Papst ernennt Nachfolger von Hans-Josef Becker

Neuer Erzbischof von Paderborn wird Udo Markus Bentz aus Mainz

Anzeige

Der Mainzer Weihbischof Udo Markus Bentz (56) wird neuer Erzbischof von Paderborn. Das wurde heute zeitgleich in Rom, Paderborn und Mainz bekannt gegeben. Er wird Nachfolger von Hans-Josef Becker, der vor anderthalb Jahren in den Ruhestand getreten war.

Udo Markus Bentz wird neuer Erzbischof von Paderborn. Das wurde heute gleichzeitig in Rom, Paderborn und Mainz bekannt gegeben. Bentz folgt auf Hans-Josef Becker, der 2022 nach 20 Amtsjahren in den Ruhestand getreten war. Am 10. März 2024 soll der neue Erzbischof in sein Amt eingeführt werden, wie der bisherige Diözesanadministrator Michael Bredeck ankündigte.

Bentz absolvierte zunächst eine Ausbildung als Bankkaufmann, bevor er sein Theologiestudium begann. Für seine Promotion erhielt er den Karl-Rahner-Preis. Nach seiner Priesterweihe 1995 und einigen Jahren als Seelsorger in Worms wurde der Pfälzer Kaplan des damaligen Mainzer Bischofs Kardinal Karl Lehmann, ab 2007 Leiter des Priesterseminars in Mainz. 

Wer ist Udo Bentz?

Bei der Vorstellung der Missbrauchsstudie für das oberrheinische Bistum im März 2023 distanzierte sich Bentz deutlich von Lehmann. Vieles in der Studie sei schwer erträglich, etwa "der Graben zwischen öffentlicher Rede und internem Handeln". Viele hätte ihm gesagt, das Bild von Lehmann sei zerbrochen. "Mir ergeht es ähnlich", so Bentz.

2015 ernannte Papst Franziskus Bentz zum Weihbischof im Bistum Mainz. Dessen neuer Bischof Peter Kohlgraf berief Bentz 2017 zu seinem Generalvikar. Beim Synodalen Weg, dem Reformprozess der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, war er einer der Moderatoren und gilt als aufgeschlossener, vermittelnder Mann. In der Bischofskonferenz gehört er zudem der Jugendkomission, der Weltkirchenkommission und der Unterkommission für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat an.

Bentz: “Auch die dunklen Seiten annehmen”

"Ich muss und will hier viel lernen", sagte Bentz bei seiner Vorstellung im Paderborner Dom. Er wolle mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch kommen und ihnen zuhören, "wenn sie von ihren Hoffnungen und Erwartungen, aber gewiss auch von ihren Enttäuschungen, ihrer Not und ihrem Ringen erzählen". Der neue Erzbischof zeigte sich entschlossen, “die ganze Wirklichkeit des Erzbistums Paderborn wahrnehmen und annehmen” zu wollen - “auch mit ihrer dunklen Seite. Auch das gehört zu uns. Sonst können wir keinen gemeinsamen geistlichen Weg in die Zukunft finden.”

Bentz betonte, die Kirche könne nicht leben, “wenn sie sich verschließt und sich selbst genügt, sondern ihrer Sendung dann gerecht wird, wenn sie Grenzen überwindet und mit dem Evangelium Brücken in die Gegenwart unserer Gesellschaft baut”. Sein bisheriger Wahlspruch aus dem Markus-Evangelium lautet entsprechend: “Praedicare ubique – domino cooperante” (Überall predigen – der Herr wirkt mit). Junge Menschen müssten nicht nur die Zukunft, sondern bereits die Gegenwart der Kirche sein, die sich als eine dienende Kirche versteht und “die Bedürftigkeit – egal in welcher Hinsicht – zum Maßstab ihres Wirkens macht”, so Bentz. Der Weg zu einer Synodalität ermögliche es, dass “das Evangelium im Heute seine Kraft entfalten kann”.

