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Katholischer Selbsthilfeverband für Suchtkranke wird 125 Jahre alt

Kreuzbund fordert striktes Werbeverbot für Alkohol als „Droge Nr. 1“

  • Der Kreuzbund begeht am 21./22. Mai 2022 in Hamm sein 125-jähriges Verbandsjubiläum.
  • Der Selbsthilfeverband für Suchtkranke und deren Angehörige beklagt die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Alkohol und fordert ein striktes Werbeverbot von alkoholischen Getränken.
  • Wöchentlich treffen sich in den bundesweit 1.200 Selbsthilfegruppen mehr als 22.000 Menschen, die im geschützten Rahmen von ihren Problemen mit der Suchterkrankung sprechen können.
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Unter dem Leitwort „Freiheit beginnt, wo Sucht endet“ begeht der Kreuzbund am 21./22. Mai 2022 im Maximilianpark in Hamm sein 125-jähriges Verbandsjubiläum. Der Selbsthilfeverband für Suchtkranke und deren Angehörige erwartet mehr als 400 Teilnehmende aus ganz Deutschland. Unter Mitwirkung der Geistlichen Beiräte des Kreuzbundes wird Bischof Felix Genn am Sonntagmorgen im Kongressort ein Pontifikalamt feiern.

Der Kreuzbund ist ein Fachverband des Deutschen Caritasverbands und aktiv im Europäischen Netzwerk der Sucht-Selbsthilfeorganisationen. Der katholische Verband ist offen für alle Menschen, die Probleme mit Suchtmitteln haben oder die unter der Suchterkrankung eines Angehörigen leiden.

1,6 Millionen Alkoholkranke in Deutschland

„Alkohol ist nach wie vor Droge Nr. 1“, sagt Gunhild Ahmann. Die Mitarbeiterin der Bundesgeschäftsstelle des Kreuzbundes in Hamm weiß um die Bedeutung der deutschlandweit 1.200 Selbsthilfegruppen und kennt die Gefahren der Sucht: „Fast sieben Millionen Menschen trinken hierzulande riskant Alkohol, 1,6 Millionen sind alkoholabhängig.“

Um darauf zu reagieren, brauche es eine bessere Alkoholprävention. „Diese zielt darauf ab, gesundheitlichen, sozialen und ökonomischen Schäden vorzubeugen, die mit dem Konsum von Alkohol verbunden sind“, sagt Ahmann.

Kreuzbund fordert Werbeverbot für alkoholische Getränke

Der Kreuzbund fordert schon seit Langem, die Verfügbarkeit von Alkohol einzuschränken, die Werbung für alkoholische Getränke zu verbieten und den Preis für Alkohol zu erhöhen. „Diese Forderungen sind nicht neu. Dennoch müssen wir viel Lobby-Arbeit leisten, um Gehör zu finden. Die Gefahren des Alkohol-Missbrauchs werden noch immer unterschätzt“, sagt Ahmann.

Als größter deutscher Sucht-Selbsthilfeverband bietet der Kreuzbund in seinen Gruppen Suchtkranken und deren Angehörigen Hilfe. Zur Selbsthilfe gehören das Gespräch und die persönliche Begegnung.

Verschwiegenheit in Kreuzbund-Gruppen

Über die Gruppenstunden sagt Ahmann: „Alle hören einander zu und erfahren so, wie andere den Weg aus der Suchtkrankheit gefunden haben. Voraussetzung für einen vertrauensvollen Umgang innerhalb der Gruppe ist die Verschwiegenheit nach außen.“

Die Gruppenmitglieder informieren darüber hinaus über Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten und motivieren durch das eigene Vorbild, Wege in ein suchtfreies Leben zu finden. Die Teilnehmenden lernen durch den Austausch, ihren Alltag ohne Suchtmittel zu bewältigen und die Gründe und Anlässe für ihr Suchverhalten zu bearbeiten.

Online-Chats während der Corona-Pandemie

Das Aufklärungsplakat des Kreuzbundes macht deutlich: Eine Alkoholerkrankung kann jeden treffen. | Foto: pd
Das Aufklärungsplakat des Kreuzbundes macht deutlich: Eine Alkoholerkrankung kann jeden treffen. | Foto: pd

In den letzten zwei Jahren der Corona-Pandemie galten die Gruppenstunden des Kreuzbundes als „system-relevant“, das heißt, viele Gruppen haben sich treffen können, sofern die Räumlichkeiten nicht generell geschlossen waren. „Für unsere Mitglieder sind die Treffen sehr wichtig. Wir wissen, dass in der Corona-Zeit der Alkohol-Missbrauch gestiegen ist“, sagt die Kreuzbund-Mitarbeiterin.

Zügig habe der Verband in dieser Zeit reagiert und im April 2020 einen Online-Chat eingerichtet. Der Kreuzbund-Chat ist für alle Weggefährtinnen und Weggefährten sowie für Erstkontakte gedacht. Das Angebot gewährleisten derzeit zehn Moderatorinnen und Moderatoren, allesamt in der Kreuzbund-Selbsthilfe erfahrene Frauen und Männer.

Gegenseitige Hilfe in Gruppen

Das 125-jährige Verbandsjubiläum begehen die Teilnehmenden mit einem Festakt und Fachvorträgen über die Suchtproblematik. Zur Sprache kommen wird aber auch der Erfolg der Kreuzbund-Gruppen.

Etwa 70 bis 80 Prozent der suchtkranken Gruppenmitglieder schaffen es mithilfe eines dauerhaften Gruppenanschlusses, abstinent zu bleiben und deutlich an Lebensqualität zu gewinnen. „Nimmt man das als Maßstab, so spart die Selbsthilfe jährlich Sozialleistungen in Millionenhöhe ein und leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Gesundheitsförderung“, sagt Ahmann.

Geschichte des Kreuzbunds
Pfarrer Josef Neumann (1856-1912) gründete 1896 den Kreuzbund als Mäßigkeits- und Abstinenzbewegung gegen den damals weit verbreiteten „Elends-Alkoholismus“. Rund 60 Jahre stand die Unterstützung suchtkranker Menschen durch abstinent lebende Katholiken im Vordergrund. Ab 1960 vollzog sich ein Wandel im verbandlichen Selbstverständnis vom Helferdienst zur Selbsthilfegemeinschaft. Nach der Anerkennung von Alkoholismus als Krankheit durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Bundessozialgericht 1968 entwickelte sich der Abstinenzverein zu einem Selbsthilfeverband für Suchtkranke und deren Angehörige. Der Kreuzbund zählt heute bundesweit 1.200 Selbsthilfegruppen, in denen sich wöchentlich 22.000 Menschen treffen. Informationen unter kreuzbund.de.

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