glaubt jedoch, die „enge Verwurzelung in der Region“ gehöre mit zum Erfolg. Man müsse nicht arbeiten wie die Helios-Klinik, wo „eine Zentrale in Berlin einfach Konzepte überstülpt“. Schließlich wolle dieser Konzern auch „seine Rendite sehen“. Gut 15 Prozent Gewinn müsse die Klinik jedes Jahr abwerfen, so die Vorgabe. Anders bei einem konfessionellen, gemeinnützigen Unternehmen wie dem Bernhard-Hospital. „Was wir erwirtschaften, stecken wir auch wieder in den Betrieb“, betont Penner.

Penner: Seelsorge ist wichtig

Konfessionell habe erfahrungsgemäß aber auch eine grundsätzliche Bedeutung, so Penner. „Die Menschen nehmen katholischen Häusern die Motivation, Menschen helfen zu wollen, eher ab als anderen.“ In der direkten Konkurrenz zu kommerziellen Häusern könne das wichtig sein.

Penner betont zudem die Bedeutung der Seelsorge im Haus. Er bedauert, dass die Mauritzer Franziskanerinnen Brake vor einem Jahr verlassen hätten. Eine der Schwestern habe bisher dort als ausgebildete Seelsorgerin gearbeitet. Das Krankenhaus habe in der Zwischenzeit im Bischöflichen Offizialat in Vechta dringend um eine Neubesetzung der Stelle gebeten. Penner zeigt sich zuversichtlich, dass die Stelle im Sommer wieder besetzt werde.

Stratmann: Kirche setzt Akzent in der Diaspora

Davon ist auch Pfarrer Stratmann überzeugt. Denn das Krankenhaus sei in seinem Profil besonders wichtig für Brake. Der soziale Einsatz der Katholiken sei zu einem Markenzeichen geworden. 1878 wurde in der neuen Industriestadt der erste katholische Gottesdienst seit der Reformation gefeiert. Nur zwei Jahre darauf habe der damalige Pfarrer ein Krankenhaus gegründet und dafür Ordensschwestern aus Münster in die Wesermarsch geholt. „Die Katholiken haben sich nicht nur über die Feier der Liturgie definiert“, betont Stratmann. „Sondern sofort auch soziales Profil gezeigt.“

Das sei noch heute so, berichtet der Pfarrer. Neben dem Krankenhaus setze die Kirche in der Wesermarsch mit ihren Kindergärten und dem regionalen Caritasverband einen deutlichen Akzent. Mit sieben Beratungsstellen und Projekten wie Mehrgenerationenhaus, Familienzentrum, Kleiderkammer und „Leihomas“. Stratmann: „Und das hier in Brake bei einer Pfarrei von 1.500 Katholiken in der Stadt, in einer Umgebung, in der katholische Christen eine kleine Minderheit von acht Prozent sind.“ Für ihn ein Zeichen von „lebendiger Kirche“.

Drucken
Anzeige
Anzeige
Anzeige
  • Kampanile - Medieagentur