Genn: Den Menschen zugewandter Erzbischof

“Sie bekommen einen guten Mann, der die Zeichen der Zeit erkannt hat”, würdigte der Mainzer Bischof Kohlgraf den neuen Paderborner Erzbischof in einer Stellungnahme auf der Homepage des Bistums Mainz. “In unzähligen Bereichen unseres Bistums hat er unter Beweis gestellt, dass er bereit ist, die notwendigen Wege zu gehen, um unsere Kirche mit Zuversicht in die Zukunft zu führen.”

Münsters Bischof Felix Genn gratulierte den Katholikinnen und Katholiken im Nachbar-Erzbistum Paderborn. Sie dürften sich auf einen Erzbischof freuen, “der den Menschen zugewandt ist und die Frohe Botschaft im Hier und Jetzt verkünden möchte”, heißt es in einer Mitteilung der Bischöflichen Pressestelle in Münster. Genn freue sich darauf, “die gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit mit dem künftigen Erzbischof und dem Erzbistum Paderborn im Dienst an den Menschen fortzusetzen”.

Landesregierung NRW: Gute Botschaft 

Auch die nordrhein-westfälische Landesregierung hat dem neu ernannten Paderborner Erzbischof Udo Bentz gratuliert. "Das ist eine gute Botschaft in der Adventszeit, die für die Christen in unserem Land und überall auf der Welt eine Zeit der Orientierung ist", erklärte Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski (CDU) am Samstag am Rande einer Veranstaltung in Dortmund. 

"Dass ein so wichtiges und verantwortungsvolles Amt wie das des Erzbischofs von Paderborn nun wieder besetzt ist, hat gerade in einer Zeit, in der unser Zusammenleben auf die Probe gestellt wird, eine besondere Bedeutung." Eine lebendige Kirche, die das Vertrauen der Menschen in unserem Land mehr und mehr zurückgewinne, stifte Zuversicht und biete Halt und Orientierung.

Hessens Ministerpräsident: Geschätzter Gesprächspartner

Darüber hinaus hat auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) zur Ernennung als neuer Erzbischof von Paderborn gratuliert. "Ich wünsche dem künftigen Oberhirten ein segensreiches Wirken, um die künftigen Herausforderungen der Kirche in einer krisenhaften Zeit zu bewältigen", erklärte Rhein am Samstag in Wiesbaden. 

Bentz sei "ein bekannter und geschätzter Gesprächspartner", mit dem man die "vertrauensvolle Kooperation" gerne fortsetze. Zum Erzbistum Paderborn gehört auf hessischem Boden das ehemalige Land Waldeck - also der nördliche Teil des heutigen Landkreises Waldeck-Frankenberg. 

Stichwort: Erzbistum Paderborn
Der Erzbischof von Paderborn ist Metropolit der Paderborner Kirchenprovinz, zu der die Bistümer Erfurt, Fulda und Magdeburg gehören. Das Erzbistum Paderborn ist mit rund 1,4 Millionen Katholiken das sechstgrößte Bistum Deutschlands, hat aber mit einem Gesamtvermögen von rund 7,6 Milliarden Euro die größte Finanzkraft. Es erstreckt sich zum Großteil über Gebiete in Westfalen, einzelne Pfarreien liegen in Niedersachsen (Bad Pyrmont) und Hessen (Landkreis Waldeck-Frankenberg).

Im Westen stößt es an das Bistum Münster, in der Stadt Hamm etwa bildet der Fluss Lippe die Grenze. Zum Erzbistum wurde die Diözese 1930 erhoben, als Bistum wurde es 799 durch Papst Leo III. und Karl den Großen gegründet.

836 wurden die Gebeine des Bistumspatrons Liborius vom französischen Le Mans nach Paderborn überführt. Seitdem besteht ein „Liebesbund ewiger Bruderschaft“, der nicht zuletzt als Partnerschaft auch beider Städte sämtliche Kriege überdauert hat.

Ende Juli feiert das Erzbistum seinen Patron mit dem einwöchigen Libori-Fest, bei dem die Gebeine des Heiligen aus der Krypta des Doms in einem goldenen Schrein erhoben und in Prozession durch die Stadt getragen werden. Parallel zu zahlreichen festlichen Gottesdiensten in der Kathedrale und weiteren geistlichen Angeboten findet die Libori-Kirmes statt. Das Libori-Fest zieht jährlich mehrere hunderttausend Pilger und Besucher an. | mn, KNA